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Verdächtigter Bergbauer in Sachseln beteuert seine Unschuld

Der Stallbrand in der Sigetschwand vor Jahresfrist hat ein juristisches Nachspiel. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus. Beschuldigt wird der Bergbauer. Dieser bestreitet die Tat auf Anfrage.
Oliver Mattmann
Lichterloh brannte der Stall im Gebiet Sigetschwand in Sachseln. (Bild: Kapo Obwalden (8. Juli 2017))

Lichterloh brannte der Stall im Gebiet Sigetschwand in Sachseln. (Bild: Kapo Obwalden (8. Juli 2017))

Ein Jahr ist es her, seit ein ehemaliger Geissenstall im Gebiet Sigetschwand ob Sachseln in Flammen stand. Zwar brannte das Gebäude komplett nieder, Personen oder Tiere kamen glücklicherweise aber keine zu Schaden. Dennoch wog der Verlust des Stalles und der darin gelagerten Landwirtschaftsmaschinen für den Bergbauer schwer. So schwer, dass er sich verzweifelt auch an unsere Zeitung wandte. Im Gespräch mit unserer Reporterin klagte er sein Leid. So sei der Stall unterversichert gewesen. Er schätzte damals den Schaden und die Kosten für den Wiederaufbau auf über 250'000 Franken ein. Er wisse nicht, wie er das Geld auftreiben solle und bitte um finanzielle Unterstützung. Als Brandursache vermutete er einen Blitzeinschlag.

Tatsächlich schlug am späten Nachmittag des 8. Juli 2017 der Blitz mehrmals im Gebiet ein, auf der sich die Liegenschaft befindet. Auch der Spurenbericht des Forensischen Instituts Zürich schliesst einen Blitz als Grund für das Feuer nicht abschliessend aus. Doch das Gutachten rückt eine andere Ursache deutlich in den Vordergrund – eine, die inzwischen ein juristisches Nachspiel zur Folge hat: Brandstiftung. «Der Bericht geht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass der Brand absichtlich oder zumindest fahrlässig verursacht worden ist», sagt Oberstaatsanwältin Esther Omlin.

Verfahren gegen einen Mann wieder eingestellt

Ins Visier der Ermittler sind zwei Tatverdächtige geraten. Gegen einen Mann – er ist Mitmieter auf besagtem Grundstück – ist das Verfahren inzwischen eingestellt worden. «Obwohl er sich bei den Einvernahmen in Widersprüche verstrickte, konnte der Tatverdacht nicht erhärtet werden», hält Esther Omlin fest. Gegen den zweiten Beschuldigten hingegen wird in diesem Monat Anklage erhoben. Es handelt sich um den eingangs erwähnten Bergbauern, wie die Oberstaatsanwältin Recherchen unserer Zeitung bestätigt. Er ist der Vater der Liegenschaftsbesitzerin. «Die Indizien, die sich im Verlauf der Ermittlungen ansammelten, haben mich zu diesem Schritt bewogen», hält Omlin fest, ohne näher auf den Inhalt einzugehen. Zunächst habe sie das Verfahren mittels Strafbefehl erledigen wollen, dann aber einsehen müssen, dass sie mit dem Beschuldigten keinen gemeinsamen Nenner finde. Dieser bestreite die Tat. Ein Alibi fehle, auf der anderen Seite fehlen aber auch Augenzeugen, die ihn klar belasten würden.

Der Bergbauer bestätigt auf Anfrage, dass ihm der Gang vor Gericht droht. Er beteuert im Gespräch mit unserer Zeitung, unschuldig zu sein. «Ich gehe mit einem guten Gewissen in den Prozess.» Die Person, die ihn bezichtige, den Brand gelegt zu haben, sei psychisch labil. Missgunst spiele ebenfalls eine Rolle. «Ich zünde doch keinen Stall an, der mir 30'000 oder 40'000 Franken an Versicherungsgeldern einbringt», enerviert er sich. Dennoch seufzt er am Telefon: «Die ganze Geschichte nagt an meiner Substanz. Es gibt Phasen, in denen es mir himmeltraurig geht.» Er würde den Stall gerne wieder aufbauen, doch «ich lebe derzeit von der Hand in den Mund. Und die tägliche Arbeit absorbiert mich sehr.» Er hange aber sehr an seinem «Heimetli» in der Sigetschwand, auch weil dieses stark mit seiner Familiengeschichte verbunden sei, doch habe er praktisch kein Umfeld, das ihm helfen könnte. Spendenaufrufe haben ihm bisher etwas mehr als 3000 Franken eingetragen, dies sei aber ein Tropfen auf den heissen Stein.

Kontrolleurin mit Waffe bedroht

Mögliche Brandstiftung wird beim Prozess vor Gericht aber nicht das einzige Thema sein. Der Beschuldigte wird sich auch wegen mutmasslichen Verstössen gegen die Tierschutzvorschriften verantworten müssen. Laut Esther Omlin ist dieses Verfahren schon länger im Gange und wird nun mit dem «Brand-Fall» zusammengelegt. Zu den konkreten Vorwürfen kann die Oberstaatsanwältin zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellung nehmen. Der Bauer selbst hatte damals gegenüber unserer Zeitung erwähnt, er habe eine Tierschutzkontrolleurin mit einer Waffe bedroht.

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