TITLIS: «Aus» für Sulzlipiste in Engelberg

Schwerer Rückschlag für die Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis: Die Skipiste «Sulzli» vom Stand nach Trübsee und der in der Ebene geplante Schlepplift dürfen nicht gebaut werden.

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Skifahrer auf der Piste bei der Station Stand am Titlis. (Bild Mirjam Graf/Neue LZ)

Skifahrer auf der Piste bei der Station Stand am Titlis. (Bild Mirjam Graf/Neue LZ)

Das Bundesgericht hat eine Beschwerde der Umweltverbände WWF, Bund für Naturschutz und Stiftung für Landschaftsschutz gutgeheissen.

Seit Jahren besteht bei den Titlis-Bahnen der Wunsch, mit der Sulzlipiste entlang des Hanges Schlächtismatt von der Station «Stand» (Rindertitlis) eine zweite Abfahrt nach Trübsee zu schaffen. Im Juli 2002 reichten die Titlis-Bahnen bei der Gemeinde Wolfenschiessen ein Baugesuch für die 1,6 km lange Sulzlipiste ein. Das Gesuch umfasste auch einen demontierbaren Schlepplift, welcher die Skifahrer und Snowboarder über die Ebene zur Sesselbahn «Trübseehopper» bringen sollte.

Die Umweltverbände Pro Natura Schweiz und Unterwalden, WWF Schweiz und Unterwalden sowie der Stiftung Landschaftsschutz erhoben gegen das Projekt Einsprache. Sie argumentierten, die geplante Piste verletze die Schutzziele des eidgenössischen Jagdbanngebietes «Hutstock», welches das Gebiet zwischen dem Engelbergertal und dem Melchtal umfasst. Das Projekt störe insbesondere Schneehasen (vierbeinige!) sowie Schnee- und Birkhühner stark.

Gutachten zur Wildtierbiologie
Trotz dieser Opposition nahm das Projekt die Hürde bei den diversen Nidwaldner Behörden. Die Baudirektion erteilte die notwendige Ausnahmebewilligung unter Auflagen und Bedingungen, im Juni 2005 stimmte auch der Regierungsrat dem Projekt zu. Das Nidwaldner Verwaltungsgericht stützte sich bei seinem Entscheid auf ein Gutachten zur Wildtierbiologie (Gutachten Righetti) und wies die Beschwerde der Umweltverbände ebenfalls ab.

Das Gericht räumte zwar ein, dass das Projekt für einzelne Tierarten Störungen bringen werde, mit Auflagen und Bedingungen und der Umsetzung verschiedener Massnahmen – zeitgerechte Sperrung der Piste im Frühjahr, feste Schutzzäune entlang des Grates im Gebiet «Oberen Wäng» und «Titlisboden», Verbot des Variantenskifahrens etc. – könnten die negativen Einwirkungen jedoch kompensiert und heutige Missstände verbessert werden.

Schwere Beeinträchtigungen
Die Umweltverbände, die um die Vernichtung der seltenen Tierbestände im fraglichen Gebiet fürchten, zogen den Streit ans Bundesgericht. Mit Erfolg. Die Lausanner Richter kommen unter anderem gestützt auf die Vernehmlassung des Bundesamtes für Umwelt zum Ergebnis, dass die neue Piste in eine heute noch relativ ruhige und unberührte Geländekammer zu liegen käme.
 
Der natürliche Lebensraum der dort ansässigen Wildtiere würde beim Bau der Piste stark in Mitleidenschaft gezogen; insbesondere wären schwere Beeinträchtigungen der Wintereinstände von Schneehase und Schneehuhn sehr wahrscheinlich. Auch andere Tierarten wie Gämse oder Füchse und Murmeltiere würden unter der Piste leiden. Durch notwendige Lawinensprengungen zur Sicherung der Sulzlipiste würde die Situation der Wildtiere zusätzlich belastet.

Kritik an Verwaltungsgericht
Das Bundesgericht wirft dem Verwaltungsgericht vor, «den augenscheinlich wirtschaftlich motivierten Interessen der Titlis-Bahnen einen überhöhten Stellenwert eingeräumt» zu haben, ohne zu beachten, dass mit der Bewilligung der Sulzlipiste die Zielsetzung des Eidgenössischen Jagdbanngebietes «Hutstock» illusorisch würde. Jagdbanngebieten kommt von Gesetzes wegen grösstmögliche Schonung zu. Der Pistenbau läuft deshalb nach Meinung des Bundesgerichts dem Schutzgedanken des Jagdbanngebietes deutlich zuwider.

Zerpflückt haben die fünf Bundesrichter schliesslich auch das Argument des Verwaltungsgerichts, wonach mit dem Pistenbau das Variantenskifahren am Titlis kanalisiert werden könne. Das Bundesgericht macht die Nidwaldner Behörden darauf aufmerksam, dass in Banngebieten das Skifahren ausserhalb von markierten Pisten, Routen und Loipen gar nicht zulässig ist und unterbunden werden müsste. «Selbst wenn Vollzugsschwierigkeiten bestehen, ist solchem Verhalten nicht Vorschub zu leisten, indem das Freizeitangebot im Schutzgebiet vergrössert wird», heisst es wörtlich im Urteil.

tzi