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Titlis-Gipfel: Stararchitekten sind eine Chance, Bausünden zu beheben

Umweltverbände reagieren bisher verhalten positiv auf das Projekt von Herzog & de Meuron auf dem Titlis-Gipfel. Die Bahnen wollen den hohen ökologischen Ansprüchen an Bauten im Hochgebirge gerecht werden.
Philipp Unterschütz

Norbert Patt, Geschäftsführer der Titlis-Bergbahnen erklärt an der Pressekonferenz das neue Projekt der Architekten Herzog & de Meuron. (Bild:Alexandra Wey/Keystone, Titlis, 5. November 2018)

Norbert Patt, Geschäftsführer der Titlis-Bergbahnen erklärt an der Pressekonferenz das neue Projekt der Architekten Herzog & de Meuron. (Bild:Alexandra Wey/Keystone, Titlis, 5. November 2018)

«Die Reaktionen sind sehr erfreulich», sagt Norbert Patt, CEO der Titlis-Bahnen, zum landesweiten Medienecho auf die Präsentation des 100-Millionen-Vorhabens der Stararchitekten Herzog & de Meuron auf dem Titlis (Artikel vom 5. November). Das Projekt umfasst den Umbau des Richtstrahlturms, eine neue Bergstation und eine zweite, einspurige Seilbahn für den Materialtransport und für die Sicherheit der Gäste. «Es hat aber im Internet auch negative Kommentare gegeben», so Norbert Patt.

Man sei sich bei den Titlis-Bahnen bewusst, wie hoch der Anspruch an Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit auf einem Alpengipfel wie dem Titlis sei. «Selbstverständlich kommen in der Detailplanung Umwelteinflüssen, Landschaft, Konzepten zur energetischen Erschliessung oder zur Wasserversorgung grosses Gewicht zu.» Man habe Abklärungen zum Energiebedarf gemacht und suche Alternativen zur heutigen Ölheizung.

Pierre de Meuron vor einer Visualisierung des Richtstrahlturms. (Bild: Nadia Schärli, Titlis, 5. November 2018)

Pierre de Meuron vor einer Visualisierung des Richtstrahlturms. (Bild: Nadia Schärli, Titlis, 5. November 2018)

Bei neuer Seilbahn wird genau hingeschaut

Angedacht seien auch eine Energiegewinnungsanlage und WC-Anlagen mit Vakuum-Spülungen, die viel weniger Wasser brauchen als herkömmliche. «Wir wollen ökologische Gebäude, die möglichst wenig Ressourcen brauchen.» So sollen die grossen Glasflächen dazu beitragen, dass sich die Bauten wie ein Wintergarten selber temperieren. Genutzt wird auch die Abwärme des Brauchwassers oder der Snow-Factory, die Schnee zum Schutz des Gletschers herstellt.

Ende April 2018 wurde laut Norbert Patt das Grobkonzept verschiedenen Umweltverbänden vorgestellt. Die Reaktionen seien verhalten positiv gewesen. Das bestätigt Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz in Bern. Er sieht im Projekt von Herzog & de Meuron auch eine Chance. Zwar herrsche in der Tourismusindustrie ein Bauboom wie nie zuvor, und der Stararchitektenkult sei nun auch im Hochgebirge angekommen. «Es ist aber begrüssenswert, dass man sich in den Bergen stärker mit der Architektur beschäftigt.» Es seien in den 1970/80er-Jahren unglaubliche Bausünden gemacht worden, wozu auch die alte Titlis-Bergstation gehöre. Insofern könne das Projekt zu einer Verbesserung führen. Und Herzog & de Meuron hätten auf dem Chäserrugg im Toggenburg ja bereits einen schönen Bau mit Substanz realisiert.

Die heutige Bergstation auf dem Titlis-Gipfel. (Bild: PD)

Die heutige Bergstation auf dem Titlis-Gipfel. (Bild: PD)

«Die Frage ist: Wird die Kapazität ausgebaut? Entsteht ein Supermarkt? Das wollen wir nicht», so Rodewald weiter. Problematisch sei auf den ersten Blick die neue Bahn parallel zur Rotair. «Während der Bauphase ist das kein Problem, aber sie sollte nachher zurückgebaut werden.» Die Rotair biete ein beeindruckendes Bergerlebnis, das man mit der zweiten Anlage stark beeinträchtigen könne. Das Argument, die Bahn diene der Sicherheit, müsse gut überlegt sein. «Wir werden hier genau hinschauen.»

Marc Germann, Geschäftsführer des WWF Unterwalden, sagt auf Anfrage: «Wir sehen auf den ersten Blick keine grundsätzlichen Probleme. Es handelt sich um bestehende Gebäude und nicht um eine Neuerschliessung.» Wichtig sei, dass es keine Lichtemissionen durch Aussen-Beleuchtungen der neuen Gebäude gebe.

Bei der Sektion Obwalden des Innerschweizer Heimatschutzes wartet man auf die detaillierten Unterlagen. «Danach werden wir der Bauherrschaft eine fundierte Rückmeldung geben», sagt Co-Präsident Daniel Bäbi.

«Attraktivität wird gesichert»

Frédéric Füssenich, Tourismusdirektor Engelberg.

Frédéric Füssenich, Tourismusdirektor Engelberg.

Der Engelberger Tourismusdirektor Frédéric Füssenich strahlt. Allein schon die Pressekonferenz vom Montag, an der das 100 Millionen Franken teure Projekt vorgestellt wurde, rückte Engelberg landesweit in den Mittelpunkt des Interesses. «Mit dieser Investition wird die Attraktivität des Titlis-Gipfels für nachfolgende Generationen gesichert, auch wenn im Zug des Klimawandels das Gletschereis immer weniger werden sollte.» Die Titlis-Bahnen würden am richtigen Ort ansetzen, sagt Füssenich. «Der Gipfel ist das Filetstück, er ist der Motor unserer Destination.» Das alpine Erlebnis, das Herzog & de Meuron in den Mittelpunkt stellen, sei faszinierend. Die 360-Grad-Rundumsicht, die man in den Gebäuden werde geniessen können, habe es so noch nicht gegeben. «Der Bau wird nachhaltig faszinieren, weil nicht nur die Architektur im Fokus steht, sondern auch die Natur», ist Frédéric Füssenich überzeugt. (unp)

Auf dem Gipfel des Titlis in Engelberg wird bald nicht nur eine neue Bergstation thronen, auch der Richtstrahlturm wird öffentlich zugänglich gemacht. (Visualisierung: PD)
So sieht der Sendeturm heute aus. (Bild: PD)
Die verantwortlichen Architekten von Herzog & de Meuron haben auf dem Berggipfel das 100-Millionen-Projekt präsentiert. (Visualisierung: PD)
So sieht die Bergstation heute aus. (Bild: PD)
Hans Wicki, Verwaltungsratspräsident der Titlis-Bergbahnen (links) und Architekt Pierre de Meuron, auf dem Sendeturm. (Bild: Nadia Schärli (Engelberg, 5. November 2018))
Das Modell der neuen Bergstation. (Bild: Alexandra Wey / Keystone (Engelberg, 5. November 2018))
Das Modell des Richtstrahlturms auf dem Titlis. (Bild: Alexandra Wey / Keystone (Engelberg, 5. November 2018))
Hans Wicki (links), Verwaltungsratspräsident der Titlis-Bergbahnen und Architekt Pierre de Meurron stellen das Projekt Titlis 3020 an der Pressekonferenz vor. (Bild: Nadia Schärli (Titlis, 5. November 2018))
8 Bilder

Neubau auf dem Titlis

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