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Bogenschützen-Meisterschaft: Wenn Kunststoff-Hirsche ins Visier geraten

An diesem Wochenende wird ob Giswil die Schweizer Meisterschaft im 3D-Bogenschiessen ausgetragen. Dazu sind 300 Teilnehmer aus der ganzen Schweiz angereist: Zwar wird scharf geschossen, allerdings nur auf Plastiktiere.
Raphael Zemp
Unblutige Jagd: Beim 3D-Bogenschiessen geht es um die Zielgenauigkeit, nicht die Trophäe. (Bild: Philipp Schmidli (Mörlialp, 29. September 2018)

Unblutige Jagd: Beim 3D-Bogenschiessen geht es um die Zielgenauigkeit, nicht die Trophäe. (Bild: Philipp Schmidli (Mörlialp, 29. September 2018)

Es riecht nach feuchtem Laub und Erde. In der Ferne dröhnt dumpf ein Flugzeug, dann kreischt ein einsamer Milan – ansonst aber herrscht Ruhe im Wald auf der Mörlialp ob Giswil. Derweil umfasst Ruedi Zangger einhändig seinen Holzbogen, während er mit der anderen einen Pfeil aus dem Köcher fischt. Diesen spannt er geschickt auf die Sehne, streckt anschliessend den Bogen von sich, ohne dabei sein Ziel aus den Augen zu lassen. Fortwährend bläst er dabei Atemwölkchen in die kalte Herbstluft.

Dann, scheinbar plötzlich, zieht er das Pfeilende in einer flüssigen Bewegung an seine Mundecke – nur um es im Moment der grössten Bogendehnung loszulassen. Die Sehne surrt, das Holz federt; mit einer Geschwindigkeit von über 50 Metern pro Sekunde zischt der Pfeil davon. Zangger landet einen Volltreffer!

Geschossen wird auf Plastikwild

Oder zumindest fast. Die übrigen fünf Bogenschützen der Gruppe haben ihre Pfeile ebenfalls abgeschossen, man hat sich in einem Reigen um die Jagdtrophäe versammelt: ein Damhirsch. Aus Schaumstoff. Dieser ist der lebendigen Version in Grösse und Farbe nachempfunden, aus dessen Flanke etliche bunt befederte Pfeile ragen. «Der ist nicht im Kill gelandet», konstatiert einer und meint damit die kleine Zielscheibe, die dort eingekerbt ist, wo das Hirschherz sonst schlagen würde.

Den 63-jährigen Oltner scheint das wenig zu stören. «Nun ja, immerhin 16 von maximal 20 Punkten», brummt Zangger zufrieden vor sich hin – bevor er und sein Trüppchen auch schon wieder von dannen stapfen, zum nächsten Schaumstoff-Wildtier. Zwischen feuchten Baumstämmen hindurch, über glitschige Wurzeln und matschigen Waldboden, vorbei an tellergrossen Pilzen – bis schliesslich der Nebel auch den letzten Faserpulli, den letzten Lederhut verschluckt hat.

Was an diesem Samstagmittag auf über 1300 Metern vor sich geht, mag Aussenstehende irritieren. Für Markus Helfen­stein hingegen sind diese Szenen pure Genugtuung, der Lohn für unzählige Stunden Freiwilligenarbeit. Denn der 43-jährige Sarner ist nicht nur Kassier des Obwaldner Bogenschützenvereins, sondern auch Mitglied des zehnköpfigen OK, das die diesjährige Schweizer Meisterschaft im 3D-Bogenschiessen durchführt, zum ersten Mal überhaupt auf der Mörlialp. Während zweier Tagen messen sich hier rund 300 Bogenschützen aus der ganzen Schweiz. Das Besondere am 3D-Bogenschiessen: «Geschossen wird nicht etwa auf dem ebenen Feld, sondern im teils unweg­samen Gelände», erklärt Organisator Helfenstein. Und was augenfällig ist: Statt in Zielscheiben müssen sich die Pfeile in Plastiktiere einbohren. Eulen und Igel, Bären und Hirsche: 56 Wildtiere aus Plastik gilt es zu «erlegen», verteilt auf zwei Parcours.

«Dabei leiden die Tiere», sagt Helfenstein, «gerade wenn wie heute wegen des starken Nebels von so kurzer Distanz geschossen wird. Während man bei grösseren Tieren einzelne Partien austauschen kann, sind einige kleinere Tiere nach dem Wettkampf wohl hinüber», sagt Helfenstein. Und das könne ins Geld gehen, denn Wildattrappen kosten je nach Grösse bis zu 1000 Franken.

Ums Geld geht es derweil auch bei Zanggers Bogenschiess-Gruppe, die inzwischen trotz dichter Nebelwaben den «Posten Gummieule» erreicht hat. Um die 600 Franken müsse man für einen neuen Bogen schon in die Hand nehmen, meint eine ältere Dame und erntet damit einige Kopfnicker. «Und wer will, kann ohne weiteres Tausende von Franken dafür ausgeben», fügt ein anderer Herr hinzu. Ein Limit gegen oben gebe es nicht.

Bögen: Von rustikal bis hightech

Das gilt besonders für die High-Tech-Geräte, die sogenannten Compoundbögen. Gefertigt aus modernsten Materialien und ausgestattet mit Zugrollen und Zielvisier, ruhen sie auf etlichen Schützenschultern, erlegten Rehen gleich. Daneben gibt es aber auch noch Recurvebögen, deren nach oben gebogene Enden Kinderski ähneln. Und dann gibt es noch jene Geräte, die am ehesten dem gleichen, was man einst mit ungeschickten Kinderhänden aus Haselästen und Schnur gewerkelt hat: die klassischen Holzbögen.

So breit die Palette an Bögen an diesem Samstag, so durchmischt ist auch das Teilnehmerfeld, das von der achtjährigen Primarschülerin in knallpink Plüschjacke bis zum 80-jährigen Grossäti reicht, der den Filzhut tief ins Gesicht geschoben hat und unablässig am «Krummen» nuckelt. So unterschiedlich die rund 300 Teilnehmer auch sind, sie alle eint eines: die Freude am Bogenschiessen in der freien Natur.

Darin ist sich auch die Gruppe um Ruedi Zangger einig. Das Schiessen lüfte den Kopf, sei ein guter Ausgleich zum Job, meint jemand. Es habe ihn sogar vor einem Burn-out bewahrt, glaubt ein anderer. Mit der Lust am Töten habe dies alles rein gar nichts zu tun – trotz Tierzielen. So sieht das auch der Lüftungstechniker Zangger: «Laufen, Konzentrieren, Schiessen: 3D-Bogenschiessen ist viel mehr wie Golf.»

Urs Bürli, Hansruedi Schorno, Alice Zimmermann und Vreni Kunz (von links) schauen sich die Treffer an. (Bild: Philipp Schmidli (Mörlialp, 29. September 2018))
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Ruedi Zangger und Alice Zimmermann zielen. (Bild: Philipp Schmidli (Mörlialp, 29. September 2018))
(Bild: Philipp Schmidli (Mörlialp, 29. September 2018))
(Bild: Philipp Schmidli (Mörlialp, 29. September 2018))
Er notiert sich die Treffer. (Bild: Philipp Schmidli (Mörlialp, 29. September 2018))
Getroffen! (Bild: Philipp Schmidli (Mörlialp, 29. September 2018))
(Bild: Philipp Schmidli (Mörlialp, 29. September 2018))
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(Bild: Philipp Schmidli (Mörlialp, 29. September 2018))
(Bild: Philipp Schmidli (Mörlialp, 29. September 2018))
(Bild: Philipp Schmidli (Mörlialp, 29. September 2018))
(Bild: Philipp Schmidli (Mörlialp, 29. September 2018))
(Bild: Philipp Schmidli (Mörlialp, 29. September 2018))
27 Bilder

3D-Schweizermeisterschaft der Bogenschützen auf der Mörlialp

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