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Herausforderung Nachhaltigkeit: Wie viel ist genug?

Unsere Kolumnistin Anna Burch äusserst sich über die drei Säulen der Nachhaltigkeit. Die dritte und wichtigste dieser Säulen gehe allzu oft vergessen, so Burch.
Anna Burch
Anna Burch aus Sarnen, Studentin der internationalen Beziehungen an der Uni St. Gallen.

Anna Burch aus Sarnen, Studentin der internationalen Beziehungen an der Uni St. Gallen.

Nachhaltigkeit ist in aller Munde und boomt wie nie zuvor. Alles muss nachhaltig sein: der Salat, die Hose, die Sportveranstaltung, die Politik. Kaum eine Werbung oder Produktbeschreibung kommt mehr ohne den wohlklingenden Hinweis aus. Dieser inflationäre, ausufernde Sprachgebrauch wirkt sich negativ auf die Bedeutung und Wahrnehmung des Nachhaltigkeitsbegriffs aus: Jeder redet darüber, aber die wenigsten wissen, wovon genau die Rede ist. Und genau darin liegt das Ziel dieser Kolumne, nämlich eine kurze Erläuterung, was nun diese «Nachhaltigkeit» genau ist und wie sie erreicht werden kann.

Heute wird Nachhaltigkeit im Duden beschrieben als ein «Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann». Laut dieser Definition, welche in diesem Sinne auch den meisten geläufig sein dürfte, kommen allerdings viele relevante Aspekte zu kurz. Denn im Grundsatz besteht jede Nachhaltigkeitsstrategie aus drei Säulen. Die ersten beiden kennen wir heute gut: Effizienz beschreibt das Verhältnis zwischen Input und Output und will dieses verbessern durch technische Innovationen wie beispielsweise die LED-Lampen oder stromsparende Kühlschränke. Die zweite Säule, Konsistenz, verlangt, dass die Produktion von Gütern umwelt- und naturverträglich erfolgt. Durch das Schliessen von Stoffkreisläufen und den Einsatz umweltfreundlicher Technologien sowie nachhaltig erzeugter Energie soll Konsistenz erreicht werden. Das Problem dabei: Effizienzgewinne werden teilweise durch gesteigerte Bedürfnisse direkt wieder kompensiert. Ökonomen sprechen dabei vom Rebound-Effekt. Zusätzlich dazu werden durch raffinierte Marketingstrategien andauernd neue Bedürfnisse in uns geweckt. So werden Produkte erzeugt, gekauft, sind nach kurzer Zeit wieder «out» und werden vergessen oder entsorgt. Und diese Konsumschleife kann weder durch Effizienz noch durch Konsistenz durchbrochen werden.

Hier kommt die Suffizienz ins Spiel, welche für die Begrenzung des Konsums, für das «Weniger», steht. Diesem dritten Element einer jeden Nachhaltigkeitsstrategie wurde bisher wenig Beachtung geschenkt: So kümmert sich die Wirtschaft darum, dass Heizungen und Haushaltsgeräte immer effizienter werden. Die Politik nimmt das Thema der erneuerbaren Energien auf, wodurch die Konsistenz ihren Platz auf der politischen Agenda findet. Das Problem bei Suffizienz jedoch ist, dass niemand daran interessiert ist, sich für das «Weniger» einzusetzen – da es, nun ja, einfach nicht sehr sexy ist.

Doch wieso ist Suffizienz so zentral? Zunächst einmal bedeutet Suffizienz zu fragen, wie viel genug sein kann. Das heisst, um wirklich umweltfreundlich zu leben, reicht es nicht aus, erneuerbare Energien zu fördern, oder die Energieeffizienz von Gebäuden zu erhöhen. Jeder von uns muss zusätzlich sich selbst und seine Umgebung so organisieren, dass wir insgesamt genügsamer leben. Dies ist jedoch nicht zu verwechseln mit Mangel oder freiwilliger Armut. Denn, gekoppelt mit Ansätzen wie «weniger», «langsamer», «regionaler» kann auch durch Suffizienz die Lebensqualität weiter gesteigert werden.

In diesem Sinne ist es an der Zeit, uns die Frage nach dem «Genug» zu stellen. Und dies nicht nur auf den globalen Ressourcenverbrauch bezogen, sondern genauso auf das Private. Das zeigen neueste Erkenntnisse aus der Glücksforschung. So fühlen sich viele Menschen gehetzt, sind dauernd im Stress und haben für «nichts mehr Zeit». Man arbeitet auf Kosten der Freizeit und der Familie, nur um zu konsumieren. Bald darauf – gestresst von den vielen Dingen – entrümpelt man die Wohnung und schafft wiederum Platz für neue Dinge. Deshalb sprechen nicht nur ökologische Gründe für eine Kultur der Entschleunigung und des «Weniger ist besser». Denn die Suffizienz bietet tatsächlich einen Ausweg aus der Konsumschleife – und zwar jedem von uns.

Anna Burch aus Sarnen, Studentin der internationalen Beziehungen an der Uni St. Gallen, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

Anna Burch aus Sarnen, Studentin der internationalen Beziehungen an der Uni St. Gallen, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

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