UMZUG ENGELBERG/GISWIL: Schoggiduft und Alpenluft

Petrus könnte ein Giswiler sein, schenkte er doch den unzähligen Fasnächtlern gestern wieder mal einen prächtigen Tag für ihren Umzug. Eine grosse Menschenkette säumte den Strassenrand vom Bahnhof bis zum Schulhaus.

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Die Giswiler Geissälpler zeigten, wie Pfahlbauer im Grundwald leben. (Bild Priska Müller/Neue OZ)

Die Giswiler Geissälpler zeigten, wie Pfahlbauer im Grundwald leben. (Bild Priska Müller/Neue OZ)

Die grossen und kleinen Zuschauer liessen sich von 27 durchwegs originellen und witzigen Nummern mit aufwändigen Wagen begeistern.«Da riärts eim ja schier us de Socke, miär Loiwifäger hend hirr d Grindä voll Lockä», schmetterten die wilden Rastamänner als erste Guugge in den blauen Giswiler Himmel.

Den Giswilern und ihren Gästen scheinen die Ideen für originelle Nummern nie auszugehen. Martina Hingis wurde als Engel auf Abwegen auf die Schippe genommen, Dopingskandale im Sport waren Themen, und immer wieder mussten die Bauern dran glauben, sei es, weil sie «kämpfid ums Uberläbe» und weil ihnen der Milchpreis Kopfzerbrechen macht, oder weil sie so dringend eine Frau suchen. Und dass natürlich unter dem Motto «Gut schweizerisch» neben der Schoggiproduktion der «Schacher-Seppeli» nicht fehlen durfte, war Ehrensache. Bis zu 60 Helfer haben an den fantasievollen und aufwändigen Wagen gearbeitet. Zu den besonders schönen gehört auf jeden Fall der Pfahlbauerwagen der Geissälpler. «Zum Schutz vor Urochsen, Wölfen und Schlangen wohnten sie im Hüttendorf und gingen Fische fangen», stellten sie das Pfahlbauerleben von Oski, Bruno, Vreni, Moni und Gefolge dar.

Zungenbrecher in Engelberg
Die Engelberger Fasnacht ist und bleibt ein Unikat. Davon konnten sich am Samstagabend erneut viele Schaulustige überzeugen, welche den herrlichen Umzug bestaunten. Das diesjährige Fasnachtsmotto unterschied sich in Sachen Wortzusammensetzung keineswegs von früheren: Es ist und bleibt ein Zungenbrecher. Oder wie bitte soll ein Feriengast «Ängelbärgeralpäluftfurzöisstossätä» übersetzen? Viele Umzugsteilnehmer setzten das Thema so um, dass spätestens nach dem Fasnachtsumzug niemand mehr eine Übersetzungshilfe brauchte. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt.

Der Fasnachtsumzug war ein Genuss. Dicht gedrängt standen die Gäste entlang der Umzugsroute Spalier und wurden von so manchem Konfettiregen geduscht. Laut knatternde, eigens für den Umzug gebastelte Vehikel wurden vorgeführt, die nur gerade von den Guuggen mit ihren lauten Klängen übertönt wurden. Im Kursaal stieg dann die feucht-fröhliche Fasnachtsparty bis in die frühen Morgenstunden.

mb/bc