Wenn der Nebel nebensächlich ist

Es gibt viel Wichtigeres als das Wetter. Das hat mir mein
7-jähriges Gottemeitschi kürzlich bei einem Ausflug auf die Melchseefrutt erklärt. 

Yasmin Kunz und Lya Bühlmann
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Es muss gar nicht immer sonnig sein. Ausflüge, wie hier zum Melchsee, sind auch bei Nebel ein Erlebnis. (Bild: Yasmin Kunz, 15. September 2018)

Es muss gar nicht immer sonnig sein. Ausflüge, wie hier zum Melchsee, sind auch bei Nebel ein Erlebnis. (Bild: Yasmin Kunz, 15. September 2018)

«Juhu! Schreiben!», jubelte mein Patenkind. Lya, bald acht Jahre alt, schreibt fürs Leben gern. Seit sie das kann, liegt fast wöchentlich Post von ihr in meinem Briefkasten. Sie besucht nun die zweite Primarklasse. Schreiben ist ihr Lieblingsfach, wie sie sagt. «Mathe kann ich auch. Schreiben finde ich aber cooler», antwortet sie jeweils auf die Standard-Frage, was sie in der Schule besonders gern mag.

Als ich ihr von meiner Bergseen-Wanderungsserie für diese Zeitung erzählte, war sie also sofort begeistert. Allerdings eher in Bezug aufs Schreiben, weniger aufs Wandern. Ich bot ihr nämlich an, mir beim Verfassen des Berichts zu helfen. «Ich bin eben sozusagen eine kleine Schriftstellerin», hält sie stolz fest. «So, so, bist du das?», frage ich zurück. «Ja, ich habe schon meine erste Geschichte geschrieben. Sie handelt von einem Bär und einem Tiger.» Aha, denke ich, da ist offenbar Potenzial vorhanden. Sie betont denn auch: «Wenn ich dir helfe, will ich, dass mein Name in der Zeitung steht, so wie deiner in der Zeitung steht.»

Wir beschlossen einige Tage vor dem Ausflug, dass wir den Melchsee erkunden würden. Die Wetterprognosen waren nicht sonderlich gut. Wir gingen trotzdem. Versprechen muss man halten. Und Kindern ist das Wetter sowieso egal. Wobei: Oben angekommen, stellte auch Lya fest, dass unten noch die Sonne geschienen hat und oben nun alles im Nebel lag. Was für sie lediglich eine Feststellung war, war für mich eine Enttäuschung, wenn nicht sogar ein kleiner Frust – was ich offensichtlich mehr als einmal auch klar und deutlich gesagt habe.

Denn auf der Heimfahrt frage ich Lya: «Und, was wollen wir über unseren Ausflug auf der Melchseefrutt schreiben?» Die Zweitklässlerin muss nicht lange überlegen: «Dass man klettern kann, dass der Spielplatz toll ist und dass wir sogar einen kleinen Frosch und einen riesigen Pilz gesehen haben.» Ich bestätige. Ein paar Minuten später lacht sie und sagt: «Und Du, Gotti, willst ja vielleicht noch einmal sagen, dass es viel Nebel hatte.»