Umweltschutz spielt beim Bau des Kaiserstuhltunnels eine wichtige Rolle

Umweltbaubegleitungen achten darauf, dass bei Bauprojekten alle umweltrelevanten Auflagen eingehalten werden – jetzt hat der Kanton den Auftrag für das Nationalstrassenprojekt A8 Tunnel Kaiserstuhl ausgeschrieben. 

Philipp Unterschütz
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Als wichtige Bodenschutzmassnahme achten Umweltbaubegleitungen darauf, dass Erdarbeiten nur bei genügend abgetrocknetem Boden stattfinden. Deshalb wird die Bodenfeuchte mit Tensiometern gemessen.

Als wichtige Bodenschutzmassnahme achten Umweltbaubegleitungen darauf, dass Erdarbeiten nur bei genügend abgetrocknetem Boden stattfinden. Deshalb wird die Bodenfeuchte mit Tensiometern gemessen.

Bild: PD

Wenn in den kommenden Monaten und Jahren Ingenieure, Bauarbeiter und Mineure mit Hochdruck daran arbeiten, das letzte Nationalstrassenstück in Obwalden zwischen Lungern Nord und Giswil Süd zu bauen, werden die Fachleute der Umweltbaubegleitung (UBB) aufmerksam am Projekt teilhaben. Seit wenigen Tagen läuft die Ausschreibung dieses Mandats durch den Kanton Obwalden. Die Arbeit der UBB, die von September 2020 bis etwa August 2032 dauern wird, beinhaltet demnach die Beratung und Unterstützung aller Projektbeteiligten in umweltrelevanten Fragen sowie die Überwachung der Umsetzung der mit der Plangenehmigung verfügten Auflagen und Massnahmen bis zur Inbetriebnahme. Der Vergabeentscheid soll Ende August fallen.

Wann eine UBB eingesetzt wird, ist von der Grösse, Dauer und Art der Umweltauswirkungen eines Projektes abhängig. «In Obwalden wirkt in der Regel bei allen öffentlichen Bauvorhaben ab einem Bauvolumen von etwa 10 Millionen Franken eine Umweltbaubegleitung mit», erklärt Kantonsingenieur Martin Bürgi auf Anfrage. Auch bei kleineren Projekten mit speziellen Umweltbedingungen würde sie der Kanton ebenfalls beiziehen. Neben dem Nationalstrassenprojekt sind momentan auch beim Projekt Hochwassersicherheit Sarneraatal und wegen eines Altlastenverdachts auch bei der Erneuerung und dem Ausbau der Kurve Schwibögli auf der Engelbergerstrasse Umweltbaubegleitungen im Einsatz. Auch private Bauherrschaften setzen UBB ein.

Umweltbaubegleiter sind keine Baustellenpolizisten

Doch warum sind die Umweltbaubegleiter so wichtig, müssen die Baufirmen überwacht werden? «Umweltbaubegleiter sind weder Überwacher noch Polizisten auf der Baustelle. Sie arbeiten beratend und unterstützend im Dienst der Bauherrschaft», sagt Martin Bürgi. Eine gute UBB gewährleiste die transparente und nachvollziehbare Einhaltung der Umweltvorschriften und Auflagen. Dank frühzeitiger Inputs würden die Umweltaspekte bei den Baumassnahmen kostensparend integriert. «Eine Kontrolle der Schutzvorkehrungen ist notwendig, auch wenn bereits viele Bauleute, beispielsweise durch interne Schulungen und die externe Zusammenarbeit mit einer UBB, bereits sensibilisiert sind», so der Kantonsingenieur weiter.

Rekultivierungen sind ebenfalls ein Fall für die Umweltbaubegleitungen. Im Bild eine Grabenauffüllung für die Leitungen einer Löschwasserversorgung.

Rekultivierungen sind ebenfalls ein Fall für die Umweltbaubegleitungen. Im Bild eine Grabenauffüllung für die Leitungen einer Löschwasserversorgung.

Bild: PD

Die Kompetenz der Umweltbaubegleitung ist aber in der Regel beschränkt auf Empfehlungen. «Sie kann die Einhaltung der Umweltvorschriften und -massnahmen anmahnen, hat aber keine Weisungsbefugnis ausser zur Schadensminderung bei einer offenkundigen Gefährdung – beispielsweise zur Begrenzung eines Schadens für Umweltressourcen wie Boden, Grundwasser und Oberflächengewässer», sagt Martin Bürgi. Und die Arbeit der UBB kann auch zu interessanten Erkenntnissen führen. «Eine neue Erfahrung ist die Auswirkung von kleinsten Erschütterungen in Ufernähe. Entgegen der Annahme, diese würde Fische vertreiben, fühlten diese sich sogar angezogen», erzählt Bürgi.

So arbeiten die Umweltbaubegleitungen

Um ihre Arbeit erledigen zu können, erstellen die Umweltbaubegleiter ein Steuerungs- und Kontrollinstrument – dies in Kenntnis der Projektgrundlagen wie Umweltverträglichkeitsbericht, Behördenauflagen, Projektpläne und Bauprogramme. In diesem Journal sind alle umweltrelevanten Auflagen und Massnahmen nach den verschiedenen Umweltbereichen aufgelistet. Die Bauprogramme geben Hinweise, wann sensible Arbeiten wie Erdbewegungen anstehen. Dann stellen die Umweltbaubegleiter sicher, dass die entsprechenden Vorkehrungen zum Bodenschutz getroffen werden. Zudem nehmen sie an Bausitzungen teil und führen regelmässige Inspektionen sowie Umweltaudits durch, um alle Umweltmassnahmen zu überwachen. Die Arbeit wird zuhanden der Bauleitung, der Bauunternehmen und der Bauherrschaft dokumentiert.

Das Projekt N8/Lungern Nord–Giswil Süd

Modell mit Gesamtübersicht über den Südportalbereich des neuen Kaiserstuhltunnels und die Verbindung zum bestehenden Umfahrungstunnel Lungern. Seeseitig die heutige Kantonsstrasse A8, oberhalb die im Rahmen des Projektes neu zu erstellende Verbindungsstrasse zwischen dem Kaiserstuhltunnel und dem bestehenden Umfahrungstunnel Lungern.

Modell mit Gesamtübersicht über den Südportalbereich des neuen Kaiserstuhltunnels und die Verbindung zum bestehenden Umfahrungstunnel Lungern. Seeseitig die heutige Kantonsstrasse A8, oberhalb die im Rahmen des Projektes neu zu erstellende Verbindungsstrasse zwischen dem Kaiserstuhltunnel und dem bestehenden Umfahrungstunnel Lungern.

Bild: PD

Beim 3.6 Kilometer langen Strassenabschnitt mit dem 2,1 Kilometer langen Tunnel Kaiserstuhl handelt es sich um eine Netzfertigstellung der Nationalstrasse A8 zwischen Giswil Süd und Lungern Nord. Die Region Kaiserstuhl wird damit halbkreisartig im Berg unterfahren. Oberstes Projektziel ist eine vor Naturgefahren wie Hochwasser, Steinschlag, Rüfen/Rutschungen und Lawinen sichere Strassenverbindung auf der Brünigachse. Gleichzeitig wird die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer erhöht. Gegner des Tunnelbaus finden, das Projekt sei überdimensioniert und ein zu grosser Eingriff in Landschaft und Natur. Im Sommer 2017 hatten die drei Umweltverbände WWF, Pro Natura und VCS erfolglos Einsprache gegen das Grossprojekt erhoben. Für dieses letzte Teilstück der Nationalstrasse in Obwalden ist der Kanton vom Bund mit der Projektierung und Bauausführung beauftragt worden, wobei der Bund 97 Prozent der Kosten von 268 Millionen Franken übernimmt. Die Hauptarbeiten dafür sind zwischen 2025 und 2029 zu erwarten. In dieser Zeit wird auch der grösste Teil der Kosten (228 Millionen) anfallen. Die Vorarbeiten haben im Sommer 2019 begonnen, sie dauern bis 2023. Unter anderem wird auf der ganzen Länge des Tunnels ein Sicherheitsstollen erstellt. Die Hauptarbeiten starten voraussichtlich ab dem Jahr 2024.

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Philipp Unterschütz