Leserbrief

Unverständliches Sparen beim ÖV

«Postautolinie über Mörlialp wird gekappt», Ausgabe vom 28. Juni

Daniel Daucourt, Präsident VCS-Sektion Ob- und Nidwalden
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Die Obwaldner Zeitung berichtete über den öffentlichen Verkehr im Kanton Obwalden unter dem Titel «Postautolinie über Mörlialp wird gekappt». Die Kernaussage des Artikels ist aber eine andere und der Titel hätte so lauten können: «Fehlende Visionen für den Bus-ÖV in Obwalden führen zu unnötiger Sparwut.»

Natürlich freuen wir uns vom VCS Ob- und Nidwalden über die geplanten Verbesserungen (Erschliessung von Ramersberg, Verlängerung Sommerangebot Stalden-Langis) und besonders über die Buslinienverlängerung Sachseln-Sarnen, wofür sich Einwohner, und auch wir, damals starkmachten: «Das Angebot ist bei der Bevölkerung beliebt und nicht mehr wegzudenken», steht in der Medienmitteilung des Kantons. Auch die positive Entwicklung der Zahlen – ein Plus von rund 20 Prozent Passagiere zwischen 2013 und 2018 – zeigt eindeutig, dass ein gutes ÖV-Angebot auch gebraucht wird.

Die Aussage «Wir dürfen froh und zufrieden sein über diese erfreuliche Entwicklung im öffentlichen Verkehr. Wir sind auf gutem Weg» von Regierungsrat Daniel Wyler stimmt nur teilweise. In Obwalden gibt es Nachholbedarf: In den letzten Jahren wurde in Nidwalden das Bussystem überprüft und erweitert, in Obwalden hingegen passierte weitgehend nichts. Der Unterschied ist auffallend.

Mit einem Bruchteil der jährlich eingesparten 433000 Franken, übrigens eine Senkung um mehr als 10 Prozent, könnte zum Beispiel das Busangebot wie folgt verbessert werden:

– Sarnen–Kerns: Kerns als zweitbevölkerungsstärkste Gemeinde im Kanton ist am Abend im Vergleich zu den Talgemeinden mit Bahnanschluss unfassbar schlecht erschlossen: Der Halbstundentakt soll abends eingeführt werden.

– Abendverbindungen könnten im Allgemeinen im Kanton Obwalden verbessert werden. Der Abig-Bus ist kein zeitgemässes Angebot, da er nur in eine Richtung fährt.

– Taktlücken gibt es auf diversen Linien (Sarnen–Kägiswil–Alpnach Dorf, Sarnen–Sachseln – Flüeli Ranft), die es zu schliessen gilt.

Diese Forderungen sind massvoll, zweckmässig und wurden von uns wiederholt eingebracht. Wir schlagen ausserdem vor, alternative Erschliessungsangebote wie Kollibri (Rufbus) oder Taxito zu prüfen.

Diese massive Senkung der ÖV-Gelder einerseits und der Verzicht auf bekannte, sinnvolle Busangebotsanpassungen andererseits sind eine verpasste Chance, und gleichzeitig – leider – ein Armutszeugnis für den Kanton. Ein gutes, zeitgemässes ÖV-Angebot ist Bestandteil der Lebensqualität und als Rahmenbedingung für einen wirtschaftlich fortschrittlichen Kanton durchaus relevant.

Wir vom VCS sind überzeugt, dass der Satz «Das neue Angebot ist beliebt und nicht mehr wegzudenken» noch an vielen Orten in Obwalden gehört werden könnte, und dies ohne die Finanzen des Kantons zu strapazieren. Wir wünschen uns Gemeinden, eine kantonale Verwaltung, einen Kantonsrat und eine Regierung, die sich für sinnvolle noch ausstehende Entwicklungen im Busangebot in Obwalden einsetzen und die nötigen Korrekturen einleiten.