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TOURISMUS: In Engelberg surfen Touristen gratis

Auch im Klosterdorf stören sich die Touristiker an den Roaming-Gebühren, die in der Schweiz im Gegensatz zur EU weiterhin erhoben werden. Als Alternative testet man nun den flächendeckenden, kostenlosen Internetzugang für Gäste.
Philipp Unterschütz
Egal, wo sich Touristen im Dorf Engelberg aufhalten – ihre Fotos können sie gratis übers Internet teilen.Archivbild: Pius Amrein

Egal, wo sich Touristen im Dorf Engelberg aufhalten – ihre Fotos können sie gratis übers Internet teilen.Archivbild: Pius Amrein

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@obwaldnerzeitung.ch

Dass innerhalb der EU die Roaming-Gebühren abgeschafft werden, während die Telekommunikationskonzerne in der Schweiz weiterhin abkassieren, macht den Tourismusverantwortlichen Bauchweh. «Das ist einfach schlecht fürs Image, die Schweiz gilt eh schon als Hochpreisland», sagt Engelbergs Tourismusdirektor Frédéric Füs­senich. Manch ein Tourist aus ­Europa könnte böse aus den ­Ferienerinnerungen erwachen, wenn plötzlich die Rechnung mit den Schweizer Roaming-Gebühren ins Haus flattert. Der Schweizer Tourismus-Verband STV wird nun auf dem politischen Parkett aktiv und fordert, dass auch die Schweiz auf Roaming-Gebühren mit der EU verzichtet. Im Zuge dieser Lobbyarbeit wurde dieser Tage auch das Schweizer Radio auf die Engelberger Lösung aufmerksam.

Im Klosterdorf will man einen flächendeckenden Gratis-Wi-Fi-Empfang im öffentlichen Raum einrichten. Momentan gibt es neben vielen individuellen Lösungen von Hotels, Restaurants, Bahnen und Gewerbebetrieben zwei grössere Netze. In beiden können sich die Nutzer gratis einloggen und müssen dafür keinerlei Daten angeben. Das eine wird von den Titlisbahnen betrieben und umfasst die Bahnstationen und die Restaurants von der Talstation bis zum Titlis.

Testbetrieb ist erfolgreich verlaufen

Die andere Möglichkeit basiert auf den seit Jahren bestehenden Zugangspunkten des Engelberger Internetanbieters Tele Alpin AG und des Tourismusvereins. Dieses Netz, das laut Philipp von Holzen, dem technischen Leiter der Tele Alpin AG, 20 Access-Points umfasst, wurde nun im November testweise gratis freigeschaltet. Vorher mussten Nutzer dafür zahlen, für die Testphase übernahm der Tourismusverein die Kosten von rund 4500 Franken. Das Netz umfasst praktisch den ganzen öffentlichen Raum im Dorf. Ein Erfolg, sagt von Holzen. «Es gibt zwar starke saisonale Schwankungen, aber das Angebot wurde sehr gut genutzt, das Bedürfnis ist da, Tendenz steigend.» Ein Test am Skispringen unter hoher Belastung durch viele Zugriffe habe auch eine gute Verfügbarkeit bewiesen.

Die Möglichkeit, überall und jederzeit seine Ferieneindrücke in den sozialen Medien teilen zu können, sei ein Gästeservice, auf den man nicht verzichten dürfe, betont Frédéric Füssenich. «Vielleicht gewinnen wir nicht sehr viel, nur weil Bilder geteilt werden, aber wir müssen dieses Grundbedürfnis befriedigen.» Philipp von Holzen formuliert es so: «Für viele scheint permanente Internetverfügbarkeit mittlerweile wichtiger zu sein, als fliessendes Wasser im Zimmer.»

Welche Gegenleistung darf man von Nutzern erwarten?

Die Daten aus dem Test bis Ende April werden nun detailliert ausgewertet, bis Ende Juli soll das weitere Vorgehen für eine langfristige Lösung beschlossen werden. So wird entschieden, ob allenfalls ein Ausbau des Netzes angezeigt ist. «Das Fernziel wäre natürlich, alle Engelberger Access-Points zu einem Netz zusammenschliessen zu können, damit sich die Gäste nicht immer wieder neu einloggen müssen, wenn sie Standorte wechseln», sagt Frédéric Füssenich. Ein weiterer Punkt, der noch unklar ist, betrifft die Gegenleistung, welche die Nutzer für den Gratisservice, der von Tourismus, Bahnen, Hotellerie und Gastronomie bezahlt wird, leisten müssen. Soll zum Einloggen beispielsweise eine Anmeldung via Facebook oder eine E-Mail-Adresse nötig werden? Diese Daten könnten dann allenfalls für Marketing-Zwecke gebraucht werden.

Für die Tele Alpin AG, die auch private Zugangspunkte fürs Internet anbietet, sollte der Test auch Auskunft geben, ob man sich mit einer flächendeckenden Gratislösung letztlich nicht selber kannibalisiere. Dies sei aber nicht der Fall, sagt Philipp von Holzen. «Das Sicherheitsbedürfnis für private Transaktionen ist wesentlich höher, als es ein öffentliches Netz erfüllen kann.»

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