Verbranntes Plastik erhitzt Engelbergs Gemüter

Über zwei Jahre lang wurde in Engelberg Kunststoff gesammelt und dann doch mit dem Haushaltsabfall verbrannt. So führe man die Leute hinters Licht, findet die SVP. Gar von einer versteckten Gebührenerhöhung ist die Rede. Die Gemeinde sieht ihre Hände gebunden.

Franziska Herger
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So ähnlich sah es bis 2018 in Engelberg aus: Volle Abfallsäcke mit allerhand Kunststoff. (Symbolbild Boris Bürgisser)

So ähnlich sah es bis 2018 in Engelberg aus: Volle Abfallsäcke mit allerhand Kunststoff. (Symbolbild Boris Bürgisser)

Es gebe keine Endabnehmer für eine ökologisch sinnvolle Wiederverwertung, lautete die Begründung, als die Gemeinde Engelberg im Mai 2018 die Sammlung von Plastik aufgab. Doch die Kunststoffsammlung, die es während rund 10 Jahren in Engelberg, Sarnen, Sachseln, Alpnach und Kerns gab, war eigentlich bereits Ende 2015 vom Entsorgungszweckverband (EZV) Obwalden abgeschafft worden. Mehr als zwei Jahre lang ist daher der extra gesammelte Engelberger Kunststoff zusammen mit allem anderen Haushaltsabfall in der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) verbrannt worden – statt rezykliert, wie mancher umweltbewusste Engelberger wohl dachte.

Man habe sich nicht an die Abschaffung gehalten, «weil wir noch länger daran glaubten, dass sich irgendeinmal eine sinnvolle Lösung für den Plastikabfall abzeichnet», sagt Gemeinde-Geschäftsführer Bendicht Oggier auf Anfrage. «Dann hätten wir das System nicht wieder ändern wollen.» Doch die Lösung kam nicht. Tatsächlich sei der gesammelte Kunststoff oft ins Ausland transportiert und dort verbrannt worden, sagt Sepp Amgarten, Geschäftsführer des EZV. Und: «Trotz Informationstafeln und anderen Massnahmen wurden die Sammelstellen zur Gratis-Entsorgung von allem möglichen Abfall missbraucht. Das macht die Wiederverwertung schwierig, und die Entsorgung ist mit zusätzlichen Kosten verbunden.»

«Wir haben die Plastiksammlung nicht gerne aus dem Angebot genommen», sagt der Engelberger Talammann Alex Höchli. Doch separat zu sammeln, was dann doch zusammen verbrannt wird, sei «stossend».

Der Werkhof Wyden in Engelberh. (Bild: Eveline Beerkircher,  21. März 2019)

Der Werkhof Wyden in Engelberh. (Bild: Eveline Beerkircher,  21. März 2019)

Der Zweckverband entscheidet über Sammlung

Deutlichere Worte findet Monika Rüegger, Präsidentin der SVP Engelberg und der Kantonalpartei. «Die Leute dachten, sie tun etwas Gutes, und sind eigentlich hinters Licht geführt worden.» An ihrer kürzlichen Generalversammlung hat die SVP Engelberg entschieden, an ihrer Initiative zur Wiedereinführung der Plastiksammelstelle im Werkhof Wyden festzuhalten. Dies, obwohl der Gemeinderat nach Prüfung der im Mai 2018 eingereichten Initiative zum Schluss kam, dass sie als ungültig zu erklären sei. Denn die Zuständigkeit für den Entscheid über eine Separatsammlung liege beim Zweckverband, nicht bei der Gemeinde, argumentiert der Gemeinderat.

Die Initiative schreibe ja nicht vor, was mit dem einmal getrennten Abfall geschehen solle, entgegnet Monika Rüegger. «Aber es wird doch möglich sein, im Werkhof Wyden, der der Gemeinde gehört und durch Steuergelder finanziert ist, wieder einen Container für Plastik hinzustellen.» Darüber hinaus bitte man die Gemeinde einzig, bemüht zu sein, künftig eine Wiederverwertung von Plastik durch Dritte anzubieten. Rüegger sieht dazu verschiedene Möglichkeiten wie Recycling oder die Nutzung als Energieträger für die Wirtschaft, etwa in der Zementindustrie.

Auch diese brauche nämlich Plastik als Brennstoff, muss ihn jedoch aus dem Ausland importieren, da Schweizer Plastik meist in den KVA landet. «Das ist doch ökologischer Unsinn», findet die SVP-Präsidentin. «Wenn die Politik schon über den Zweckverband ein Monopol am Haushaltsabfall hat, ist sie auch in der Pflicht, diesen möglichst umweltschonend zu verwerten.»

Alle Gemeinden müssten einverstanden sein

Ökologische Abfallverwertung – auf den ersten Blick kein Kernthema der SVP. Das streitet Monika Rüegger nicht ab. «Aber es geht hier um die Sache. Dass das Plastik nicht mehr vom übrigen Abfall getrennt werden kann, hat die Leute in Engelberg sehr geärgert.» Viele störten sich auch daran, dass sie Kunststoffbehälter – etwa Waschmittel- oder Milchflaschen – nun wieder bei Coop oder Migros abgeben müssen und nicht mehr mit einem Stopp im Werkhof ihren ganzen Abfall entsorgen können. Die Gebühren seien derweil gleich geblieben. «Mit dem zusätzlichen Plastik braucht man mehr Gebührensäcke», so Rüegger. «Das ist eine versteckte Gebührenerhöhung.»

Der Gemeinderat will die Argumente der SVP nun prüfen und entscheiden, wie mit der Initiative verfahren werden soll. «Wir haben zudem beim Zweckverband angeregt, zu prüfen, ob eine kantonale Lösung für die Wiederverwertung von Plastik möglich wäre», sagt Alex Höchli.

Dem verschliesse sich der EZV, der von den Gemeinden getragen wird, nicht grundsätzlich, sagt Sepp Amgarten – «sofern es ökologisch und ökonomisch sinnvoll ist». Doch man sei vertraglich an die Kehrichtverbrennungsanlage Perlen bei Luzern gebunden, die von den Innerschweizer Zweckverbänden finanziert wurde und an der sie nach wie vor finanziell beteiligt sind. «Sie müsste, nebst den anderen Obwaldner Gemeinden, mit einer erneuten Sammlung von Kunststoff einverstanden sein.»

Plastik ist ein sehr guter Brennstoff und dadurch auch für die KVA Perlen ein willkommener Energieträger. Es stimme jedoch nicht, dass die KVA mit dem Kunststoff ihren eigenen Brennwert erhöhen wolle, so Amgarten. «Sie ist darauf nicht angewiesen. Wenn der Kunststoff jedoch schon verbrannt wird, macht es wirtschaftlich und ökologisch Sinn, wenn das in der KVA Perlen geschieht, die Fernwärme und Strom erzeugt, wodurch Öl gespart werden kann.»

Kunststoffsammlung ist in Fachkreisen umstritten

Eine gemischte Kunststoffsammlung, wie sie zwischen 2015 und 2018 in Engelberg stattfand, sei in Fachkreisen umstritten, fährt Sepp Amgarten fort. «Kunststoff ist nicht Kunststoff. Werden Behälter, Folien, Joghurtbecher und Verpackungen zusammen gesammelt, ist Recycling kaum machbar. Dafür braucht es eine rigorose Trennung der Kunststoffarten, die jedoch optisch für den Laien schwer auseinanderzuhalten sind.» Meist müsse gemischter Kunststoff daher verbrannt werden. «Mit dem Thema wird gerne politisches Kapital geschlagen», sagt Amgarten. Er verweist auf die Möglichkeit, Kunststoffbehälter beim Detailhandel zurückzugeben. «Aber wer wirklich etwas für die Umwelt machen möchte, sollte besser wo immer möglich auf Plastik verzichten.»