Obwalden
Der goldene Faden im Museum Bruder Klaus

Zum Saisonabschluss im Museum Bruder Klaus spann Nicole Buchmann ihren Faden von Dorothee zum Publikum.

Romano Cuonz
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Die Künstlerin Nicole Buchmann hat das Dorothee-Jahr im Museum Bruder Klaus mit einer eindrücklichen Performance abgeschlossen.

Die Künstlerin Nicole Buchmann hat das Dorothee-Jahr im Museum Bruder Klaus mit einer eindrücklichen Performance abgeschlossen.

Bild: Romano Cuonz (Sachseln, 31. Oktober 2021)

Mitten im französisch barocken Museumsgarten hängt an einem Bäumchen das Lebenskleid, das die Obwaldner Künstlerin Nicole Buchmann für Dorothee Wyss und Niklaus von Flüe stricken liess. Gestrickt aus lauter goldenen Fäden. Was erstaunt: dass das Kleid nun zu einem Ganzen zusammengefügt ist.

Während der vergangenen Museumssaison war es noch in zwei Hälften geteilt. Die eine Hälfte gehörte Dorothee, die andere Niklaus. Die eine hing im Obergeschoss, die andere unten im Keller. Von der einen zur andern führte durchs hölzerne Treppenhaus ein Goldfaden mit vielen Verwicklungen. Als Ausgangspunkt hatte der Künstlerin das in der Sachsler Kirche aufbewahrte legendäre Eremitengewand, das Dorothee für ihren Mann gewoben haben soll, gedient. Buchmann teilte es in zwei Hälften, je eine für beide, auf. Liess ihm so eine völlig neue Bedeutung zukommen.

Nachdem Buchmann in einen intensiven inneren Dialog zu dieser spätmittelalterlichen Frau getreten war, reifte in ihr die Überzeugung, dass sie Dorothee aus der Opferrolle und dem Schatten von Bruder Klaus herausholen wolle. Ja müsse! Dorothee ist für sie eine starke, selbstbewusste Frau, gleichzeitig bodenständig und sehr spirituell. Mit dem Ziel, dies sichtbar zu machen, schuf Buchmann in zwei Jahren fünf Kunstwerke für die Dorothee-Ausstellung in Sachseln. Das goldene Kleid, die Bronzefiguren Dorothee und Niklaus und die Videoarbeit «Entwicklung». Dazu die Projektion von Dorothee an die Fassade des Museums und das Metallband, das die Verbindung zwischen den beiden historischen Figuren, über das Museum hinaus bis hin zum Denkmal vor der Kirche, herstellt.

Indem Buchmann die beiden Kleiderhälften für ihre Performance zum Saisonende zusammenfügt, bringt sie im Garten auch Dorothee und Niklaus zusammen. Damit zeigt sie, wie sehr die beiden zusammenwirken mussten, damit Niklaus von Flüe für unser Land die Bedeutung erlangen konnte, die ihm heute zukommt.

Das Publikum wird regelrecht eingewickelt

Doch Nicole Buchmann geht jetzt noch einen Schritt weiter. Sie zieht einen Goldfaden um den andern aus dem Kleid hervor. Bringt diese zum Publikum und bindet es so mit ein. Mehr noch: Die rundum stehenden Menschen werden nach und nach regelrecht eingewickelt. Umgarnt mit einem alles umspannenden goldenen Netz. Einem Netz, das das für die damalige wie auch heutige Schweiz wichtige Paar nur partnerschaftlich weben konnte und kann. Bezeichnend die Worte (formuliert von Bruno Müller und Nicole Buchmann), die man dazu aus einem Lautsprecher zu hören bekam: «Werdet Teil meines Weges, lasst euch einwickeln, um uns wieder und wieder aufs Neue zu verwickeln.» Am Schluss nehmen die Besuchenden ein Stück Goldfaden mit.

All dies hat starken Symbolcharakter. Gerade in einem Jahr, in dem Frauen im ganzen Land aus ihren Verstecken geholt und in den Mittelpunkt gerückt wurden.

Grosses Interesse an Dorothee Wyss

«Wir haben eine sehr schöne, intensive Museumssaison erlebt», bilanziert die Leiterin Carmen Kiser. Bereits im Juni habe man rund 2000 Tagesbesucherinnen und -besucher gezählt, dies auch ohne die wegen Corona fernbleibenden Gruppen und Schulklassen. Vor allem die Dorothee-Wyss-Ausstellung habe den Nerv der Zeit getroffen und überdurchschnittlich viele Leute angelockt. Leute, die sonst kaum ins Museum gekommen wären. «Die Führungen, jeweils am Mittwoch, waren recht eigentlich Frauentage», sagt Carmen Kiser. Frauen- und Freundinnengruppen hätten sich in der Ausstellung vor den Werken getroffen und miteinander angeregt diskutiert. «Als Konservatorin empfand ich so etwas als sehr schön», sagt Carmen Kiser.

Mit einem Blick in die Zukunft verrät sie: «Sicher bleibt uns Dorothee noch erhalten, das Untergeschoss des Museums soll auch in den nächsten Jahren noch ihr gewidmet sein.» Es sei wichtig, dass die Frau von Bruder Klaus, über die man nun so viel geredet habe, nicht einfach wieder von der Bildfläche verschwinde.

Ausstellung übers Fasten im kommenden Frühling

Auch eine neue Ausstellungsidee der Leiterin und Konservatorin hat – mindestens im weitesten Sinne – mit dem Namensgeber des Museums, mit Bruder Klaus, zu tun. Im Frühling 2022 geht es da nämlich um «Hungerkünste». Anders gesagt: Eine Ausstellung übers Fasten in allen Varianten mit Porträts von Innerschweizerinnen und Innerschweizern soll es werden. Da darf man gespannt sein.

Auch an der Finissage stellte im Museum Bruder Klaus der Künstler Pierre-Philippe Hofmann aus Belgien sein interaktives Buch «Porträt einer Landschaft» vor. Dieses ging aus einer 2019 im Museum präsentierten Videoarbeit hervor. Hofmann durchwanderte damals die Schweiz von verschiedenen Polen aus, immer zur Mitte hin. Auf jedem Kilometer entstand ein Video, unter anderem mit Geschichten, die ihm die Leute erzählten. Das Buch ist im Buchhandel erhältlich. ISBN: 978 94 6393 259 2

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