Leserbrief

«Wer kennt ihn nicht, den ‹Chreiselpuur› in Alpnach?»

Leserbrief zu einem Bauprojekt.

Theres Portmann, Alpnach Dorf
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Dieser Stall am Kreisel beim Coop soll einer Überbauung weichen.

Dieser Stall am Kreisel beim Coop soll einer Überbauung weichen.

Bild: Markus von Rotz (Alpnach, 4. Dezember 2019)

Himmel, es ist ausgesteckt! So durchfuhr es mich, als ich neulich im Kreisel fuhr. Wer kennt ihn nicht, den «Chreiselpuur» (samt seiner Frau natürlich)? Sie sind die Verursacher des gelegentlichen Multikulti-Generationen-Stelldicheins mitten in unserem über 6000-köpfigen Dorf.

Wer hat da noch keinen Schwatz gehalten? Wer hat sich nicht schon über die frisch geborenen Lämmer gefreut? Wer hat nicht schon sein hart gewordenes Brot in das blaue Fass gekippt und fühlte sich dann erleichtert? Wer hat sich da nicht auch schon in Geduld geübt, wenn das Kind unbedingt auf dem Mäuerchen laufen wollte (das pure Glück!)? Wem tat nicht schon das Bimmeln der Glöcklein gut?

Der Stall ist einzigartig (zugegeben: der Geruch des Miststocks auch ab und zu). Er steht nicht unter Denkmalschutz. Wer ihn noch nie genauer angeschaut hat, kann dies noch eine Weile tun. Er zeugt von alter Handwerkskunst. Und all diese liebevollen Details «nur» für einen Stall. Das einst dazugehörige herrschaftliche Stockmann-Haus ist längst unserem Verkehr gewichen.

Mit Herzblut sind die Limachers hier täglich anzutreffen. Sie betreiben hier Landwirtschaft, nicht nur für sich, sondern für alle. Der Fleck mit den einheimischen Bäumen und Sträuchern und den darunter ruhenden Schafen ist so etwas wie ein kleiner Park, reich zu jeder Jahreszeit.

Pius Limacher hat mich neulich aufgefordert, in den Stall hineinzukommen. Zu meinem Erstaunen war es da drin richtig wohnlich. Er hat mir erzählt, wie er als Pächter einiges in den Ausbau gesteckt hat. Wahrhaftig, hier fänden Maria und Josef auf der Suche nach einer Herberge eine schöne Bleibe. Es fehlten zwar Ochs und Eselein, doch würden ihnen die gepflegten Schafe sicher etwas Platz lassen.

Mein Weihnachtswunsch für die Schäfer: Mögen sie eine neue Bleibe für ihre Tiere finden. Mein Weihnachtswunsch für die Landbesitzer: Möge das ausgesteckte Haus ein gelungenes Projekt werden. Verdichtetes Bauen ist angesagt. Folglich wird diese Lücke gefüllt. Auch wenn es weh tut. Hier wird es ein einziges mehrgeschossiges Gebäude geben. Darum herum wird reichlich Platz sein, Platz für Gartengestaltung. Da lasse ich mich gerne überraschen.

Theres Portmann, Alpnach Dorf