Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Wie sieht Obwalden in 30 Jahren aus?

Wie kann das Sarneraatal weiterentwickelt werden und dabei trotzdem seine Attraktivität bewahren? Gemeinsam begaben sich Obwaldner Politiker und Raumplaner am Freitagabend in einem Podium auf Spurensuche.
Marion Wannemacher
Die Podiumsteilnehmer (v.l.): Beat von Wyl (Gemeindepräsident Giswil), Regierungsrat Josef Hess, Moderatorin Karin Salm, Thomas Kappeler (Bundesamt für Raumplanung), Jürg Berlinger (Gemeindepräsident Sarnen) und Angelus Eisinger (Direktor Regionalplanung Zürich). (Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 10. Mai 2019))

Die Podiumsteilnehmer (v.l.): Beat von Wyl (Gemeindepräsident Giswil), Regierungsrat Josef Hess, Moderatorin Karin Salm, Thomas Kappeler (Bundesamt für Raumplanung), Jürg Berlinger (Gemeindepräsident Sarnen) und Angelus Eisinger (Direktor Regionalplanung Zürich). (Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 10. Mai 2019))

Wollte man das Wort des Abends küren, käme man ohne weiteres auf «Herausforderung». Und das mit Grund. Haben sich doch der Verein Kulturlandschaft Obwalden, die IG Baukultur Obwalden, die Hochschule Luzern und das Historische Museum Obwalden gemeinsam ein Mammutprojekt zum Ziel gesetzt. Arbeitstitel: «Vision Sarneraatal 2050».

Was macht die Identität der Kulturlandschaft Obwaldens aus? Wie kann sich der Kanton bis 2050 trotz des prognostizierten Bevölkerungswachstums schonend weiterentwickeln, ohne an landschaftlicher Schönheit und Attraktivität einzubüssen? Karl Vogler, Präsident des Vereins Kulturlandschaft, legte in seiner Begrüssung zum Podium im voll besetzten Metzgern-Saal in Sarnen den Finger auf den wunden Punkt: «Die Gestaltung unseres künftigen Lebensraums Sarneraatal in den nächsten paar Jahrzehnten bei immer grösser werdenden Nutzungsansprüchen, die sich oftmals diametral gegenüberstehen, ist eine gewaltige Herausforderung.» Es gelte zu verhindern, «dass wir von Alpnach bis Giswil einen Siedlungsteppich mit Bauten haben, die beliebig und austauschbar sind, die genauso am Bodensee oder in einem Vorort von Genf stehen könnten».

«Wachstum von 15 Personen pro Gemeinde und Jahr»

In seiner Einführung betonte Architekt Eugen Imhof von der IG Baukultur, das Sarneraatal mache als facettenreiche, gewachsene Kulturlandschaft mit Streusiedlungen, Weilern und Dörfern die Identität des Kantons Obwalden aus. Es sei wichtig, diese charakteristischen Eigenschaften und die Kulturlandschaften als Ganzes zu erhalten. Vor allem die Übergänge von bewohnten zu unbewohnten Gebieten müssten sorgfältig im Auge behalten werden, um den Identitätscharakter nicht zu verlieren.

Imhof konfrontierte Besucher und Podiumsteilnehmer mit krassen Thesen. Er sprach sich dafür aus, das vom Bundesamt für Statistik prognostizierte Wachstum von 5500 Einwohnern bis 2050, was einer Zunahme von 15 Prozent entspricht, auf 2300 Personen zu begrenzen. «Das ist ein Wachstum von 15 Personen pro Gemeinde und Jahr.» Mit den Auswirkungen des Wachstums auf die Streusiedlungen befasst sich die Hochschule Luzern – Technik und Architektur in einem Forschungsprojekt. Im Herbst werden die Ergebnisse vorliegen.

Der Frage der Identität spürte auch die Podiumsrunde unter der pointierten Leitung der Kulturjournalistin Karin Salm weiter nach. Beat von Wyl, Gemeindepräsident von Giswil, legte sein Augenmerk auf die Frage, wie es zu den Kulturlandschaften gekommen sei. Um 1900 sei rein aus der Notwendigkeit entstanden, was wir heute als heimelig empfinden würden. «Erst in den vergangenen Jahrzehnten konnten wir dazu übergehen, Landschaften zu gestalten.»

Weiterentwicklung für die Grossteiler Ebene

Zur Umsetzung der Vision sagte von Wyl nach der Veranstaltung: «Das Wichtigste ist, dass wir für die Grossteiler Ebene Spielraum für eine zeitgemässe Weiterentwicklung haben.» Das Interesse sei gross, zeitgemässe Ansätze zu finden, damit man sich auch in 30 Jahren in der Landschaft wohlfühle.

Als Fazit der Diskussion hob auch Jürg Berlinger, Gemeindepräsident von Sarnen, hervor, dass ihm der Austausch mit der Bevölkerung über die Entwicklung des Kulturraums wichtig sei. «Wie findet diese statt? Bei der Erarbeitung künftiger Richtpläne können wir Verdichtungsgebiete und freie Flächen, die man überbauen möchte, nachhaltig entwickeln.» Denn nach der Vision könnten bis 2050 im Gebiet Sarnen Nord 3500 Einwohner angesiedelt werden. Regierungsrat Hess erzählte, dass man in China einfach rigoros ganze Quartiere abreisse und höher wieder aufbaue. Dies sei keine Option für Obwalden, darin war man sich einig.

Auf die Frage aus dem Publikum, wie verdichtetes Bauen definiert werden müsse, erklärte Angelus Eisinger, Direktor der Regionalplanung Zürich (RZU), dass die Dichte des Gebiets Sarnen Nord idealerweise der des Dorfkerns Sarnen entsprechen könnte. Auch die landschaftlichen Reize Obwaldens an Steillagen kamen zur Sprache. Eisinger mass der Berglandwirtschaft eine bedeutende Rolle für den Erhalt der Kulturlandschaft bei. Im Tessin könne man sehen, was bereits nach einigen Jahre passiere, wenn sich Bauern aus der Bewirtschaftung zurückzögen.

Das Thema «Bauen ausserhalb der Bauzone» sprach Thomas Kappeler an, der von 2009 bis 2012 das Amt für Raumentwicklung und Verkehr beim Kanton geleitet hatte. Er verglich Obwalden mit Appenzell Innerrhoden. Beide Kantone haben schweizweit die meisten Wohnungen ausserhalb der Bauzone, in Obwalden liege der Anteil bei einem Viertel. Kappeler empfahl das baukulturelle Leitbild des Kantons Appenzell Innerrhoden, das 2015 zur Landschaft des Jahres erkoren worden war. Es gehe nicht darum, sich Appenzell als Vorbild zu nehmen, aber zu sehen, wie dort Kanton mit dem Thema umgegangen worden sei.

Dem Obwaldner Baudirektor Josef Hess wäre es für die Entwicklung des Richtplans am liebsten gewesen, wenn die Diskussion fünf Jahre früher angefangen hätte. Im Richtplan würden nun einige generelle Aspekte festgehalten, zählte er auf: «Innere Verdichtung oder Entwicklung von Streusiedlungen. Von den Dis­kussionen und Projekten können wir jedoch sehr viel übernehmen.»

Weitere Veranstaltungen finden Sie online

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.