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Karl-May-Freilichtspiele: «Unser Theater soll sinnlich und betörend sein»

Bereits zum zweiten Mal inszeniert der bekannte Schweizer Regisseur Jean Grädel am Engelberger «Tätschbachfall» Karl-May-Freilichtspiele. Im Westerndrama um den «Ölprinzen» lässt er Akteure und Pferde gar nochmals einen Zahn zulegen.
Romano Cuonz
Regisseur Jean Grädel arbeitet intensiv am «Ölprinzen». (Bild: Romano Cuonz, 24. Juni 2019)

Regisseur Jean Grädel arbeitet intensiv am «Ölprinzen». (Bild: Romano Cuonz, 24. Juni 2019)

«Schon seit früher Jugend interessieren und faszinieren mich das Denken, die Lebensweise und die Kultur der eingeborenen Völker», sagt der aus dem Thurgau stammende Regisseur Jean Grädel. Diese grosse Begeisterung hat er bis heute behalten. Klar wird einem dies, wenn man den Mann mit schwarzem Filzhut, wallendem grauem Haar und struppigem Bart beobachtet: Wie er – vor einmalig prächtiger Naturkulisse, zuhinterst im Engelbergertal – Karl Mays Wilden Westen zu neuem Leben erweckt. Neben tollkühnen «Bleichgesichtern» und mutigen «Rothäuten» sind vor allem auch edle Pferde mit von der Partie.

In tagelanger, akribisch vorbereiteter Probearbeit verleiht Grädel jeder Szene ihre eigene Farbe. Und vor allem viel Action. Dialoge werden sorgsam einstudiert. Und – in dieser Produktion speziell knifflig – auch eine grosse Zahl explodierender, knallender, flammender Effekte, die im richtigen Moment funktionieren müssen, gilt es einzuplanen. «Unser Theater soll sinnlich, betörend, verstörend, aufregend, herzzerreissend sein», fordert der Regisseur. Und dafür setzt er mehr Zeit ein als für irgendeine andere seiner vielen Produktionen. «Mein Arbeitstag hat zurzeit 17 Stunden und endet nach Proben und administrativer Arbeit meist erst um Mitternacht», schildert Grädel, der im Westerndorf ganz nebenbei eben seinen 76. Geburtstag gefeiert hat. Grädel, der im Westerndorf ganz nebenbei eben seinen 76. Geburtstag gefeiert hat, sagt:

«Mein Arbeitstag hat zurzeit 17 Stunden und endet nach Proben und administrativer Arbeit meist erst um Mitternacht.»

Die letzten Engelberger Karl-May-Freilichtspiele mit Winnetou II waren, mindestens was Zuschauerzahlen und damit die Finanzen anging, nicht befriedigend gewesen. «Aufgrund meiner grossen Erfahrung konnte ich den Initianten eine ganze Anzahl Vorschläge unterbreiten, wie sich die Produktion noch optimieren liesse», hält Grädel fest. Etwa dazu, wie man die Produktion mit dem 1,5-Millionen-Budget noch besser vermarkten kann, hat Grädel einige Vorschläge ­gemacht. Im Vordergrund aber stand für ihn das Künstlerische. «Weil Initiant, Autor und Winnetou-Darsteller Tom Volkers auf meine Ideen eingegangen ist, sagte ich erneut voller Enthusiasmus zu», resümiert Grädel. Das Teamwork begann damit, dass Volkers seinen Text der Regie sehr früh zum Gegenlesen gab. «Ich konnte mitdenken, ja wir entwickelten die Story gemeinsam.» Dann zeigt er auf die weite Bühne und meint: «Ob sich alles, was wir uns am Schreibtisch ausgedacht haben, im Gelände auch realisieren lässt, weist sich erst bei Proben, wenn auch die Pferde mithalten müssen.»

«Mehr spielen, weniger erzählen»

«Mir gefällt die Story von diesem geldgierigen Ölprinzen, der einen Bankier hereinzulegen versucht», sagt Jean Grädel. Auf die Moral von der Geschicht’ und Karl Mays typischen Pathos verzichte er gerne. «Die heurige Fassung ist weniger episch und erzählend als die Vorgängerstücke, dafür bietet sie viel mehr Action», verspricht er. Die grösste Attraktion von Karl-May-Spielen seien immer Szenen mit Pferden. Genau da habe man nochmals einen Zahn zugelegt. «Wir verfügen neu über fünfzehn Pferde, von denen zwölf geritten werden.» Dazu kämen zwei Treck- und ein Jagdwagen. Die Arbeit mit den empfindlichen Tieren stelle immer die grösste Herausforderung dar. Nur eine von vielen Fragen: «Kann beim Überfall auf einem Treckwagen etwas brennen, wenn drei Meter davor ein Pferd angebunden ist?»

Den Unterschied, so hofft Grädel, werden schliesslich auch seine neuen Mitarbeiter ausmachen. «Mit Anoi Nimbach ist da eine in China geschulte Kampftrainerin, die alle Stunts, die ich gerne möchte, humorvoll, ja fast ballettmässig verwirklicht», schwärmt Grädel. Die Pferde umsorgt der frühere Kavallerieoffizier Beat Musfeld, der auf der Bühne immer gerne auch einen Westernhelden mimt. Ein Liedchen singen kann Grädel zu den Kapriolen des Wetters. «In Proben haben wir bei 4 Grad und Regen gefroren oder uns bei 28 Grad einen Sonnenbrand geholt, Gummistiefel waren genauso ­angesagt wie Turnschuhe.» Auf 1000 Metern über Meer müsse man auf alles gefasst sein. Dass er – etwa bei der Figur Old Shatterhand – mit neuen Leuten zusammenarbeitet, stört Grädel gar nicht. «Das ist das tägliche Brot eines Regisseurs», bemerkt er trocken und verabschiedet sich. «Ich muss noch nach Sursee fahren, um die Erzähltexte aufzunehmen.»

Die Freilichtspiele beginnen am 6. Juli. www.winnetou.ch

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