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Und wieder will in Lungern keiner regieren

Für die Gemeinderats-Ersatzwahlen konnte kein einziger Kandidat gefunden werden. Nicht zum ersten Mal.
Franziska Herger
Niemand will als Gemeinderat ins (seit 2018 neue) Lungerer Gemeindehaus einziehen.Bild: Corinne Glanzmann (10. September 2019)

Niemand will als Gemeinderat ins (seit 2018 neue) Lungerer Gemeindehaus einziehen.Bild: Corinne Glanzmann (10. September 2019)

Die Lungerer werden wohl kaum überrascht sein, wenn vor den Gemeinderats-Ersatzwahlen am 20. Oktober leere Wahlzettel in ihren Briefkästen liegen. Konnten doch bereits 2016 und 2018 keine Kandidaten für frei gewordene Gemeinderatssitze gefunden werden (siehe Kasten). Was bedeutet: Die Lungerer können für beliebige wählbare Personen stimmen. Jene zwei, die am meisten Stimmen erhalten, sind als Nachfolger von Franco Castelanelli (CVP) und Gemeindepräsident Albert Amgarten (parteilos) gewählt.

Die beiden hatten ihre Ämter im Zuge einer Reihe von Rücktritten und Kündigungen in diesem Frühling niedergelegt. Nach Finanzchef Castelanelli ging Gemeindeschreiber Adrian Truttmann, Schulleiterin Annelise Zimmermann und schliesslich der Gemeindepräsident, Letzterer wegen «unterschiedlicher Auffassungen bei der strategischen Arbeit und mangelndem Vertrauen des Rates».

Unklarheiten haben abschreckende Wirkung

Offenbar gab es Konflikte bei der Umsetzung des Geschäftsführermodells, wonach der Gemeinderat strategisch tätig ist und die Verwaltung die operativen Aufgaben übernimmt. Dass sich nun keine Kandidaten zur Wahl stellen, sei sehr schade, sagt Gemeindevizepräsident Martin Gasser. «Die Ratsarbeit ist konstruktiv und interessant. Man kann etwas bewegen.» Zudem bestehe noch die Hoffnung, dass bis zum Wahlsonntag Kandidaten von den Parteien zur Wahl empfohlen würden. «Die Situation hatten wir auch schon.»

Doch die Unruhe der letzten Monate scheint ihre Spuren hinterlassen zu haben. «Es war relativ schwierig, nach den zwei Rücktritten die Leute zu motivieren», sagt CVP-Co-Präsident Niklaus Vogler. Die CVP hat ohne Franco Castelanelli noch einen Sitz im Gemeinderat. Trotzdem wollte kein Mitglied kandidieren. «Dass nie offiziell kommuniziert wurde, warum es zu den Rücktritten kam, und wo genau die Probleme in der Verwaltung liegen, hat für Unsicherheit gesorgt», so Vogler. Ob man nun bis zum 20. Oktober noch weiter nach Kandidaten suche, sei bisher nicht diskutiert worden.

Auch für die CSP und die FDP ist die Kandidatensuche vorerst abgeschlossen. Zwei Personen hätten Interesse gehabt, sagt CSP-Präsidentin Helen Imfeld. «Aber obwohl die Zusammenarbeit im Rat ein Thema war, haben sie vor allem die baldigen Gesamterneuerungswahlen abgeschreckt. Sie wollten sich nicht jetzt einer Wahl stellen, und dann in wenigen Monaten nochmal.» Man habe sich trotz der bereits drei FDP-Mitglieder im Rat sehr bemüht, Kandidaten zu finden, sagt FDP-Ortspräsidentin Sonja Vogler. «Wir wollen unsere Kollegen im Gemeinderat nicht alleine lassen, sondern einen Neuanfang aufgleisen.» Berufliche Gründe hätten jedoch bei allen angefragten Personen gegen eine Kandidatur gesprochen.

SVP-Präsident Walter Bürgi liess schon Ende August verlauten, man wolle nicht antreten. Dies obwohl die SVP momentan keinen Sitz im Gemeinderat hat. Potenzielle Kandidaten wollten sich aufgrund der Unstimmigkeiten der Vergangenheit nicht zur Wahl stellen, so Bürgi.

Der Gemeindepräsident wird im Dezember gewählt

Von einem allfälligen parteilosen Kandidaten, der zahlreiche Stimmen auf sich vereinen könnte, wusste keiner der befragten Parteipräsidenten. Es bleibt also alles offen in Lungern. Auf den «namenlosen» Wahlzetteln muss die gewünschte Person unverwechselbar, das heisst mit Namen und Adresse, vermerkt werden. «Hans Gasser gibt es in Lungern zum Beispiel mehr als einen», sagt der Gemeindevizepräsident. Was geschehe, wenn die gewählten Personen das Amt nicht annehmen, werde noch geklärt, so Gasser. Denn Amtszwang gibt es in Obwalden nicht. Auf die immer wieder aufkommende Frage nach der Verkleinerung des Gemeinderats auf ein Fünfergremium hält Gasser an der Position des Rats fest: «Aus Gründen der Arbeitsbelastung ist das vorderhand nicht vorgesehen.»

Die Ersatzwahl für den Gemeindepräsidenten ist auf den 15. Dezember terminiert. Ziel sei, ihn oder sie aus sieben Gemeinderatsmitgliedern auswählen zu können, erklärt Gasser.

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