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Von Obwaldner «Armen Seelen» ohne Ruhe

Der Engelberger Forscher Mike Bacher hielt im Historischen Museum Obwalden einen Vortrag über Jenseitsvorstellungen in Obwaldner Sagen. Sogar eine Meinung des Papstes Benedikt XVI. hat er dazu eingeholt.
Romano Cuonz
Mike Bacher mit mit einer alten Versehlaterne. (Bild: Romano Cuonz)

Mike Bacher mit mit einer alten Versehlaterne. (Bild: Romano Cuonz)

Aufhorchen liess der Engelberger Jurist und Sagenforscher Mike Bacher, als er in seinem Vortrag im Historischen Museum Obwalden mit dem Titel «Die Lehre von den letzten Dingen» einen Brief erwähnte, den er an den Papst Benedikt XVI. geschickt hatte. Darin hiess es: «Ein Schwerpunkt meiner Forschung bildet die Untersuchung von Alpensagen auf ihren rechtlichen und religiösen Gehalt.» Bacher führte weiter aus: «Besonders interessant sind hierbei die Sagen über die ‹Armen Seelen›.»

In solchen Sagen würde zumeist erzählt, wie Seelen von Verstorbenen auf der Erde wandeln müssten, um ihre Sünden abzubüssen. Solange müssten sie es tun, bis entweder eine gewisse Frist abgelaufen sei oder eine noch lebende Person eine Handlung vornehme, die den rechtmässigen Zustand wieder herstelle. Meist sei dies etwa nach einem Holzfrevel oder, gerade in der Innerschweiz, sehr oft auch wegen unrechtmässigen Versetzens von Grenzsteinen auf Alpen. Eine zentrale Frage Bachers im Schreiben an den früheren Pontifex lautete denn: «Wie ist es heute möglich, den weithin verbreiteten Volksglauben um die wandelnden ‹Armen Seelen› mit der aktuellen Lehre der Kirche in Einklang zu bringen?»

«Die Beziehung zum Toten bricht nicht einfach ab»

Tatsächlich traf eine äusserst differenzierte Antwort vom studierten Theologen Benedikt XVI. ein, der die Lehre vom Fegefeuer zu den tröstlichsten Stücken unseres Glaubens zählt. In Bezug auf die «Armen Seelen» und die Sagenerzählungen, wonach diese auch nach dem Tod wandeln können, antwortet der Kirchenlehrer eher allgemein, in dem er festhielt, dass die Schwierigkeiten bei der noch nicht ewigkeitsfähigen Seele immer auch aus seinem verfehlten Verhältnis zum Nächsten kämen. Klar sei, dass dieses Ereignis eben diesen Nächsten mitbetreffe. Für Benedikt XVI. ist etwas ganz wichtig: «Die Beziehung zum Toten bricht nicht einfach ab, sondern kann in tätiger Liebe und Fürbitte fortgesetzt werden.»

Ganz abgesehen von diesem theologischen Exkurs: Mike Bacher verstand es, mit seinem Vortrag das Publikum zu packen. Gross und fundiert ist seine Kenntnis von verschiedenen Ob- und Nidwaldner Sagen. Immer wieder illustrierte er seinen Vortrag mit einheimischen Geschichten. Da war etwa jene vom starken Rotzer im Melchtal, der Älplern gerne auch einmal half.

Zuhörer berichteten Gespenstergeschichten

Ein Beispiel dafür, wie Geister sich auch erkenntlich zeigen, illustrierte Bacher mit einer Engelberger Sage: Ein Mann war auf einer abgelegenen Alp dem Tode nahe. Doch wegen des hohen Schnees vermochte seine Frau den Priester mit den notwendigen Sakramenten nicht zu holen und ein Telefon gab es nicht. Dass dennoch plötzlich ein Pater mit der Versehlaterne und dem geweihten Öl in der Tür stand, war für die Frau unerklärlich. Doch der Pater versicherte ihr, dass er einen geisterhaften Telefonanruf erhalten habe. Und am Ende des Vortrags? Da bestätigten gleich mehrere Zuhörer, dass sich Gespenstergeschichten auch im digitalen Zeitalter noch abspielen würden.

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