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Von Kägiswil in die russische Exklave

Ein Obwaldner Motorsportverein fliegt dieser Tage mit drei Maschinen zu einem Flugplatz-Jubiläum in Kaliningrad.
Sandra Peter
Mit dieser Cessna 182 (links) und der Piper PA 28 geht die Fluggruppe Sarnen-Kägiswil in die Luft - heuer bis nach Kaliningrad. (Bild: PD)

Mit dieser Cessna 182 (links) und der Piper PA 28 geht die Fluggruppe Sarnen-Kägiswil in die Luft - heuer bis nach Kaliningrad. (Bild: PD)

Die Fluggruppe Sarnen-Kägiswil (FGSK) nimmt dieses Wochenende am 100-Jahr-Jubiläum des Flughafens Devau in Kaliningrad teil – und reist dazu auf dem Luftweg an. Von Kägiswil aus sind die Piloten in die russische Exklave zwischen Polen und Litauen geflogen. Die drei Maschinen sind die einzigen Flugzeuge aus der Schweiz, die auf dem 1919 eröffneten Flughafen erwartet werden.

Devau war der erste deutsche zivile und einer der ersten Verkehrsflughäfen der Welt. 1922 startete dort das erste Passagierflugzeug, das Deutschland und Russland verband. Die Maschine deckte die Strecke Moskau-Riga-Kaliningrad ab. Zu jener Zeit hiess die Stadt jedoch noch Königsberg. Das Gebiet stand bis 1945 unter preussischer Herrschaft.

Abflug erfolgt in zwei Etappen

Sechs Stunden beträgt die reine Flugzeit ab Kägiswil in die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Kaliningrad. Die sechs Piloten der FGSK legten die Strecke in zwei Tagen zurück. Mit dabei ist Vorstandsmitglied Dennis Rybaczyk. «Unsere Flugzeuge schaffen das nicht am Stück. Wir müssen unterwegs Sprit tanken. Und natürlich will jeder Pilot einmal fliegen», führt er aus. Die Gruppe startete Mittwoch und gelangte am ersten Tag bis nach Dresden. Am Donnerstag ging es dann über Danzig in Polen ins seit 1992 zur russischen Föderation gehörende Kaliningrad. Die Hauptstadt liegt an einer Bucht, die durch eine Halbinsel von der Ostsee abgegrenzt wird.

Der Flugplatz Devau wird seit dem Bau des neuen Flughafens Kaliningrad nur noch von Sportfliegern besucht. «Es gibt eine Schotter- und eine Graspiste. Die historischen Gebäude werden noch genutzt und vom örtlichen Luftsportverein unterhalten», so Rybaczyk. Aushängeschild ist das ehemalige Verwaltungsgebäude des deutschen Architekten Hans Kopp.

2012 musste der Flugplatz Devau vorübergehend schliessen, weil bis an die Startbahn heran gebaut wurde. 2013 wurde der Flughafen dann jedoch zum «Objekt des kulturellen Erbes mit regionaler Bedeutung» erklärt und wieder in Betrieb genommen.

Bürokratische Hürden gemeistert

Insgesamt werden zum Jubiläum 70 bis 80 Maschinen erwartet. Nebst den zwei einmotorigen Piper PA 28 und einer Cessna 182 aus Kägiswil machen sich 55 Maschinen aus dem EU-Raum gegen Osten auf. Die meisten Flugzeuge starten in Deutschland. Ein Kieler Luftsportverein war es denn auch, der die Obwaldner auf das Jubiläum aufmerksam gemacht hat, den Kontakt zum Veranstalter hergestellt und die Anmeldungen koordiniert hat.

Pilot und Vorstandsmitglied Dennis Rybaczyk von der Fluggruppe Sarnen-Kägiswil (SGSK). (Bild: PD)

Pilot und Vorstandsmitglied Dennis Rybaczyk von der Fluggruppe Sarnen-Kägiswil (SGSK). (Bild: PD)

Die Vorbereitungen für die spezielle Reise waren aufwendig. «Wir hatten einen Berg an Dokumenten zu bearbeiten. Für Russland benötigt man ein Visum und alle Flugzeuge müssen angemeldet werden, damit sie eingeführt werden dürfen», sagt Rybaczyk. Die Route ab Danzig sowie den Zeitpunkt der Grenzüberquerung mussten sie im Voraus exakt angeben. Innerhalb der russischen Föderation gilt es, die einmal gewählte der vorgegebenen Strecken exakt einzuhalten. «Es gibt einige militärische Gebiete, über die wir nicht fliegen dürfen. Abweichungen hätten Sanktionen und rechtliche Schritte zur Folge».

Da die Piloten die Sichtflugregeln einhalten müssen, ist auch das Wetter eine Herausforderung. «Wir dürfen nicht in die Wolken hineinkommen», erklärt der Pilot Rybaczyk. «Zudem müssen wir ständig beobachten, ob andere Flugfahrzeuge unterwegs sind. Um Schlechtwetterzonen umgehen zu können, müssen wir die Alternativrouten kennen.»

Im Notfall hätte die Fluggruppe die Reise absagen oder unterwegs abbrechen müssen, falls das Wetter überhaupt nicht mitgespielt hätte. Dies war nicht der Fall. «Als wir einmal in Danzig waren, standen die Chancen gut, dass wir früher oder später auch bis nach Kaliningrad kommen», erläutert Rybaczyk, der auch im Aeroclub Zentralschweiz als Vize-Präsident aktiv ist. Unter anderem, weil in nördlicher Richtung keine hohen Berge in die Quere kommen. Und der Flug von Danzig nach Kaliningrad dauert nur etwa 40 Minuten. Nebst dem Wetter erfordern die unterschiedlichen Masseinheiten Aufmerksamkeit. Innerhalb des EU- und Schengen-Raums werden die Höhen in Fuss, in Russland aber in Metern angegeben. «Da unsere Flugzeuge nur Fuss anzeigen, müssen wir die Flughöhe permanent im Kopf in Meter umrechnen.»

Für die insgesamt sechs Tage geben die Teilnehmer für Visum, Hotel und Verpflegung rund 800 Franken aus. Die Kosten für die Flugzeugcharter schlagen mit rund 1200 Franken pro Pilot zu Buche. Die Gruppe unternimmt jedes Jahr etwa drei Flüge ins Ausland. Die Piloten sahen beispielsweise schon Schweden, Spanien, Italien oder Kroatien von oben.

Mehr zur Fluggruppe Sarnen-Kägiswil: www.motorfliegen.ch

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