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Unruhe und Ausfälle in der Obwaldner Verwaltung

Der geplante Abbau von 20 Stellen in der Kantonsverwaltung hinterlässt Spuren. Sowohl die Fluktuation als auch die Zahl der Krankheitstage ist ungewöhnlich hoch. Auch der Bürger wird den Abbau zu spüren bekommen.
Franziska Herger
Das Verwaltungsgebäude in Sarnen. (Bild: Corinne Glanzmann)

Das Verwaltungsgebäude in Sarnen. (Bild: Corinne Glanzmann)

Die Gemütslage in der kantonalen Verwaltung war wohl schon besser. Diesen Schluss lässt zumindest die Antwort der Regierung auf eine Interpellation zum aktuellen Stand der Spar- und Verzichtsbemühungen beim Personalwesen zu. Ivo Herzog (SVP, Alpnach) und Monika Rüegger (SVP, Engelberg) sowie 13 Mitungerzeichnende wollten unter anderem wissen, wie sich der geplante Abbau von 20 Stellen bis Ende 2020 auswirke.

Wie sich zeigt, verlassen momentan im Vergleich zum mehrjährigen Durchschnitt fast doppelt so viele Angestellte die Verwaltung freiwillig. Das sei ein Kostenfaktor, schreibt die Regierung, «aber auch eine zu erwartende Reaktion während eines Stellenabbauprozesses». Die Fluktuationsrate von 8,3 Prozent liege auch deutlich über dem branchenüblichen Durchschnitt. Dazu kommt, dass die Krankheitstage der Verwaltungsangestellten 2018 deutlich angestiegen sind, von 1770 Tagen im Vorjahr auf 2252 letztes Jahr. «Es ist wahrscheinlich, dass der Stellenabbau auch zu höheren Fehlzeiten beiträgt», so die Regierung.

Weiterbildungen und Leistungen gestrichen

Aber auch eine besonders starke Grippewelle und vereinzelte Langzeitabwesenheiten wie langwierige Krankheitsfälle könnten die Zahl der Ausfalltage beeinflusst haben, heisst es in der Regierungsantwort weiter. Die Absenzenquote liegt mit 2,7 Prozent immerhin noch knapp unter dem schweizerischen Branchendurchschnitt von 2,8 Prozent.

Um die Fehlzeiten möglichst tief zu halten, setzt der Kanton unter anderem auf Führungsausbildungen und Präventionskampagnen, etwa zu gesunder Ernährung, Grippeimpfung und psychischer Gesundheit. Man wisse um die Belastung bei den einzelnen Mitarbeitenden, schreibt die Regierung. Trotzdem könne die finanzielle Lage des Kantons nur mit einschneidenden Massnahmen bewältigt werden. Mit dem Stellenabbau sollen 2,45 Millionen Franken eingespart werden.

Erstmals informiert der Regierungsrat auch darüber, wo genau die 20 Stellen abgebaut werden sollen: 5,8 Stellen entfallen im Sicherheits- und Justizdepartement, 4,95 im Finanzdepartement, 3,7 im Bau- und Raumentwicklungsdepartement, 2,3 im Volkswirtschafts, weitere 2,2 im Bildungs- und Kulturdepartement und eine Stelle in der Staatskanzlei. Es sei nach wie vor geplant, die Stellen, ohne Kündigungen zu reduzieren, sagt Marcel Schüwig, Leiter des Personalamts, auf Anfrage.

Seit 2015 besteht in der Verwaltung ein Personalstopp. Zusätzliche Aufgaben müssten mit den bestehenden Ressourcen bewältigt werden, heisst es in der Regierungsantwort. Zudem sei in den letzten Jahren auf eine generelle Lohnanpassung verzichtet worden. Auch die Beteiligung an Aus- und Weiterbildungen sei um 30 Prozent gekürzt worden, wie auch Leistungen der Unfall- und Krankentaggeldversicherung und die Überbrückungsrente. Und auf die Verwaltungsmitarbeiter kommen noch weitere Massnahmen zu: Ab Juli werden bezahlte Arzt- und Zahnarztbesuche gestrichen, ab Herbst müssen auch Mitarbeiter für das Parkieren auf Kantonsparkplätzen bezahlen. Dabei will es die Regierung bewenden lassen. Die besonderen Sozialzulagen würden nicht angepasst, es seien keine weiteren personalpolitischen Massnahmen geplant.

Wartezeiten, Wartelisten und geschlossene Schalter

Den Stellenabbau in der Verwaltung wird auch der Bürger spüren: In den meisten Fällen werde es zu reduzierten Leistungen kommen, schreibt die Regierung, wie gekürzte Schalteröffnungszeiten, längere Wartezeiten, etwa bei den Grundstückschätzungen und Steuerveranlagungen, oder Wartelisten, etwa beim Schulpsychologischen Dienst.

Ivo Herzog zeigt sich «im Grossen und Ganzen» zufrieden mit der Regierungsantwort. «Jetzt herrscht zum Stellenabbau endlich Klarheit. Das ist nicht nur im politischen Prozess wichtig, sondern auch gegenüber dem Personal nur fair. Alles andere ist eine Zumutung.»

Herzog pocht jedoch auf die Erstellung einer Verzichtsplanung durch die Regierung. «Nur wenn die Konsequenzen zusätzlicher Sparmassnahmen bekannt sind, ist eine Gesamtbeurteilung mit den geplanten Steuererhöhungen, den Budgetierungsanpassung bei den Prämienverbilligungen und der Beteiligung der Gemeinden an den Zahlungen in den Nationalen Finanzausgleich möglich.»

Hier verweist die Regierung auf die BAK-Studie zu den Kantonsausgaben (wir berichteten). Das Sparpotenzial in der Verwaltung sei ausgeschöpft. Der Kantonsrat behandelt den Vorstoss an seiner Sitzung vom 23./24. Mai.

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