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Kolumne

Wenn der Berg ruft ...

Kolumnistin Anna Burch schreibt in ihrem «Ich meinti» über den Schweizer Volkssport Nummer 1 und fragt sich, ob Wandern das moderne Yoga ist.
Anna Burch

Die Schweiz ist eine Nation von Wandervögeln. Neben Hornussen, Schwingen und Burditragen gibt es kaum etwas Schweizerischeres als den Wandersport. So erschliessen rund 65000 Kilometer einheitlich signalisierte und gepflegte Wanderwege Berg und Tal. Und kaum haben die letzten Schneefelder dem Alpenfrühling den Weg geräumt, da ruft der Berg und lockt rund 2,7 Millionen Schweizer Wanderinnen und Wanderer in die Höhe.

Der Volkssport Nummer eins stellt jedoch weit mehr als nur eine sportliche Konditionsübung dar, vielmehr ist es eine Tradition, welche landesweit mit gewissen Ritualen zelebriert wird: das Sackmesser, die Thermosflasche mit warmem Tee und die Cervelat gehören dabei genauso dazu, wie die Signatur ins Gipfelbuch. Ein Ovosport hilft aus, falls unterwegs mal die Energie ausgehen sollte und Flora wie Fauna werden mit dem Feldstecher beziehungsweise dem Pflanzenbestimmungsbuch genauer unter die Lupe genommen.

Anna Burch (Bild: PD)

Anna Burch (Bild: PD)

Die Wanderlust wird somit den Schweizerinnen und Schweizern bereits mit in die Wiege gelegt. Und trotzdem gab es für mich und meine Geschwister als Kind nichts Langweiligeres als die sonntägigen Familienwanderungen, welche sich so schrecklich in die Länge zogen. Mit Wanderliedern und erfundenen Kindergeschichten versuchten uns die Eltern zum Laufen zu animieren. Die motivierenden Zusprüche «es isch nümme wyt» nahmen wir jedoch bald schon nicht mehr allzu wörtlich, denn es ging dann meist trotzdem doch länger als vermutet.

War dem Wandern lange ein unauffälliges Dasein beschert, feiert es unlängst ein glanzvolles Comeback. So hat sich der Anteil an Wanderern in den letzten zehn Jahren um rund zehn Prozent erhöht, wobei die Zunahme besonders auf die jungen Leute unter 30 Jahren zurückzuführen ist. Wandern – oder «hiking» – wie es sich auf englisch, adaptiert an den Jugendjargon, ein weniger sexier anhört – ist im Trend und wird besonders über die sozialen Netzwerke gefeiert. So werden auf Facebook und Instagram Gipfelbilder und Bergpanoramen wettgepostet und die Schönheit der Schweizer Natur perfekt in Szene gesetzt. Das Image des Urschweizer Volkssports wurde aufgewertet, Wandern scheint schlichtweg wieder cool zu sein.

Doch wie konnte es dazu kommen? Vielleicht ist es die Kombination von naturnaher, sportlicher Betätigung, für welche man zeitgleich noch mit einem atemberaubenden Alpenpanorama belohnt wird. Vielleicht bietet der Wandersport der Jugend jedoch auch das, was in der heutigen Welt am rarsten ist: Ruhe, Zeitlosigkeit und Achtsamkeit in der Geborgenheit der Alpenkette.

Ist Wandern somit das neue Yoga? Studien bestätigen dies, denn Wandern hält nicht nur ein meditatives Moment inne, sondern sorgt durch gesundheitsfördernde und stressreduzierende Nebenwirkungen auch für einen niedrigeren Blutdruck sowie ein besseres Immunsystem. So profitieren Körper und Seele vom Ausflug in die Alpen. Und vielleicht bietet es der jungen Generation zu Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung, wo alles möglich ist und die Welt zu einem Dorf geworden ist, auch ein Rückzug in die heimelige Natur – zurück zu den Wurzeln – auf der Suche nach regionaler Identität.

So oder so, die Schweizer Jugend, und da schliesse ich mich mit ein, hat schlichtweg das zu schätzen gelernt, was gratis vor der eigenen Haustür zur Verfügung steht: ein atemberaubendes Alpenpanorama, welches mit ein wenig Schweiss und Kondition zu körperlichem, geistigen, seelischem und nicht zuletzt ästhetischem Wohlbefinden führt.

Anna Burch aus Sarnen, Studentin der internationalen Beziehungen an der Uni St. Gallen, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

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