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Vor 100 Jahren wütete die Grippe in Obwalden

In der «Gwunderchammer» des Historischen Museums liegt zurzeit ein Grippepatient im Bett. Rund um ihn herum Dokumente, die belegen, dass Obwalden vor 100 Jahren von der oft tödlichen Krankheit am härtesten betroffen war.
Romano Cuonz
Volkhard Scheunpflug hat im Historischen Museum eine Ausstellung über die Obwaldner Grippe Epidemie vor 100 Jahren gestaltet. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 17. Juli 2018))

Volkhard Scheunpflug hat im Historischen Museum eine Ausstellung über die Obwaldner Grippe Epidemie vor 100 Jahren gestaltet. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 17. Juli 2018))

«Ans Ende des 1. Weltkriegs und an den Landesstreik vor 100 Jahren hat man sich dieses Jahr noch und noch erinnert», sagt Klara Spichtig, die Leiterin des Historischen Museums Obwalden. Nun aber hätte sie ihr Mitarbeiter Volkhard Scheunpflug – ein pensionierter Journalist – auf ein Ereignis aufmerksam gemacht, das den damals ländlichen Kanton Obwalden noch direkter und stärker betroffen hatte: die Spanische Grippe. Diese Krankheit war damals zur Pandemie ausgeartet und hatte weltweit 23 Millionen Todesopfer gefordert. Was nun aber Volkhard Scheunpflug dazu in Bezug auf den Kanton Obwalden recherchiert habe, sei dem Museum eine kleine Sonderausstellung wert gewesen, erklärt Klara Spichtig. Für genau solche Ausstellungen gebe es im obersten Stock des Museums einen normalerweise leer stehenden Raum: die «Gwunderchammer».

Grippe forderte 144 Todesopfer

Betritt man die «Gwunderchammer» in diesen Tagen, steht da ein altes Bett. Darin liegt – zugedeckt bis zum Hals und mit einer alten Wärmeflasche versehen – ein Grippepatient. Rund um ihn herum an den Wänden gibt es fromme Bilder, alte «Leidhelgeli», und vor allem eine grosse Zahl früherer Ausgaben des «Obwaldner Volksfreund». «Weil der ‹Obwaldner Volksfreund› und auch das Amtsblatt digital verfügbar sind, habe ich in den Ausgaben von 1918 Seite um Seite angeschaut und so viel Erstaunliches zum Thema Grippe gefunden», erzählt Volkhard Scheunpflug. Und fügt dann hinzu: «Weil es bei der Grippe auf der ganzen Welt nur Verlierer gegeben hat, wurde dieses Thema immer etwas unter den Tisch gewischt.» Nicht so in der Sonderausstellung im Historischen Museum. Dort wird man an vieles erinnert, das schon fast in Vergessenheit geraten ist: Als die Grippe im Juli 1918 ausbrach, dachten vorerst alle, dass es sich dabei um eine harmlose Krankheit handle. Indessen: Drei Wochen nach dem Ausbruch gab es in Sarnen und allen andern Gemeinden Obwaldens die ersten Toten. Ab jetzt verbreitete die Krankheit Angst und Schrecken. Einen Drittel der Bevölkerung zwingt sie aufs Krankenlager, und nicht weniger als 144 Todesopfer hat Obwalden zu beklagen. «Setzt man diese Zahl ins Verhältnis zu den 17000 Einwohnerinnen und Einwohnern, stellt man fest, dass Obwalden der am stärksten betroffene Kanton der ganzen Schweiz war», sagt Scheunpflug. Von tausend Einwohnern starben acht an Grippe. In der Folge seien Schulen geschlossen, öffentliche Veranstaltungen abgesagt und Notspitäler eingerichtet worden.

Grosse Trauer um Wehrmänner

Scheunpflug zeigt auf die vielen Dokumente an den Wänden: Hier liest man eine Verlautbarung der Obwaldner Regierung, und dort gibt es Todesanzeigen und Nekrologe zu lesen. All diese Dokumente zeigen etwas sehr eindrücklich: Wie schwer es den Menschen von damals gefallen war, das Thema Grippe in den Griff zu bekommen. Vor allem die Nekrologe widerspiegeln die damalige Verzweiflung mehr als deutlich. Zum emotionalen Höhepunkt der Trauer aber führte die Epidemie, als sich junge, kerngesunde Männer im ­47er-Bataillon damit ansteckten. Sie waren im November 1918 zur Eindämmung des Landesstreiks in Luzern aufgeboten. Doch am Schluss ihres Einsatzes mussten von den 900 Soldaten 480 in Luzern hospitalisiert werden. Zum Teil geschah dies unter menschenunwürdigen Bedingungen. Nicht weniger als 26 von ihnen starben an der Grippe. Die Trauer war grenzenlos. Aber auch Wut breitete sich im Kanton Obwalden aus. Jedoch: Diese richtete sich nicht gegen das Spital, die Ärzte oder das Pflegepersonal. Schon gar nicht gegen das Militär. Im kleinen, konservativen Kanton machte man die «roten» Akteure des Landesstreiks für den Tod der jungen Landsleute verantwortlich.

Historisches Museum Obwalden: Sonderausstellung in der Gwunderchammer: 1918 – Spanische Grippe in Obwalden. Bis zum 30.November 2018.Mehr Informationen finden Sie hier.

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