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Gespanntes Warten auf den Sonnenaufgang in Sarnen

Der Verein Kulturlandschaft Obwalden lud ein, gut hundert Interessierte folgten der Einladung und erlebten am Donnerstag Morgen früh vor der Pfarrkirche Sarnen eine ganz besondere Vernissage.
Sepp Odermatt
Um 6.37 Uhr scheint die Sonne zur Sommersonnenwende durch den Einschnitt zwischen den zwei Bergkuppen des Stanserhorns auf die Pfarrkirche von Sarnen. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, 21. Juni 2018)

Um 6.37 Uhr scheint die Sonne zur Sommersonnenwende durch den Einschnitt zwischen den zwei Bergkuppen des Stanserhorns auf die Pfarrkirche von Sarnen. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, 21. Juni 2018)

Eigentlich hätte die Sonne schon um 06.32 Uhr exakt zwischen dem Grossen und Kleinen Stanserhorn aufgehen sollen. Die Natur wollte es am Donnerstag, 21. Juni, aber anders und schob eine kleine Wolke zwischen die beiden Bergspitzen. Umso eindrücklicher war die Stimmung, als die Sonne den ersten Ort im Tal, nämlich die Kirche von Sarnen, wenig später um 06.37 Uhr beschien. Akustisch untermalt wurde der Sonnenaufgang vom Musiker Jul Dillier. Er begleitete das Ereignis mit einem wohlklingenden «Gloggegsang».

Toni Durrer, Projektleiter, der Wanderausstellung «Kultorte und Kultlinien», begrüsste die grosse Anzahl Frühaufsteher und erklärte kurz den Werdegang dieser aufwändigen Ausstellung.

Abt Daniel Schönbächler aus Disentis wies in seinem Kurzreferat auf die Orientierungshilfen der Menschen hin. Viele Fixpunkte seien gegeben und würden eine Ordnung in unserem Tohuwabohu, also im Chaos, geben. Zudem sei die Zeit von der Sonne und dem Mond bestimmt. «Das war in der keltischen Zeit nicht anders. Man hatte schon damals wichtige Punkte, wie Kirchen und Kapellen nach der Sonne ausgerichtet und Verbindungslinien hergestellt», führte der Abt weiter aus.

Bildhauer Sigrist macht spannende Entdeckung

Und genau das hatte auch der Sarner Bildhauer Kurt Sigrist beobachtet. Am 21. Dezember 1984 entdeckte er am frühen Morgen auf der Fahrt von Kerns nach Sarnen ein ebenso eigenartiges wie mystisches Phänomen. Die Pfarrkirche von Sarnen erstrahlte bereits im Glanz der ersten Sonnenstrahlen, während das Dorf noch in der Dunkelheit versank. Sigrist stellte fest, dass dies genau am Tag der Wintersonnenwende geschah. Ein Zufall oder gar eine Verbindung zum keltischen Brauch?

Es gibt viele imaginäre Verbindungen

Zu dieser Zeit wurden bedeutsame Orte an den Wendepunkten des Jahres auf ebenso bedeutende Punkte am Horizont ausgerichtet. Der Sarner Künstler ging diesem Ereignis auf den Grund. Er entdeckte bei seinen über drei Jahrzehnte dauernden Nachforschungen verschiedene imaginäre, gerade Kultlinien. Diese erstrecken sich wie ein Netz quer durch Obwalden bis ins Berner Oberland, nach Luzern und in den Aargau. Die Kreuzung der Winter- und Sommersonnenwende bei der Kirche Sarnen gibt gemäss Sigrist weiter einen Hinweis darauf, dass es sich hier einen vorchristlichen Sonnenwendplatz handeln könnte.

Zur Sommersonnenwende, am 21. Juni, wurden diese faszinierenden Verbindungen zwischen Kirchen, Kapellen und markanten Bergspitzen erstmals visuell einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Von der Pfarrkirche Sarnen, der Mutterkirche im Kanton Obwalden, konnten die gut 100 Besucher am Donnerstag die Vernissage bei Sonnenaufgang miterleben.

Das Naturschauspiel zog viele Interessierte an. (Bild: Izedin Arnautovic, 21. Juni 2018)

Das Naturschauspiel zog viele Interessierte an. (Bild: Izedin Arnautovic, 21. Juni 2018)

Eine spannende Ausstellung erklärt die Kultlinien

Im Anschluss an die Feier wurde im Alten Beinhaus der Film «Wintersonnenwende 2004» von Jara Malevez gezeigt und die Interessierten durften das mobile Ausstellungs- und Informationsprojekt genauer betrachten. Die Recherchen und Hypothesen von Sigrist haben zwar keinen wissenschaftlichen Anspruch und sind laut dem Verein Kulturlandschaft Obwalden dennoch eindrücklich. In der Ausstellung können Interessierte die Erkenntnisse von Kurt Sigrist nachvollziehen. Bilder und Kartenausschnitte, die durch faszinierende Verbindungslinien von der Mystik geprägt sind, öffnen dem Besucher die Augen für erstaunliche Zusammenhänge.

Hinweis: Die Ausstellung im Alten Beinhaus ist noch bis zum 8. Juli zu bewundern. Danach «wandert» sie an weitere fünf Orte im Kanton. Weitere Informationen gibt es hier.

Ein wenig Geduld und dann zeigte sich die Sonne doch noch zwischen den Wolken. Zum Tag der Sommer-Sonnenwende trafen sich gestern viele Interessierte bei der Pfarrkirche in Sarnen. (Bilder: Izedin Arnautovic (21. Juni 2018))
Romantische Stimmung rund um die Pfarrkirche.
Besondere Morgenstimmung über dem Stanserhorn.
Und dann kam sie doch noch. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
4 Bilder

Warten auf den Sonnenaufgang

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