Unterwaldner Musikprojekt Lopper begibt sich auf neuen Wegen zu den Fans

Statt wegen des verschobenen Auftritts zu resignieren, starten zwei Musiker aus Ob- und Nidwalden mit einer visuellen EP durch.

Marion Wannemacher
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Das Künstlerduo Lopper, Roy Michel (links) und Armin Wallimann.

Das Künstlerduo Lopper, Roy Michel (links) und Armin Wallimann.

Bild: Boris Bürgisser (Alpnach, 16. April 2020)

Nein, ein Glücksfall sei es nun gerade nicht, erklärt Armin Wallimann, die eine Hälfte des Duos des Musikprojekts Lopper. Für den 22. Mai wäre ihr Auftritt im Pfistern in Alpnach gewesen. Der ist nun definitiv verschoben. Wann er nachgeholt werden kann, wissen weder Wallimann noch sein Kollege Roy Michel. Ganz sang- und klanglos wollten die beiden Musiker aber nicht in der Versenkung verschwinden. «Wir haben auf die Premiere ‹gebrannt›. Dass diese nun verschoben werden muss, war ein Schock für uns. Wir wollten ein Lebenszeichen von uns geben und haben die visuelle EP produziert», erzählt Wallimann.

Eine «EP» (Extended Play) ist als Tonträger zwischen Single und Album einzuordnen. «Lopper 2020» ist sogar noch mehr. Sie umfasst die visuelle Darstellung, die auch zur Bühnenschau gehört. Für diese haben sich beide bereits eine grosse Leinwand und einen Projektor zugelegt. «Es sind nicht einfach eingeblendete Video-Clips zu sehen, sondern Visualisierungen, die genauso auf die Bühne gehören wie die Musik», erklärt Armin Wallimann überzeugt. Mal transportierten diese den Inhalt der Texte, mal irritierten sie bewusst. Sie laufen synchron zur Musik, weshalb Präzision beim Einspielen gefragt war. Exaktes Timing brauchte es auch beim Abmischen der verschiedenen Tonspuren, die jeder Künstler für sich daheim im Studio produziert habe, erklärt Wallimann.

Ein Musikprojekt mit Vollblutmusikern aus beiden Kantonen

Der 49-Jährige betont, dass «Lopper 2020» ein echtes Unterwaldner Projekt sei. Wallimann arbeitet in Alpnach als Primarlehrer, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Über einen Kollegen habe er Roy Michel aus Wolfenschiessen kennen gelernt. Seit vergangenen Herbst sind beide daran, das Projekt auszuarbeiten. Wallimann selber ist mit Musik aufgewachsen, spielte von Kindheit an mit seiner elektrischen Bass-Gitarre in der eigenen Familienkapelle Noldy Wallimann Ländler und weist mit Ausflügen in den Jazz und Erfahrungen in der Orchestermusik sowie in verschiedenen Coverbands eine breite musikalische Vielfalt auf.

Auch der gebürtige Kernser Roy Michel wuchs mit Musik auf. Er liess die volkstümliche Stilrichtung bald hinter sich zu Gunsten von Hard Rock und Jazz Rock. Während Wallimann im Projekt elektrische Bariton-Gitarre und Keyboard spielt, bei Refrains und im Hintergrund singt, ist Roy Michel der Sänger und ausserdem für Percussions zuständig. Bei Live-Auftritten ist Manuel Birrer aus Sachseln als Gast-Schlagzeuger dabei.

Die visuelle EP besteht aus vier Tracks. In 18 Minuten erhält der Betrachter einen guten Überblick über die erstaunliche musikalische Vielseitigkeit der beiden. Dazu gehören als Stilrichtungen Grunge, Electro und Industrial. In «This Means War» gibt es zu verstörenden Kriegsszenen harten Rock und Metall zu hören. Die Bilder dokumentieren die Sinnlosigkeit von Kriegen und Opfern auf beiden Seiten. Bei der «Autobahn» geht es um den Fortschritt des Menschen, der auch die letzte Grenze, den Tod, noch zu überwinden sucht. Die Synthesizer-Klänge und Beats erinnern fast an die Neue Deutsche Welle der Achtziger. Dem Lopper selber hat das Duo einen eigenen Track («Lopperstoned», was so viel heisst wie «Lopper im Rauschzustand») gewidmet. Zu faszinierenden Landschaftsaufnahmen ist ein poetischer Rock zu hören.

Der Lopper als magischer Ort und Tor zur Welt

Armin Wallimann erklärt das Faszinosum am magischen Ort Lopper so: Einerseits beginne hinter dem Lopper die Welt, von der anderen Seite her bedeutet es, heimzukommen. «Es ist ein Grenzstein zwischen den beiden nicht immer so harmonierenden Kantonen mit geteilter Standesstimme», heisst es auf der Website. Zwei Künstler wollen Grenzen überwinden. Das Coronavirus sorgte dafür, dass das Konzert vom Mai verschoben wurde. Mehr nicht. «Wir werden es auf jeden Fall nachholen, vielleicht im September», betont Armin Wallimann.