TV-Drama aus Südkorea: Das Happy End ist «made in Obwalden»

Die Serie «Crash Landing On You» ist ein Hit auf Netflix. Für das romantische Staffelfinale haben die Produzenten aus Südkorea eine besonders schöne Gegend ausgesucht.   

Adrian Venetz
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Nach extrem viel Drama in Nordkorea gibt's endlich ein Happy End – natürlich in Lungern.

Nach extrem viel Drama in Nordkorea gibt's endlich ein Happy End – natürlich in Lungern.

Bild: Screenshot Netflix

Drama, Spannung und ganz viel Liebe: «Crash Landing On You» hat offenbar alles, was das Zuschauerherz begehrt. Die 16-teilige Serie steht auf Platz 2 der bestbewerteten TV-Dramen aus Korea, die letzte Folge wurde Mitte Februar auf Netflix ausgestrahlt. Unbedarfte Zuschauer, die mit der hiesigen Region vertraut sind, dürften allerdings aus einem ganz anderen Grund staunen. Die romantische Szene, in der die von Liebeskummer gequälten Protagonisten endlich glücklich vereint sind, alle Herzen schmelzen lassen und sich selig lächelnd ihrem ewigen Glück hingeben – ja, diese letzte Szene wurde tatsächlich in Obwalden gedreht.

Rezept für absolutes Liebesglück: Picknick mit Blick auf den See und das (nicht kommunistisch geprägte) Dorf Lungern.

Rezept für absolutes Liebesglück: Picknick mit Blick auf den See und das (nicht kommunistisch geprägte) Dorf Lungern.

Bild: Screenshot Netflix

Die Kurzversion von «Crash Landing On You»: Eine Frau aus Südkorea landet mit ihrem Fallschirm unverschuldet und bewusstlos in Nordkorea. Bekanntermassen ist dort eine Grenzüberschreitung – oder, wie in diesem Fall, eine ohnmächtige Überfliegung – nicht ganz unproblematisch. Erschwerend kommt hinzu: Ein nordkoreanischer Armeeoffizier, der die Frau findet, bestraft sie nicht etwa, sondern verliebt sich in sie. Und sie sich in ihn. Die Zuschauer finden das ganz toll, weil die Liebe ja bekanntlich keine Grenzen kennt. Dann kommt ganz viel Drama, weil die Geopolitik nach wie vor Grenzen kennt. Am Schluss finden die beiden Schmachtenden eben doch zusammen, und zwar in Lungern, genauer im Weiler Bürglen, wo die Aussicht auf See und Berge noch eine Spur schöner ist als im Dorf – Hauptsache weit weg von Kommunismus und Diktatur.

Die Serie endet mit Blumensträusschen, einer starken Schulter zum Anlehnen und mit verträumtem Blick auf die Obwaldner Bergwelt.

Die Serie endet mit Blumensträusschen, einer starken Schulter zum Anlehnen und mit verträumtem Blick auf die Obwaldner Bergwelt.

Bild: Screenshot Netflix

Lungern freut sich über Popularität

«Wir hatten auf der Verwaltung keine Kenntnis von diesem Dreh», sagt die Lungerer Gemeindepräsidentin Bernadette Kaufmann – selbst überrascht und erfreut ob dieser unverhofften Medienpräsenz. «Allerdings sehen wir natürlich ab und zu Asiaten, die für ihre Hochzeit am Lungerersee Fotos machen.» Dass die Region so beliebt sei, freue die Lungerer natürlich.

Lungern gleich wieder im Rampenlicht: «SRF bi de Lüt» bringt 5-teilige Serie

Die aktuelle Staffel «SRF bi de Lüt – Unser Dorf» gibt ab Freitag, 6. März, in insgesamt fünf Folgen Einblicke in das Dorf Lungern. «Im Mittelpunkt stehen Dorfbewohner, die vor einer Herausforderung stehen oder ein Abenteuer wagen», schreibt das Schweizer Fernsehen. Zum Beispiel Elsa und Joe Zumstein: Beide sind zwar in Lungern aufgewachsen, kennen und lieben gelernt haben sie sich aber in Afrika. Dort betreibt das Rentnerpaar mit einer Stiftung Waisenhäuser, Kinderheime und Lehrwerkstätten. Oder Damian Hüppi und Michael Stalder: Die beiden jungen Männer erzählen bei der «Älplerchiuwi» als «Wildwiib und Wildmaa» Anekdoten aus dem Dorf. In der SRF-Sendung widmen sie sich einem speziellen Projekt: Sie suchen einen Skilift in Tschechien, der früher mal in Lungern stand. (ve) 

Lungern ist nicht der einzige Schweizer Ort, den die Produzenten aus Südkorea ausgewählt haben. Einige – Warnung: teils ziemlich kitschige – Szenen gegen Ende der Staffel wurden beispielsweise in Interlaken oder auf dem Jungfraujoch gedreht. Aber das Finale, die letzten Bilder, die innige Zweisamkeit, die vor Rührung glänzenden Augen inklusive Picknick – der Höhepunkt gehört den Liebenden in Lungern.

Doch wie sind die Produzenten auf diesen Fleck gestossen? Wo fanden sie Unterschlupf? Gibt es eine Fortsetzung? Und vor allem: Hatten sie eine Drehgenehmigung für Drohnenaufnahmen? Eine schriftliche Anfrage unserer Zeitung an die Produktionsgesellschaft in Südkorea blieb bislang unbeantwortet.