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Ausstellung in Sachseln bietet ein Häppchen nach dem andern

Das Museum Bruder Klaus richtet für einmal alle Scheinwerfer auf das Haus und den Garten, wo es seit 1976 zuhause ist. Am Sonntag fand die Vernissage der Ausstellung «Haussichten» statt.
Romano Cuonz
Museumsleiterin Carmen Kiser (links) mit Künstlerin Andrina Jörg im Garten mit seltsam fremden Gewächsen. (Bild: Romano Cuonz (Sachseln, 1. Juli 2018))

Museumsleiterin Carmen Kiser (links) mit Künstlerin Andrina Jörg im Garten mit seltsam fremden Gewächsen. (Bild: Romano Cuonz (Sachseln, 1. Juli 2018))

«Das Peter-Ignaz-von-Flüe-Haus berührt und regt an, jedem aber fällt beim Gang durch die Räume etwas anderes auf», sagt Carmen Kiser. Sie leitet seit Anfang Jahr das denkmalgeschützte Museum Bruder Klaus in Sachseln, das in diesem Baudenkmal untergebracht ist und zu dem auch noch das Ökonomiegebäude mit der Sammlung Christian Sigrist und der barocke Garten gehören. Für die Geschichtsvermittlerin stand von Anfang an fest, dass sie den Zauber, der diesem Haus beiwohnt, wecken wollte.

«Die Ausstellung ‹Haussichten› lädt Jung und Alt ein, auf Entdeckungsreise durch das alte Haus und den Garten zu gehen, und dabei neben Bekanntem auch viel Überraschendes zu entdecken», verspricht die Museumsleiterin. Am Sonntag war Vernissage. Wie an einem Buffet bietet die Ausstellung ein «Häppchen» nach dem andern: Mit Botschaften an Wänden und Fenstern, mit Hörstationen, die Erinnerungen von Sachslern an Haus und Bewohner auffrischen. Und schliesslich Interventionen von sieben Künstlern aus der Deutschschweiz, die – inspiriert von Haus und Garten – Überraschendes geschaffen haben. Kreativ, vielschichtig und überaus lebendig.

So spannend kann Geschichte sein

Im monumentalen Peter-Ignaz-von-Flüe-Haus wird der Einfluss des französischen Hofes auf Obwalden während der «Helvetik» so lebendig wie kaum anderswo. Praktikantin Vanessa Vogler hat sie für die Besucher der Ausstellung auf spannende Weise aufgearbeitet: Bauherr des Hauses war der noch junge, sehr erfolgreiche Politiker Peter Ignaz von Flüe. Schon mit 29 Jahren wurde er 1791 Obwaldner Landammann. Als Befürworter eines französischen Zentralstaates errichtete er auch seinen Prachtbau ganz nach französischem Vorbild. Der barocke Garten mit symmetrisch angelegten Beeten erinnert ein wenig an Versailles. Selbst teils noch immer erhaltene Möbelstücke verraten französischen Geschmack.

Als die «Helvetik» ausgedient hatte, ging auch die Karriere von Peter Ignaz von Flüe abrupt zu Ende. Er nahm ein Theologiestudium auf, wurde Pfarrer in Alpnach und liess dort nochmals aufhorchen: Diesmal als Bauherr der Dorfkirche. Das Peter-Ignaz-von-Flüe-Haus aber wurde zum Sitz von Arztpraxen und wechselte den Namen: Ab jetzt war es das Doktor-Omlin-Haus. In der Wohnung unter dem Dach lebte als Kind der Dichter Heinrich Federer. Seine Erinnerungen, wenn er dort am Fenster stand, sind literarisch geworden. Wie spannend Geschichte – entstanden aus Geschichten – sein kann, beweisen viele Hörstationen mit sogenannter «Oral History». Theo von Moos hat die Erinnerungen bei Sachslern gesammelt.

Altes Haus und neue Kunst

«Falls Sie via Garten ins Museum kommen, wundern Sie sich vielleicht über farbenfrohes, unbekanntes Gemüse und unbekannte Pflanzen, die im barocken Garten wachsen», schmunzelt Carmen Kiser. Kreiert hat diese seltsam fremden Gewächse unter dem Begriff «Para-Cibus» die Aargauerin Andrina Jörg. Die Natur hat sich bereits besitzergreifend aufs Haus ausgebreitet. Ob ihr der Gärtner je wieder Meister wird? Ebenfalls im ganzen Haus, aber weniger invasiv, sind Arbeiten der Nidwaldnerin Corinne Odermatt angesiedelt: Da platziert sie im Herrgottswinkel ein Amulett, dort ergänzt sie die Ahnengalerie einstiger Bewohner oder verweist auf skurrile Weise auf die Ärzte, die hier einst praktizierten. Der Obwaldner Jo Achermann nimmt mit der Arbeit «Am Fenster» Bezug auf die für diesen Bau so prestigeträchtig hoch und eng gesetzten Fenster. Der Luzerner André Schuler setzt sich mit «Stuck» auseinander und erweist dem Erbauer seine Referenz aus dem Heute. Navid Tschopp aus Zürich gelingt es, über Rhomben und Würfel des Bodens eine Verbindung zwischen seinen iranischen Wurzeln und der Schweiz zu schaffen. Die Künstlerin Vera Marke aus Herisau stellt der von Männern dominierten Geschichte des Hauses mit zu Schmuck drapierten Wallfahrtssouvenirs und Rosenkränzen ein weibliches Element gegenüber. Die in Sarnen geborenen Schwestern Celia und Nathalie Sidler kontrastieren – teils mit wenigen Strichen, teils mit fast archaisch anmutenden Arbeiten – den Prunk des ehrwürdigen Hauses.

«Haussichten»: Kunst, Baukultur und Geschichte im Peter-Ignaz-von-Flüe-Haus. Die Ausstellung im Museum Bruder Klaus dauert bis am 1. November. Infos: www.museumbruderklaus.ch

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