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Kolumne

Tiere töten zur TV-Primetime

Kolumnist Romano Cuonz schreibt in seinem «Ich meinti »über die waidgerechte Jagd und Respekt gegenüber der Tiere.
Romano Cuonz
Romano Cuonz.

Romano Cuonz.

Gleich vorweg: All meine Bündner Vorfahren waren passionierte Jäger. Und auch ich – obwohl ich höchstens mit der Kamera auf Tiere «schiesse» – bin überzeugt, dass eine vernünftige Jagd Sinn macht. Bis zum heutigen Tag. Sie ist ein uraltes Brauchtum und Recht. Überdies dient sie – mehr und mehr – auch zur Regulierung von teils zu schnell wachsenden Wildbeständen. Und noch etwas gebe ich ehrlich zu: Auch ich esse gerne einheimisches Wild. Fazit: Dagegen, dass Männer und auch Frauen – die es übers Herz bringen, dabei auch anständig und waidgerecht handeln – Wildtiere töten, ist kaum etwas einzuwenden.

Doch: Was zu viel ist, ist zu viel. Wie die von mir sonst sehr geschätzte TV-Sendung «Schweiz aktuell» dieser Tage zwei erfahrene Appenzeller Jäger beim Erlegen von Steinwild begleitet und gefilmt hat, war für mich schlicht schockierend. Nicht die Jagd an sich. Nein, die Art und Weise, wie diese vor sich ging und von der Kamera haarklein, ja fast voyeuristisch festgehalten wurde. Das ging vom nahezu sarkastisch höhnischen «Gitz, Gitz, Gitz»-Ruf eines Jägers in Richtung des vertrauensseligen, weidenden Wildes – kurz bevor er abdrückte – bis zum lauten Knall und dem Fall des Tieres in unkontrollierte Tiefe. Begleitet wurde diese «Action-Szene» obendrein noch von Fluchworten wie «Scheiss …» und «Huärä …!» Höhepunkt war dann, angesichts des eben getöteten Tieres völlig geschmacklos, der gellende «Juiz» des Schützen. Dass die beiden Jäger, wie es meines Wissens in Ob- und Nidwalden jeder und jede tun würde, dem Wild mit Respekt die letzte Ehre erwiesen hätten, war mindestens im Film nicht zu sehen.

«Schrecklich, dieser Schuss. Ich zuckte richtig zusammen», kommentierte die Stanserin Marlene Zelger die Szenen kurz nach der Sendung im Internet. Damit sprach sie mir aus dem Herzen. Wie Jagd hier zur TV-Primetime, nachdem die Kinder eben noch das «Sandmännchen» geguckt hatten, gezeigt wurde, war phasenweise nahezu widerlich. Apropos Kinder: Ich erinnere mich zu gut, wie unsere beiden Kinder im Bündnerland einmal unfreiwillig mit ansehen mussten, wie Jäger einen soeben erlegten, noch blutenden Steinbock auf den viel begangenen Höhenweg in Muottas-Muragl schleppten. Das Bild verfolgte sie noch jahrelang im Traum. Wie wird das wohl nach dieser Serie da und dort gewesen sein? Zwar warnte die Moderatorin jeweils kurz zuvor, dass im Beitrag Tiere geschossen würden. Doch da war es vermutlich für viele Eltern schon zu spät zum Reagieren.

«Warum tut denn jemand so etwas?», würde ich nun fragen, wenn ich ein TV-Kriminalkommissar wäre. Redaktionsleiterin Silvia Zwygart von «Schweiz aktuell» hat eine Antwort darauf. «Dass bei der Jagd Tiere sterben, wird von uns nicht verharmlost. Wir beleuchten das Thema Jagd kritisch und aus verschiedenen Blickwinkeln», schreibt sie. Eine journalistisch durchaus vertretbare Haltung. Allerdings: Muss man bei einem Thema, das in der politischen Agenda und gesellschaftlich ohnehin immer wieder in der Kritik steht, wirklich mit derart rohen Bildern polarisieren? Macht es Sinn, mit solch eher respektlosen Jagdszenen noch mehr Öl ins Feuer zu giessen? Nur, um schön kontroverse Diskussionen zu provozieren. All jenen Jägern jedenfalls, die ihr Waidwerk seriös betreiben, erweist das Fernsehen damit einen Bärendienst. Mir schwant schon, wie Tierschützer bald mit rigorosen Forderungen die Einschränkung oder gar das endgültige Verbot der Jagd durch Revier- oder Patentjäger fordern. In Zürich und Graubünden existieren solche Vorstösse bereits. Noch werden diese Ansinnen meist mehrheitlich abgelehnt. Doch Bilder, wie sie uns «Schweiz aktuell» dieser Tage in die Stuben schickt, werden bestimmt einige weitere Leute zu den Jagdgegnern machen. «Ja: S richtig Aigämäs wär grad firnes Bildmedium bsunders wichtig!»

Romano Cuonz, Journalist und Schriftsteller aus Sarnen, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

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