Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vision für Siedlungsentwicklung im Sarneraatal

Die Ausstellung «Sarneraatal 2050» im Historischen Museum schildert die rasante, oft auch ungute Siedlungsentwicklung. In einer Vision zeigt sie Wege, wie man charakteristische Streusiedlungen erhalten könnte.
Romano Cuonz
Die Kuratoren der Ausstellung «Siedlungsentwicklung Sarneraatal», Erich Häfliger (links) und Eugen Imhof vor David Alois Schmids Sarner Bild von 1826. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 10. Mai 2019))

Die Kuratoren der Ausstellung «Siedlungsentwicklung Sarneraatal», Erich Häfliger (links) und Eugen Imhof vor David Alois Schmids Sarner Bild von 1826. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 10. Mai 2019))

«Zum Dorfleben von früher können wir nicht mehr zurück, so sehr wir uns das vielleicht wünschen, zur Stadt kann Obwalden glücklicherweise nie werden und zur Agglomeration darf der Kanton nicht verkommen!» Dieser Kernsatz des Zürcher Raumplaners Angelus Eisinger steht prominent am Eingang zur aktuellen Sonderausstellung im Historischen Museum Obwalden in Sarnen. Eigentlich sagt er schon alles, was sich die IG Baukultur Obwalden und der Verein «Kulturlandschaft – Landschaft und Kultur in Obwalden» zum Ziel gesetzt haben. Doch nun soll diese wichtige Erkenntnis mit einer eindrücklich bebilderten und prägnant getexteten Ausstellung der breiten Bevölkerung weitergegeben werden. Plastisch geradezu und dabei doch stets mit visionären Sichtweisen.

Für einmal werden dabei zwei Architekten zu Kuratoren: der Sarner Eugen Imhof und der Giswiler Erich Häfliger. Es braucht nur einen Blick auf die vielsagenden, genauen Reliefs der Siedlungsräume Sarnen und Giswil, um den Besuchern klar zu machen, was Imhof gleich zu Beginn eines Rundgangs betont: «Wir müssen verhindern, dass man im Sarneraatal die Siedlung so weitertreibt, dass der Kulturraum unwiederbringlich verloren geht.» Doch gleichzeitig versichert er: «Wir machen das nicht, weil wir bauen wollen, sondern um Streusiedlungen in ihrer Qualität bestehen zu lassen.» Häfliger verstärkt diese Aussage noch: «Man braucht eine Vision, wie man die für 2050 prognostizierte Zunahme der Bevölkerung in unseren schönen, qualitätsvollen Landschaftsraum integrieren kann, ohne ihn zu zerstören. Heute, und nicht erst morgen, gelte es Weichen zu stellen, davon sind beide überzeugt. Ihr Ziel: mit der Bevölkerung Diskussionen darüber zu führen, wo und wie die Entwicklung bis 2050 stattfinden soll.

Sarnen und Giswil unter der Lupe

Zum Blickfang wird ein fotogetreu nachgemaltes Bild, das David Alois Schmid 1856 gemalt hat. Es zeigt vom Landenberg aus den Flecken Sarnen mit einem noch intakten Dorfkern und einer sogar schiffbaren Sarneraa. Pure Nostalgie? Oder doch eher Fingerzeig für eine – wenn auch etwas andere – Zukunft. Ihre Vision untermalen die beiden Ausstellungsmacher mit zahlreichen Bildern, Plänen und Impulsen. Dies am Beispiel von zwei sehr gegensätzlichen Gemeinden. Da ist der schon dicht besiedelte Hauptort Sarnen, und ihm gegenüber steht die landesweit einzigartige Streusiedlung Giswil. Dabei gehen die Architekten vom Wachstum aus, den das Bundesamt für Statistik dem Kanton Obwalden für 2050 prognostiziert: 5500 bis 6000 Einwohner. «Diese Zahlen stellen wir nicht in Frage», sagt Eugen Imhof. Aber zusätzliche Bewohner könnten nicht regelmässig über alle Dörfer verteilt werden, sonst würden die typischen Streusiedlungen definitiv zerstört. Erich Häfliger zeigt aufs Giswiler Relief und nennt konkrete Zahlen: «Streusiedlungen wie diese dürfen höchstens 40 Prozent des künftigen Wachstums abfangen. Für die Unterbringung der andern 60 Prozent brauchen wir Alternativen.»

Die Ausstellung zeigt denn mit Modellen und visualisierten Plänen auch sehr einleuchtend, wo die Architekten der IG Baukultur eine Zukunftslösung sähen: 3500 der prognostizierten 6000 Einwohner sollen in Sarnen Nord angesiedelt werden. Diesen Denkanstoss fasst Imhof so zusammen: «In Sarnen Nord könnten wir alle Chancen der Verdichtung nutzen, und gleichzeitig Bezüge zwischen den Ortsteilen schaffen. Dies, indem wir die heute bestehenden Barrieren beseitigen.» Und Häfliger ergänzt: «Gleichzeitig stellen wir in dieser Ausstellung die Frage, wie sich in Giswil oder anderswo Streusiedlungen als Ganzes qualitätsvoll und nachhaltig weiterentwickeln können.»

Historisches Museum Obwalden: Sonderausstellung «Vision zur Siedlungsentwicklung». 10. Mai bis 30. November. Geöffnet jeweils Mittwoch bis Sonntag 14 – 17 Uhr. Weitere Informationen unter www.museum-obwalden.ch.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.