Obwaldner Schüler werden nach dem Übertritt in die Oberstufe nicht entlastet 

Eine Motion zur Umverteilung der Wochenlektionen in Obwalden ist vom Regierungsrat abgelehnt worden.

Florian Pfister
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Die Kernser CVP-Kantonsrätin Sonnie Burch und 32 Mitunterzeichner haben eine Motion zur Umverteilung der Wochenlektionen für die Orientierungsstufe eingereicht. Sie sehen den Übertritt von der Primar- in die Oberstufe aufgrund der Zunahme der Anzahl Wochenlektionen als sehr massiv und belastend an.

Im Vergleich zum letzten Jahr der Primarschule haben die Schülerinnen und Schüler im Kanton Obwalden in der ersten Oberstufe sechs Lektionen pro Woche mehr. Die Motion soll die Stundentafel für die Orientierungsstufe umverteilen, sodass die jüngeren Schülerinnen und Schüler der siebten Klasse zeitlich entlastet und die älteren Schulkinder entsprechend zeitlich mehr belastet werden.

Höchste Stundenanzahl der Zentralschweiz

Auch in Bezug auf den Übertritt ins Arbeitsleben mache es Sinn, dass die zeitliche Belastung gegen Ende der Schulzeit eher zu- als abnimmt. Der Gesamtumfang der Wochenlektion dürfe dabei nicht gekürzt werden. Motionärin Sonnie Burch unterrichtet auf der Primarstufe in der Schule Stalden. «Gespräche und der Austausch mit Lehrpersonen der Oberstufe sowie mit betroffenen Eltern haben mir die Problematik der Pflichtstundenverteilung innerhalb der Oberstufe aufgezeigt», sagt die Kantonsrätin. Der Regierungsrat weist in der Beantwortung der Motion darauf hin, dass der Kanton Obwalden als Folgearbeit mit der Einführung des Lehrplans 21 im Jahr 2015 die Stundentafel für die Volksschule angepasst hat. Die heute geltende Stundentafel baue auf Bewährtem auf und sei breit abgestützt, schreibt er in der Antwort.

Vergleicht man Obwalden mit den anderen Zentralschweizer Kantonen, hat die siebte Klasse in Obwalden am meisten Wochenlektionen. Grund dafür sei laut Regierungsrat hauptsächlich das stärker gewichtete Fach «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt». Da verschiedene Seiten forderten, dass die Mahlzeitenzubereitung im achten Schuljahr in diesem Unterrichtsfach nicht reduziert werden soll, müssen die weiteren Inhalte des Schulfachs in der ersten Oberstufe unterrichtet werden. Dieser Meinung ist auch Sonnie Burch: «Es ist nicht das Ziel, Lektionen zu streichen, sondern eine Umverteilung im Sinne einer Verschiebung – von den jüngeren zu den älteren Schülerinnen und Schülern – zu erreichen.» Der Kanton Obwalden weist die niedrigste Anzahl Lektionen der Zentralschweiz in der Primarstufe auf, womit der Unterschied zur Orientierungsstufe besonders gross ist.

«Die Schülerinnen und Schüler zeigen uns jetzt auf, dass die Belastung in der ersten Oberstufe gross ist und es die Schulkinder der dritten Oberstufe im Verhältnis ruhig angehen können», sagt Sonnie Burch. «Dieses Missverhältnis gilt es grundsätzlich zum Wohle der Schülerinnen und Schüler so bald als möglich zu beheben.»

Regierungsrat wartet auf kommende Evaluation

Das Bildungs- und Kulturdepartement sei zudem im Schuljahr 2022/23 dazu verpflichtet, die Stundentafel auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen, wie der Regierungsrat weiter mitteilt. Die Evaluation soll auch weitere Aspekte der Einführung des Lehrplans 21 umfassen und sei bereits in Planung. Daher lehnt der Regierungsrat die Motion ab und will im Rahmen der anstehenden Evaluation prüfen, ob und wie die Anzahl Lektionen in der ersten Orientierungsstufe reduziert werden kann. «Ich denke, dass der Regierungsrat durch diese Motion sensibilisiert wurde», sagt Sonnie Burch. Sie werde die diesbezügliche Entwicklung, wie auch jene im Bereich Schule generell, mit Interesse mitverfolgen.