Leserbrief

Warum kommt es beim Hochwasserschutz im Sarneraatal zu Mehrkosten?

«Wir Steuerzahler werden es richten», Leserbrief, Ausgabe vom 15. Oktober

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Obiger Leserbrief lastet die Kostenüberschreitung von 29 Millionen Franken ausschliesslich dem Stollenbau an, was nur teilweise zutrifft. Gemäss Artikel in dieser Zeitung kosten allein die ökologischen Aufwertungsmassnahmen 7,7 Millionen mehr.

Die Leserbriefschreiberin fragt zu Recht nach den Grundlagen für die Stollenausschreibung. Ein wesentliches Element derselben ist der Baugrund (Geologie), welchen bekanntlich der Bauherr zur Verfügung stellt und entsprechend beschreibt. Dazu gehört unter anderem die Tiefe und Gesteinsart der Felsoberfläche. Und hier stimmte etwas nicht. Die Felsoberfläche lag nicht 7 Meter (wie in der Ausschreibung), sondern bis zu 25 Meter unter Terrain. In der Offerte musste der Unternehmer davon ausgehen, dass der Baugrubenabschluss bis etwas unter diese 7 Meter zu erstellen sei. Wegen des viel tiefer zutage getretenen Felsens musste anstelle einer Spundwand eine bis zu 25 Meter tiefe Bohrpfahlwand mit komplexer Verankerung und Massnahmen gegen Wassereintritte von der Sarneraa her gebaut werden. Die Tunnelbohrmaschine konnte nicht über eine Rampe eingebaut werden, sondern es bedingte teurere Kranarbeit. Wegen diesen Mehrleistungen verzögert sich der Bau um ein Jahr mit weiteren Mehrkosten.

Ich frage mich nun, warum in den Bohrungen nicht erkannt wurde, dass es sich bei der vermuteten Felsoberfläche um einen Block aus dem 2200 Jahre alten Bergsturz vom Stanserhorn handelte. Immerhin zeigen die geologischen Karten dort Bergsturzmaterial. Mit der viel zu hoch liegenden Felsoberfläche in der Ausschreibung musste die Offertsumme für die Baugrube des Auslaufbauwerks zu tief sein. Wenn nun jemand «danebenliegt» (wie Frau Mensching schreibt), dann dürfte es nicht die Marti AG sein. Auch der Bauherr geht richtigerweise von geologischen Problemen aus.

Ich hoffe, diese Zeilen tragen etwas zur Richtigstellung von falschen Anschuldigungen bei. Immer wieder fragen mich nämlich entrüstete Leute, wie es zu diesen Mehrkosten kommen konnte. Dabei möchte ich festhalten, dass ich in das Projekt und dessen Ausführung nicht involviert bin, aber dieses aus fachlichem Interesse eng verfolge.

Urs Dillier, dipl. Bauing. ETH/SIA, Sachseln