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Was steckt hinter dem Exodus in der Gemeinde Lungern?

«Differenzen», «mangelndes Vertrauen» und ein halbes Dutzend Kündigungen und Rücktritte innert weniger Wochen: In Lungern hängt der Haussegen schief. Grund ist offenbar die Arbeitsteilung zwischen Verwaltung und Gemeinderat.
Franziska Herger
Hier war die Welt noch in Ordnung: (Inzwischen alt) Gemeinderat Franco Castelanelli (links) und Gemeindeschreiber Adrian Truttmann am Tag der offenen Tür im neuen Gemeindehaus. (Bild: Birgit Scheidegger, Lungern, 9. September 2018)

Hier war die Welt noch in Ordnung: (Inzwischen alt) Gemeinderat Franco Castelanelli (links) und Gemeindeschreiber Adrian Truttmann am Tag der offenen Tür im neuen Gemeindehaus. (Bild: Birgit Scheidegger, Lungern, 9. September 2018)

Lungerns Gemeindepräsident Albert Amgarten ist per sofort zurückgetreten. Diese Nachricht von Ende letzter Woche ist nur die neuste in einer Reihe ähnlicher Mitteilungen aus der kleinsten Gemeinde Obwaldens. Erst Anfang April trat Gemeinderat und Finanzchef Franco Castelanelli (CVP) nach fünf Jahren im Amt per sofort zurück. Wenige Tage später kündigte Gemeindeschreiber und Geschäftsführer Adrian Truttmann nach sechs Jahren per Ende Juli. Beide «aus persönlichen Gründen», wie die Gemeinde jeweils schrieb.

Mit ihrem Chef ging auch die stellvertretende Gemeindeschreiberin. Vor zwei Wochen dann kündigte Schulleiterin Annelise Zimmermann auf Ende dieses Schuljahres, auch sie laut Gemeinde aus persönlichen Gründen. Auf Anfrage sagt sie, Überlegungen zur Situation in der Verwaltung hätten einen Einfluss auf ihren Entscheid gehabt. Auch im Sozialdienst und im Fachbereich Bau, Infrastruktur und Werke müssen zwei Stellen wieder besetzt werden.

Und nun der Gemeindepräsident, 2016 in den Gemeinderat gewählt und erst seit einem Jahr an der Spitze der Gemeinde. Was ist eigentlich los in Lungern? Laut Medienmitteilung nennt Albert Amgarten als Gründe für seinen Rücktritt «unterschiedliche Auffassungen bei der strategischen Arbeit und mangelndes Vertrauen des Rates». Konkretisieren will der scheidende Gemeindepräsident (parteilos) dies auf Anfrage nicht.

Der Haken liegt beim Geschäftsführermodell

«Der Rücktritt hat uns überrascht», ist alles, was Gemeindevizepräsident Martin Gasser (FDP) sagt. «Aufgrund des Kollegialprinzips vertritt ein Gemeinderat Entscheide nach aussen als Einheit. Deshalb kommunizieren wir unterschiedliche Auffassungen im Gremium nicht. Wir sind an das Amtsgeheimnis gebunden.»

Eines zumindest ist klar: Der Haken scheint beim vor zwei Jahren eingeführten Geschäftsführermodell zu liegen, wonach der Gemeinderat nur noch strategisch tätig ist und die Verwaltung das operative Tagesgeschäft übernimmt. «Die Umsetzung dieser für Lungern neuen Form bezüglich Führung der Gemeinde führte vermehrt zu Differenzen», schreibt die Gemeinde. Martin Gasser redet von «unterschiedlichen Auffassungen, die bei der Einführung eines neuen Systems vorkommen können». Es gehe um Abgrenzungen strategischer und operativer Aufgaben und um den Informationsfluss. Nach Informationen, die unserer Zeitung vorliegen, herrschen im Gemeinderat unterschiedliche Meinungen darüber, was genau strategisch ist und was operativ. Teile des Gemeinderats hätten Mühe, eigentlich rein operative Aufgaben abzugeben.

«Verbesserungspotenzial» bei der Personalführung

Doch auch in der Verwaltung selber läuft nicht alles wunschgemäss. Martin Gasser verweist auf eine unabhängige Analyse der Verwaltung, die der Gemeinderat bereits Anfang Februar in Auftrag gegeben habe. Mehrere Wechsel im Sozialdienst und im Fachbereich Bau, Infrastruktur und Werke in den letzten Jahren hätten die Aufmerksamkeit des Gemeinderats geweckt. Das Resultat: «In Bezug auf das Organigramm und die Personalführung gibt es Verbesserungspotenzial», sagt Martin Gasser. Es komme vor, dass eine Stelle zu viele Bereiche abdecken müsse, was auch damit zu tun habe, dass Lungern eine kleine Gemeinde sei. Ob die Führungsprobleme struktureller oder persönlicher Natur seien, dazu gebe der Gemeinderat keine Auskunft. «Wir wollen nach vorne schauen.»

Das heisst konkret, Prioritäten setzen. Am wichtigsten sei die Sicherstellung des Tagesgeschäfts mit interimistischen Lösungen, womit man auf gutem Weg sei, sagt Gasser. Auch die Vorbereitung der Gemeindeversammlung vom 23. Mai habe Priorität. Dann werde die Stelle des Geschäftsführers ausgeschrieben. Wann Neuwahlen anstehen, werde jetzt mit den Parteien diskutiert. «Denn diese müssen die Kandidaten aufstellen», so der Gemeindevizepräsident. Die Stimmung im noch fünfköpfigen Gemeinderat sei «optimistisch», so Gasser. «Es ist unser Bestreben, dass Lungern wieder zur Ruhe kommt.»

Am Geschäftsführermodell, das etwa auch Engelberg oder Sarnen kennen, will die Gemeinde trotz der Schwierigkeiten festhalten. «Es ist wichtig, den Gemeinderat vom Tagesgeschäft zu entlasten», meint Martin Gasser. «Es wird zur Zeit nicht in Frage gestellt.»

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