Titlisbahnen
«Geister»-Aktionärsversammlung verzichtet auf Dividenden

Einen Verlust von 19,6 Millionen Franken mussten die Aktionäre der Titlisbahnen hinnehmen. Dennoch blickt der Verwaltungsrat optimistisch in die Zukunft.

Matthias Piazza
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Die Titlis-Rotair.

Die Titlis-Rotair.

Bild: PD

Bereits zum zweiten Mal in Folge musste die Generalversammlung der Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG (BET) oder kurz Titlisbahnen am Freitag ohne physische Teilnahme der Aktionäre durchgeführt werden – coronabedingt. Die Pandemie hinterliess auch deutliche Spuren im abgelaufenen Geschäftsjahr (November 2019 bis Oktober 2020). So musste Verwaltungsratspräsident Hans Wicki seinen Aktionären einen Verlust von 19,6 Millionen Franken unterbreiten. Mit 595'341 Gästen besuchten so wenig Gäste den Titlis wie seit vielen Jahren nicht mehr, 52 Prozent weniger als im Vorjahr. Die drei Segmente Schneesport, Gruppenreisen und Einzelreisende mussten Einbussen im zweistelligen Bereich verzeichnen, entsprechend geringer waren die Umsätze in allen Geschäftsbereichen. Dieser Rückgang konnte auch durch die erfreuliche Zunahme von 50 Prozent bei den Besuchern aus der Schweiz nicht kompensiert werden.

Das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen beträgt 5,2 Millionen Franken. «Ein guter Wert, wenn man die ausserordentlichen Ergebnisse und Umstände in dieser herausfordernden Zeit berücksichtigt», schreibt der Verwaltungsrat. Er sei überzeugt, dass die Titlisbahnen mit ihrer soliden Bilanz und der hohen Eigenkapitalquote auf einem stabilen Fundament stünden.

Der Start ins laufende Geschäftsjahr habe sich schwierig gestaltet, da Anfang November bis Ende Dezember die Zahl der Gäste halb so hoch war wie in der Vergleichsperiode des Vorjahrs – trotz hervorragender Schneeverhältnisse. Im Januar und Februar waren die Zahlen 40 Prozent niedriger als im Jahr zuvor. «Durch die erneute behördliche Schliessung des Gebiets über die Weihnachtszeit fehlen dem Unternehmen die umsatzstärksten Tage des ganzen Jahres und auch das stark eingeschränkte Gastronomieangebot führt zu schmerzhaften Verlusten», heisst es weiter.

Für diesen Sommer konzentriert sich das Unternehmen auf die Schweizer Gäste. Die Eröffnung des Berghotel Trübsee und des Hotel Terrace sei für den Beginn der Sommersaison geplant. «Allerdings hängt dies von der Nachfrage ab. Ist sie zu gering, werden wir einzelne Hotels und Restaurants nicht öffnen», hält Norbert Patt, Direktor der Titlisbahnen, fest.

Zuversicht wegen Massentests und Impfungen

In die Zukunft blickt man optimistisch – dank Buchungen aus südostasiatischen Ländern für Meetings und Veranstaltungen im kommenden Winter. Auch die zunehmende Verbreitung der Massentests und Impfungen seien Grund für Zuversicht, schreibt der Verwaltungsrat weiter. Trotzdem rechnet er mit einem weiteren herausfordernden Jahr, da sich der Markt für interkontinentale Reisen, der für die Titlisbahnen so wichtig sei, erst ab Herbst 2021 erholen werde.

Wegen des schlechten Geschäftsgangs erleidet auch das Projekt Titlis 3020 eine Verzögerung. «Wir rechnen damit, dass wir frühestens im Sommer 2022 mit dem Bau des Turms beginnen können, rund ein Jahr später als geplant», sagt Norbert Patt. Die Inbetriebnahme wäre dann im Jahr 2024. Dabei würden schon jetzt Anfragen für Anlässe in diesem künftigen Turm vorliegen.

Mehrheit der Aktionäre steht hinter Vergütung für Verwaltungsrat

13 coronabedingte Personalentlassungen, Kurzarbeit und Aktionäre, die auf ihre Dividende verzichten müssen. Auf der anderen Seite ein Verwaltungsrat, der zwar für dieses Geschäftsjahr auf 30 Prozent seiner fixen Vergütung verzichtet, aber fürs abgelaufene Geschäftsjahr immerhin 315'000 Franken bezogen hat: Das hat im Vorfeld für Kritik gesorgt. «Es gab zuhanden der Aktionärsversammlung ein Votum eines Aktionärs, diese Vergütung für den Verwaltungsrat sei zu hoch», sagt Norbert Patt darauf angesprochen. «Aber das ist nicht die Meinung der Mehrheit. So wurde das Traktandum zur vorgeschlagenen Vergütung mit knapp 80 Prozent der Aktionärsstimmen genehmigt.»

Zudem wurden auch sämtliche sieben Mitglieder des Verwaltungsrates in ihrer Funktion wiedergewählt, darunter auch Verwaltungsratspräsident Hans Wicki.