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Titlis-Gletscher: Das Eis wächst wieder

Seit kurzem schützen die Titlis-Bahnen den Gletscher auch mit künstlich hergestelltem Schnee. An einigen Stellen ist das Eis gar dicker geworden. Dennoch gibt man sich keinen Illusionen hin – hofft aber, so den Gletscher noch länger vermarkten zu können.
Oliver Mattmann
Der Gletscher auf dem Titlis in Engelberg ist dank Beschneiung erstmals wieder leicht gewachsen. (Bild: PD)

Der Gletscher auf dem Titlis in Engelberg ist dank Beschneiung erstmals wieder leicht gewachsen. (Bild: PD)

Wer im Hochsommer seine Glace an die Sonne hält, muss sich nicht wundern, wenn sie schmilzt. Nicht anders – wenn auch in viel grösseren Dimensionen – ergeht es seit vielen Jahren dem Gletscher auf dem Titlis-Gipfel in Engelberg. Mitunter durch menschliches Zutun – Stichwort Klimaerwärmung – ist er in diese Situation geraten und seit 1970 um über die Hälfte geschrumpft. Durch menschliches Zutun wird inzwischen versucht, zumindest den Schmelzprozess zu verlangsamen. Die Rede ist von riesigen Vliesen, die in warmen Monaten an exponierten Stellen über das Eis gelegt werden – laut Peter Reinle, Marketingleiter der Titlis-Bahnen, mit ansprechendem Erfolg.

Neu wenden die Bergbahnen noch ein anderes Mittel an. Das der technischen Beschneiung. «Wir stecken damit noch in den Kinderschuhen, die ersten Erfahrungen sind aber positiv», sagt Reinle auf Anfrage unserer Zeitung. Zuletzt sind im ganzen Titlis-Skigebiet jährlich um die 5 Millionen Franken in die technische Beschneiung investiert worden, so eben auch für eine Leitung vom Stand auf 2430 Metern über Meer zur rund 400 Meter höher gelegenen Talstation der Ice-Flyer-Sesselbahn. Liegt eine Schneedecke auf dem Gletscher, so wird dieser vor der Sonneneinstrahlung besser geschützt. Im Hochsommer ist es für die technische Beschneiung selbst in dieser Höhe zu warm. «Doch im Herbst, Frühling und auch im Winter, wenn ideale Verhältnisse herrschen, lassen wir es aus gegen zehn verschiebbaren Kanonen auf dem Gletscher schneien», erklärt Peter Reinle. Mit idealen Verhältnissen sind 5 bis 8 Grad unter Null und möglichst wenig Wind gemeint. «So holen wir das Optimum bei gleichzeitig tiefstem Energiebedarf heraus.»

Im Monat sind es höchstens ein paar Nächte

Wer denkt, dass die Titlis-Bahnen den Gletscher über Wochen mit künstlichem Weiss berieseln, der irrt. «Das sind im Schnitt vielleicht ein paar Nächte im Monat, an denen sich der Aufwand effektiv lohnt», so Reinle. Früher sorgte mit der tiefer liegenden Nullgradgrenze in der Regel die Natur selbst dafür, dass es obenaus Neuschnee auf den Gletscher gab. «Heute regnet es auf dieser Höhe deutlich öfter», spricht Peter Reinle eine weitere Folge der Klimaerwärmung an.

Den Titlis-Bahnen ist bewusst, dass sie den Rückgang des Gletschers nicht aufhalten können. Glaziologen haben prognostiziert, dass dieser in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf einige Restposten zusammengeschmolzen sein wird. Stellt sich die Frage, weshalb man so viel Geld investiert in etwas, das nicht zu retten ist? Dazu Reinle: «Wir glauben daran, dass wir das Verschwinden des Gletschers wesentlich hinauszögern können.» Auch wenn der Erfolg nicht überbewertet werden dürfe, so habe man an einigen Stellen sogar beobachten können, dass der Gletscher wieder zugelegt habe, schiebt der Marketingleiter nach. «Das ist es uns wert.»

Kritik am Wasser- und Stromverbrauch

Das grosse Interesse der Bergbahn am Gletscher hat seine Gründe. «Er ist immer noch ein markanter Anziehungspunkt für Touristen», hält Reinle fest. Daher spiele er in den Marketingüberlegungen nach wie vor eine wichtige Rolle, ebenso die Gletschergrotte bei der Bergstation. «Ich behaupte, dass dies noch 30 bis 50 Jahre so bleiben kann, eben auch dank unseren Massnahmen.» Eine Prognose darüber hinaus wagt er nicht. Es ist indes unbestritten, dass die Titlis-Bahnen etwa mit der 2012 eröffneten und höchst gelegenen Hängebrücke Europas oder dem kürzlich vorgestellten 100-Millionen-Projekt mit Restaurant und Bar im ausgedienten Richtstrahlturm für die Zeit nach dem Gletscher vorsorgen.

Wie sich die Umweltverbände zu diesem Leuchtturmprojekt äussern werden, wird sich noch weisen. Die Beschneiung des Gletschers indes hat auch kritische Stimmen zum Wasser- und Energieverbrauch ausgelöst, wie Peter Reinle bestätigt. Er hält entgegen, dass das benötigte Wasser aus dem Trübsee stammt und Überschüsse auch dorthin wieder zurückfliessen. Den hohen Energiebedarf will Reinle nicht schönreden, er erwähnt aber auch, dass dieser in den allermeisten Fällen nachts ansteige, wenn sonst der Gesamtverbrauch in der Region gering sei.

«Über Sinn oder Unsinn, wie der Strom in unserer Gesellschaft verwendet wird, kann man immer diskutieren. Das ist bei einer Flutlichtanlage für ein Fussballstadion nicht anders», zieht der Marketingleiter einen Vergleich. Letztlich stehe die Bevölkerung aber dahinter, dass der Berg touristisch genutzt werde und entsprechende Investitionen erforderlich seien, um konkurrenzfähig zu bleiben und dadurch eine bedeutende Wertschöpfungskette in der Region zu behalten.

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