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Wer kann die Postautolinie von Giswil nach Sörenberg finanzieren?

Der Verein Bus Alpin hilft bei der Geldgeber-Suche für Linien wie Giswil-Sörenberg. Doch zuerst werden Alternativen geprüft.
Franziska Herger und Markus von Rotz
Mit diesem Bus geht’s innert 40 Minuten von Meiringen Grimseltor auf die Engstlenalp. (Bild: Markus von Rotz, Engstlenalp, 18. August 2019)

Mit diesem Bus geht’s innert 40 Minuten von Meiringen Grimseltor auf die Engstlenalp. (Bild: Markus von Rotz, Engstlenalp, 18. August 2019)

Wäre der Bus nicht rot, sondern gelb, würde man ein normales Postauto sehen: Der Chauffeur trägt die gleiche Kleidung wie die Kollegen, die auf demselben Parkplatz mit gelben Postautos losfahren. Sein Namensschild ist mit Postauto angeschrieben, auch das Dreiklanghorn, das vor Kurven andere Verkehrsteilnehmer warnt, tönt genau gleich. Doch der rote Bus ist kein Postauto, sondern der Engstlenalpbus, der von der Haltestelle Meiringen Grimseltor zur Engstlenalp auf 1800 Höhenmeter hinauffährt. An diesem Sonntag um elf Uhr fahren fünf Passagiere mit. In knapp 40 Minuten erreichen sie das Ziel.

Der Engstlenalpbus war bis 2017 ein ganz normales Postauto. Heute betreibt ihn die Bergbahnen Meiringen-Hasliberg AG, welche die Konzession von Postauto übernommen hat, zusammen mit der Postauto AG, die das Angebot weiterhin im Auftrag fährt – daher der einem Postauto so ähnliche Bus. Dies in Partnerschaft mit Bus Alpin, dem Verein für die ÖV-Erschliessung touristischer Ausflugsziele im Schweizer Berggebiet. Denn da die defizitäre Linie als touristisches Angebot nicht von öffentlichen Abgeltungen profitieren kann, war der Betrieb gefährdet.

Im vergangenen Jahr 8125 Fahrgäste befördert

Die gleiche Ausgangslage also wie bei der Sommer-Postautolinie von Giswil über die Mörlialp nach Sörenberg, die ab Oktober eingestellt werden soll (wir berichteten). Daran müsste sich der Kanton Obwalden nächstes Jahr mit 100 000 Franken beteiligen, da die Einnahmen nur 10 Prozent der Ausgaben decken. Das will er aus Spargründen aber nicht.

Wäre das Modell von Bus Alpin da eine Alternative? Der Verein setzt sich aus den 16 Mitgliedsregionen (neben der Engstlenalp etwa auch die Region Huttwil) und den nationalen Trägerorganisationen (unter anderen Postauto, VCS und der Schweizer Alpen-Club SAC) zusammen und finanziert sich über Mitgliederbeiträge. Finanzielle Unterstützung ist bei der Zusammenarbeit zwar nicht vorgesehen, wie Geschäftsleiter Samuel Bernhard auf Anfrage sagt. «Aber wir helfen bei der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten, bei der Angebotsentwicklung und bei der Vermarktung.»

Er könne die Partnerschaft mit Bus Alpin empfehlen, sagt Simon Schmid, Leiter Marketing und Verkauf bei den Bergbahnen Meiringen-Hasliberg. «Der Verein hat viel Erfahrung darin, eine touristische Linie wieder auf eine schwarze Null zu bringen.»

Der Engstlenalpbus fährt, wie das Postauto von Giswil nach Sörenberg, nur im Sommer bis Oktober. Am Wochenende fährt er sechsmal täglich, unter der Woche viermal, mit zwei zusätzlichen Kursen, die ab 5 Personen auf Voranmeldung verkehren. So transportierte er im vergangenen Jahr 8125 Fahrgäste (Giswil-Sörenberg: 7441 Personen). Durch das Rufbus-System und die veränderte Tarifstruktur (die Retourfahrt auf der Gesamtstrecke kostet 33, einfach 22 Franken, GA und Halbtax werden nicht mehr akzeptiert) habe man das Defizit massiv verringern können, sagt Simon Schmid.

«Finanzielle Beteiligung steht nicht zur Diskussion»

Bus Alpin ist Beat von Wyl ein Begriff. «Grundsätzlich ist jede Option überprüfenswert, obwohl andere Träger an den Kosten nichts ändern», hält der Gemeindepräsident von Giswil fest. Man sei im Gespräch mit dem Kanton und Postauto, um allenfalls eine Lösung zu finden.

Die Postautolinie alleine aufrecht zu erhalten, könne sich Giswil nicht leisten. «Entscheidend ist daher, ob der Kanton Obwalden einen Teil der Kosten übernimmt.» Im Moment sehe es nicht danach aus, sagt Beat von Wyl. «Das ist sehr unglücklich, schliesslich will der Kanton ja, dass Giswil sich in Sachen sanftem Tourismus weiterentwickelt. Ohne eine attraktive Postautoverbindung ist dies nicht vorstellbar.»

Und auch von anderer Seite kann nicht auf grosse Unterstützung gehofft werden: «Eine finanzielle Beteiligung an der Postautolinie steht nicht zur Diskussion», sagt Sabine Wermelinger, Gemeindepräsidentin von Flühli mit dem Ortsteil Sörenberg. Die Zusammenarbeit mit Bus Alpin prüfe die Gemeinde im Moment nicht.

Betrieb am Wochenende wird diskutiert

Auch beim Kanton will man zunächst mit den bekannten Beteiligten eine Lösung suchen. «Eine Zusammenarbeit mit Bus Alpin steht zur Zeit so noch nicht zur Debatte», sagt Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler. Dagegen diskutiere man etwa, die Linie nur an den Wochenenden und in den Schulferien zu betreiben. Weiter stehe auch eine Aufrechterhaltung von Giswil auf die Mörlialp oder von Giswil bis Glaubenbielen zur Debatte.

Die Bereitschaft für eine Beteiligung des Kantons bestehe, sagt Wyler. «Wie hoch sie jedoch ausfällt, ist abhängig vom Angebot und davon, wer sich noch an den Kosten beteiligt. Sehen wir, dass die Linie nicht im Interesse des Kantons finanzierbar ist, wäre die Zusammenarbeit mit Bus Alpin allenfalls eine Alternative.»

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