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Tell und Gessler im Weissen Buch von Sarnen

Der frühere Staatsarchivar Angelo Garovi gibt – pünktlich zum Nationalfeiertag – wieder eine kleine Publikation heraus. Das Thema passt dazu: Tell und Gessler im Weissen Buch von Sarnen.
Romano Cuonz
Die erste Darstellung von Tells Apfelschuss in Petermann Etterlins Chronik von 1507. (Bild: Romano Cuonz (Reproduktion aus Garovis Broschüre))

Die erste Darstellung von Tells Apfelschuss in Petermann Etterlins Chronik von 1507. (Bild: Romano Cuonz (Reproduktion aus Garovis Broschüre))

«Meinen Enkelkindern», schreibt der frühere Obwaldner Staatsarchivar Angelo Garovi als Widmung auf der ersten Seite seiner jüngsten Publikation. Dies hat wohl einen guten Grund: Selbst im Zeitalter von «Star Wars» und «Harry Potter» kann die sagenhafte Geschichte, wie Freiheitsheld Wilhelm Tell unser Land vom bösen habsburgischen Tyrannen Gessler befreit, Kinder und Jugendliche noch begeistern.

Als Erster aber hat der frühere Obwaldner Landschreiber Urs Wallimann die Publikation mit grossem Interesse gelesen. Im Vorwort dazu attestiert er dem Autor: «Angelo Garovi, der als Staatsarchivar des Kantons Obwalden von 1981 bis 2006 nicht nur Hüter, sondern auch Erforscher des ‹Weissen Buches› war, hat dessen Quellen und Bedeutung und dem Schöpfer der Chronik akribisch und quellenkritisch nachgespürt.» Heute würde man sagen, Garovi habe einen sorgfältigen Faktencheck zu den bedeutenden Mythen der nationalen Geschichte durchgeführt. Genau dies tut der Historiker in seiner neuen Publikation nochmals. Historisch präzise ist sie. Aber eben auch in sehr lesefreundlicher Art verfasst.

Angelo Garovi beginnt seine Reise zu den alten Eidgenossen mit authentischen Chroniktexten aus dem Weissen Buch von Sarnen. Allerdings legt er diese in einer neuhochdeutschen Übersetzung vor. Für jedermann – sogar für Kinder – gut verständlich! Die Übersetzung stammt von dem Autor Bruno Meyer (1984) mit Zwischentiteln von Karl Meyer (1939).

Nehmen wir als Beispiel die Stelle, wo Tell und Gessler zum ersten Mal miteinander konfrontiert werden. Über Gessler heisst es: «Da geschah es, dass der Landvogt Gessler nach Uri fuhr und dort unter der Linde einen Stecken aufrichten liess, auf den er einen Hut legte. Er stellte einen Krieger dazu und verkündete, dass jeder, der vorübergehe, den Hut grüssen solle, wie wenn der Herr da wäre».

Und auch Tell wird sehr bildlich eingeführt: «Ein Ehrenmann namens Tell, der mit Stauffacher geschworen hatte, ging mehrmals am Stecken vorbei, ohne ihn zu grüssen.»

Chronik zu Ereignissen im 15. Jahrhundert

Was darauf geschah, weiss jeder Schweizer. Angelo Garovi vermittelt aber in der neuen Broschüre auch noch die «Bundesgeschichte der achtörtigen Eidgenossenschaft» und – besonders interessant und spannend – eine Chronik eidgenössischer Ereignisse im 15. Jahrhundert. In diesem Teil bekommt der Leser auch eher unbekannte und spannende Geschichten zu hören: vom Weinhandel zwischen Luzern und Bern etwa. Von Schlachten bei Vögelinsegg und am Stoss. Oder von den unendlichen Kriegen um die sogenannt ennetbirgischen Vogteien der Eidgenossen.

Fast schon wie ein Krimi liest sich das Nachwort, in dem sich Angelo Garovi mit der Entstehung des Weissen Buches und dessen Autor Hans Schriber befasst.

Apropos Schriber: Peter von Matt, der Literaturwissenschaftler, anerkennt, dass kein anderer Schweizer Autor je ein Werk von grösserer Wirkung verfasst habe. Und auch diesen Obwaldner Landschreiber und Frühhumanisten stellt uns Garovi vor. Und zeigt auch auf, welches die Quellen für seine Chronik waren. Wie Schriber für Gessler und seinen Urner Widersacher Tell ganz offensichtlich auf eine frühere Heldengeschichte aus Dänemark zurückgegriffen hat.

Handlung an Vierwaldstättersee versetzt

Auch diese Sage gibt Garovi in seiner neuen Broschüre auf Deutsch wieder: Sie erzählt, wie ein gewisser Toko – meisterhafter Skifahrer und treffsicherer Bogenschütze – von König Harald Blauzahn gezwungen wird, einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schiessen. Versteht sich, dass Toko – wie später Tell – mit einem zweiten Pfeil das Land vom Tyrannen befreien wird.

Gefunden hat Hans Schriber – dies belegt Garovi glaubhaft – diese alte, lateinisch verfasste Sage aus Dänemark wohl im Kloster Engelberg. Und weil dieser Schriber eben ein mehr als begabter Literat war, versetzte er die Handlung spielend an den Vierwaldstättersee. Überaus spannend!

«Tell und Gessler im Weissen Buch von Sarnen. Chroniktext mit der erstmals überlieferten Geschichte von Tell und Gessler». Autor: Angelo Garovi. Erhältlich im lokalen Buchhandel.

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