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USA: Eine Melchtalerin lebt den amerikanischen Traum

Bei Abstimmungen erhält die Gemeinde Kerns auch einen Stimmzettel aus Kalifornien. Seit über 50 Jahren lebt Irma Mester­hazy dort. Im Herzen ist sie Schweizerin geblieben.
Philipp Unterschütz
Die Melchtalerin Irma Mesterhazy-von Rotz (rechts) mit ihrer Tochter in Muir Woods (Kalifornien). (Bild: PD)

Die Melchtalerin Irma Mesterhazy-von Rotz (rechts) mit ihrer Tochter in Muir Woods (Kalifornien). (Bild: PD)

Philipp Unterschütz

Der amerikanische Traum. Irma Mesterhazy, die 1963 in die USA ausgewandert ist, hat ihn erlebt und gelebt – damals, als Amerika wirklich noch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten war. «Heute ist alles anders. Was wir uns damals aufgebaut haben, wäre heute ohne sehr viel Kapital kaum mehr möglich», sagt die 80-jährige Seniorin, die in Alameda bei San Francisco in Kalifornien lebt. Mit ihrem Mann, der 2010 verstorben ist, kaufte Irma Mesterhazy 1967 ein altes Haus in Alameda. «Während dreier Monate wohnten wir darin und renovierten es gemeinsam. Als es fertig war, verkauften wir es. Das war ganz einfach, der erste Interessent griff sofort zu», erinnert sich die rüstige Dame. Und damit nahm ihr persönlicher amerikanischer Traum seinen Anfang. In der Folge kaufte das Ehepaar immer wieder Häuser, sanierte diese und verkaufte sie mit Gewinn. «Das war eine glückliche und schöne Zeit. Wir kamen vorwärts, obwohl wir viel arbeiteten und sparen mussten», sagt sie. «Mir gefielen auch die häufigen Umzüge. Es hat mir nie etwas ausgemacht, ein Haus dann zu verlassen, wenn wir es fertig renoviert hatten. Das Gefühl, dass sich die Arbeit gelohnt hat, war für mich wichtig.»

Schon früher gern unterwegs

Irma von Rotz, wie sie mit Mädchennamen hiess, wuchs im Melchtal auf, wo man sie unter dem Namen «z Bälzis Irmi» kannte. Dort besuchte sie nach der Primarschule das Töchter-Institut. «Viel anderes war da gar nicht zu machen», meint sie mit fast schon entschuldigendem Unterton. Einem Haushaltslehrjahr folgte ein zweijähriger Aufenthalt in Crans-Montana. Nach einer Bürostelle bei Schindler arbeitete sie im Winter in den Bergen in Hotels und sei dabei ziemlich in der Gegend rumgekommen. Die Entdeckungslust lag ihr schon immer im Blut, denn bald ging es für sechs Monate nach England zum Sprachaufenthalt.

1963 folgte die Reise über den grossen Teich. Über ein Büro in Zürich hatte sie eine Stelle als Au-pair in einer jüdischen Familie in Connecticut gefunden. «Ich hatte viel über Amerika in Büchern gelesen und Bilder gesehen und mir immer gesagt, ich will mal dahin. Meine Mutter hatte allerdings keine Freude, sie befürchtete, ich komme nie mehr zurück.» Und ganz Unrecht sollte sie nicht behalten. Sie habe ihr damals versprochen, sie kehre in zwei Jahren zurück. Das dauerte dann allerdings doch etwas länger, weil sie nach der 14-monatigen Anstellung nach San Francisco wechselte und dort weitere 14 Monate bei der Familie eines Anwalts und einer Ärztin arbeitete.

Ihr Leben ist in den USA

Schliesslich fuhr sie im Oktober 1965 mit dem Schiff durch den Panamakanal und reiste via England zurück in die Schweiz. Eine einmonatige Reise. Doch sie blieb nur acht Monate, das Amerika-Virus hatte sie längst gepackt – und auch die Liebe spielte eine Rolle. «Nur fünf Tage vor der Abreise hatte ich meinen späteren Mann getroffen. Einen Ungarn, der nach dem ungarischen Aufstand von 1956 nach Amerika gekommen war.» So flog sie im Juli 1966 zurück nach New York, reiste zuerst mit dem Greyhound-Bus kreuz und quer durch Amerika und arbeitete danach wieder für die Familie der Ärztin. 1967 heiratete sie, 1974 kam ihr Sohn Laszlo zur Welt, 1976 ihre Tochter Karin. «Reisen in die Schweiz sind zwar ein Muss für mich, aber wieder dort zu leben und in Amerika alles aufzugeben, ist unvorstellbar. Ich habe mir in den USA mein Leben aufgebaut, habe zwei Kinder und drei Enkelinnen.»

Amerikaner sind Schmeichler

Als sie zum allerersten Mal nach New York gekommen und zwei Stunden mit dem Bus nach Manhattan gefahren sei, sei das schon etwas erschreckend gewesen. «Beim Anblick der Wolkenkratzer dachte ich: So könnte ich nicht leben. Und ich war froh, dass meine Au-pair-Familie auf dem Land wohnte.» Daran hat sich bis heute nichts geändert. Irma Mesterhazy liebt ihren Wohnort Alameda. Eine kleine Stadt ohne Hochhäuser mit knapp 80 000 Einwohnern und einem wunderbaren Blick auf die Bucht von San Francisco. «Ich möchte nirgendwo anders wohnen. In Kalifornien ist es am schönsten, auch das milde Klima ist ideal.» Auf die Frage, wie sie die Amerikaner erlebe, zeigen sich gewisse Vorbehalte. «Sie sind zwar toleranter als die Schweizer, und sie sind sehr hilfsbereit. Aber ich kann sie nicht immer ernst nehmen. Ich habe bald gelernt, dass sie oft Dinge sagen, nur weil sie wissen, dass man sie gerne hört.» Sie sei auch meistens mit befreundeten Europäern oder Schweizern zusammen, von denen es dort viele gebe. Tatsächlich: Im Gespräch mit unserer Zeitung hört man Irma Mesterhazy am Telefon kaum an, dass sie vor mehr als einem halben Jahrhundert ausgewandert ist.

Weder Trump noch Clinton

Obwohl Irma Mesterhazy seit 1970 den amerikanischen Pass hat, Doppel­bürgerin ist und den grössten Teil ihres Lebens in Amerika verbracht hat, ist sie im Herzen Schweizerin geblieben. Sie ist im örtlichen Schweizer-Klub, informiert sich, was hier läuft, liest die «Swiss Revue für Auslandschweizer», diskutiert mit ihren Schweizer Freundinnen über die Schweiz, und sie nimmt auch regelmässig an den Abstimmungen teil. «Die Stimmzettel muss ich jeweils nach Kerns schicken.» Wählen könnte sie auch in den USA. Aber für die anstehenden Präsidentschaftswahlen habe sie sich nicht für die Wahl eingeschrieben. «Ich mag die ganzen Diskussionen darüber schon fast nicht mehr hören», meint die Seniorin, sagt dann aber doch, dass für sie keiner der Kandidaten wählbar wäre. «Hillary Clinton traue ich nicht, und Donald Trump mag vielleicht ein guter Geschäftsmann sein, aber als Präsident kann ich ihn mir nicht vorstellen.» Sie habe den Eindruck, dass niemand so recht sagen wolle, für wen man sei. Das könne gefährlich sein, es sei ja erstaunlich, wie viele Leute Trump trotz seinem Gepolter begeistere. «Aber für mich spielt es eigentlich keine grosse Rolle, wer die Wahlen gewinnt.»

In der ganzen Welt gereist

Irma Mesterhazy geniesst lieber das Leben mit ihren Freundinnen, mit denen sie auch oft Reisen unternimmt. Und wenn sie aufzählt, wo sie schon war, könnte man neidisch werden: China, Neuseeland, Indien, Brasilien, Chile, Argentinien, Peru, Bolivien, Alaska und viele Länder Europas. Dieses Jahr war sie schon in Vietnam und Kambodscha – und bereits ist sie am Planen der nächsten Reise. Eine Flussfahrt auf Donau/Rhein soll es sein. Noch offen ist das Datum für ihre nächste Reise in die Schweiz. Und plötzlich spricht doch noch die Amerikanerin aus ihr, wenn sie sagt: «In der Schweiz ist alles so schön und sauber. Und vor allem ist sie so klein, man ist schnell irgendwo anders. Hier in Amerika ist alles so weit weg.»

Dies ist der letzte Beitrag in unserer Sommerserie «Auswanderer». Bisher erschienene Beiträge finden Sie unter www.nidwaldnerzeitung.ch/serien oder www.obwaldnerzeitung.ch/serien

Die Melchtalerin Irma Mesterhazy-von Rotz kurz vor ihrem Abflug in die USA 1963. (Bild: pd)

Die Melchtalerin Irma Mesterhazy-von Rotz kurz vor ihrem Abflug in die USA 1963. (Bild: pd)

Der Blick auf San Francisco von der Fähre nach Alameda. (Bild: pd)

Der Blick auf San Francisco von der Fähre nach Alameda. (Bild: pd)

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