Interview
Obwalden Tourismus AG will nicht Steuereintreiberin sein

Im Wirkungsbericht zum Tourismusgesetz muss die Obwalden Tourismus AG Kritik einstecken. Verwaltungsratspräsident Thorsten Fink erklärt im Interview, was er von den Rückmeldungen hält.

Philipp Unterschütz
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Der Wirkungsbericht über das Tourismusgesetz, der an der nächsten Sitzung des Kantonsrats behandelt wird, enthält auch einige Kritikpunkte an der Obwalden Tourismus AG (wir berichteten). Die Regierung will nun verschiedene Massnahmen prüfen lassen. Unter anderem, ob die zukünftigen Aufgaben der OT AG und ihre Organisation angepasst und deren Marketingleistungen allenfalls extern eingekauft werden sollen.

Thorsten Fink, VR-Vizepräsident und Verwaltungsratspräsident ad interim der Obwalden Tourismus AG.

Thorsten Fink, VR-Vizepräsident und Verwaltungsratspräsident ad interim der Obwalden Tourismus AG.

Bild: Archiv Obwaldner Zeitung

Thorsten Fink, Sie haben sich nach dem Bericht in unserer Zeitung veranlasst gesehen, eine Medienmitteilung zu verfassen, in welcher Sie den Wirkungsbericht begrüssen. Ist es nicht viel eher so, dass er Ihnen Sorgenfalten auf die Stirn treibt?

Nein, überhaupt nicht. Eine periodische Überprüfung gehört zum demokratischen Prozess. Es ist für alle Beteiligten sehr hilfreich, eine neutrale, externe Standortbestimmung zu erhalten. Und wie es ja auch im Bericht steht, sind die Hauptursachen der Kritik vor allem Diskrepanzen zwischen dem tatsächlichen Auftrag der OT AG und den Wünschen einiger Leistungsträger. Dieses Ergebnis ist sehr wichtig für die zukünftige Arbeit.

Wenn man gewisse Stellen im Bericht liest, könnte man fast zum Schluss kommen, die OT AG braucht es nicht wirklich.

Dies zu beurteilen, liegt nicht an uns. Die OT AG wurde vor zehn Jahren infolge des neuen Tourismusgesetzes geschaffen. Ebenfalls im Rahmen dieses legislativen Prozesses sind Änderungen oder Neuausrichtungen jederzeit möglich, diese zu veranlassen ist aber nicht unsere Aufgabe. Wir sind überzeugt, dass wir einen sehr wertvollen Beitrag zur Vermarktung des Sarneraatals geleistet haben und weiterhin leisten, zumal die Frage bleibt, wie man die Vermarktung besser gestalten könnte, wenn es die OT AG nicht gäbe. Hierauf gibt der Bericht keine Antwort. Deutlich zum Ausdruck gebracht wird jedoch die Erwartung, dass sich die OT AG auch im Bereich Angebotsentwicklung und Eventorganisation engagieren sollte.

Sie möchten also sogar weitere Aufgaben übernehmen?

Aus dem Wirkungsbericht geht klar hervor, dass es der Wunsch vieler Leistungsträger ist, dass die OT AG zusätzliche Aufgaben übernimmt. Hierzu sind wir gerne bereit, wenn die nötigen Voraussetzungen geschaffen werden. Es wäre wünschenswert, die Wahrnehmungslücke zwischen tatsächlichem Leistungsauftrag und den gewünschten Leistungen schliessen zu können. Es scheint also die OT AG als professionellen Partner zu brauchen.

Die Regierung will prüfen, ob gewisse Aufgaben der OT AG wie beispielsweise das Marketing auch extern gemacht werden könnten. Das wäre dann aber der Todesstoss für die OT AG?

Neben der Möglichkeit, dass die OT AG analog zum Kanton Schwyz vor allem eine Drehscheibenfunktion übernehmen würde und somit auch in diesem Fall eine Daseinsberechtigung hätte, sind wir überzeugt, dass der Einkauf dieser Leistungen finanziell und organisatorisch keine Vorteile bringen würde, da es aufgrund des genannten «Gärtchen-Denkens» zu viele unterschiedliche Interessen gäbe, um einen gezielten Auftrag zu erteilen. Hinzu kommt, dass die sehr gute Arbeit der Mitarbeitenden der OT AG ausdrücklich anerkannt und gelobt wird.

Auch die Organisation der OT AG wird im Bericht hinterfragt. Sehen Sie selber Verbesserungsmöglichkeiten?

Ja, die Erhebung der Tourismusabgabe durch die OT AG ist unglücklich und trägt zum negativen Image als «Steuereintreiberin» bei. Ausserdem bindet diese Aufgabe sehr grosse finanzielle und personelle Ressourcen, die wir wesentlich lieber unserer Hauptaufgabe, der Vermarktung, oder neuen zukünftigen Aufgaben widmen würden.

Was sagen Sie zum Vorwurf, die Strategie der OT AG sei verzettelt?

Die OT AG ist eine sehr junge Organisation und die Umfrage bezieht sich auf die Zeit bis 2019, also praktisch bis zum Start des neuen Geschäftsführers. Wie in jeder Organisation benötigt man einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess, muss auf unterschiedliche Anforderungen reagieren und Anpassungen vornehmen. Der Tourismus ist schnelllebig und Trends unterworfen und man muss in der Vermarktung darauf reagieren. Will man das negativ bewerten, spricht man von Verzettelung. In positiver Sicht sind es erstrebenswerte Eigenschaften wie Agilität und Flexibilität. Die zu Grunde liegende Strategie und Aufgabe, vor allem den Markt Schweiz und Familien zu bearbeiten, verfolgen wir seit Gründung der OT AG konsequent und dies kommt auch im Bericht zum Ausdruck.

Sie waren auf der Frutt tätig und kennen das Gebiet bestens. Was sagen Sie zum Wunsch der Frutt, dass man die Tourismusgelder selber verwalten will?

Ich habe Verständnis dafür, dass man sich seitens einiger Player die Möglichkeit wünscht, eigene Mittel zu verwalten. Die relativ geringe Höhe der Tourismusabgabe, beispielsweise der Sportbahnen Melchsee-Frutt, kann hier aber kaum der Anlass sein, das Tourismusgesetz als Ganzes in Frage zu stellen. Vielmehr würde ich mir wünschen, dass es Gemeinden möglich sein könnte, eine Kurtaxe zu erheben – parallel zur kantonalen Tourismusabgabe. Eine solche Massnahme würde einen signifikanten Beitrag dazu leisten, nicht nur das touristische Angebot zu verbessern, sondern auch den Gemeinden und ihren Leistungsträgern mehr Autonomie verschaffen.

In der Kritik stehen auch die häufigen Personalwechsel bei der OT AG. Sie selber sind auch Präsident ad interim, was ja auch nicht für Kontinuität steht.

Wie schon gesagt, wir sind keine «alte» Organisation, da sind einige Wechsel normal, zumal wir auch viele junge Mitarbeitende bei uns hatten. Da ist eine gewisse Fluktuation zu erwarten. Seit rund zwei Jahren haben wir nun mit Daniel Scardino Kontinuität in der operativen Geschäftsleitung.

Meine Funktion ad interim sehen sowohl der Hauptaktionär wie auch der Verwaltungsrat vor allem als Beitrag zur Kontinuität, denn wir wollten so die Möglichkeit erhalten, den Wirkungsbericht abzuwarten und zu analysieren. Stellen Sie sich vor, wir hätten ein neues Präsidium berufen, das jedoch mit den Resultaten des Berichtes und den möglichen Anpassungen nicht einverstanden wäre. Dann hätten wir wirklich ein Kontinuitätsproblem.

Wie sehen Sie die Verteilung der Beiträge an Engelberg und OT AG?

Es liegt am Kantonsrat, dies zu entscheiden. Wünschenswert wäre es für alle Beteiligten, dass die Bedeutung der touristischen Vermarktung über die Gewinnung von Besuchern hinaus als Standortpromotion erkannt und gefördert wird.

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