Wieder Hochspannung in Alpnach

Die CKW-Leitung an der Schoriederstrasse ist wieder ein Thema. Die Pläne zur teilweisen Erdverlegung werden nur teilweise transparent.

Markus von Rotz
Hören
Drucken
Teilen
Neben dem Ersatzbau für dieses Holzhaus ist ein neuer Mast geplant. Der im Hintergrund würde dank Erdverlegung wegfallen.

Neben dem Ersatzbau für dieses Holzhaus ist ein neuer Mast geplant. Der im Hintergrund würde dank Erdverlegung wegfallen.

Bild: Markus von Rotz (25.12.2019)

Das Erstaunen war gross, als 2008 bekannt wurde, dass statt eines 21 ein 51 Meter hoher Hochspannungs-Strommast an der Schoriederstrasse geplant sei. Die CVP forderte eine Erdverlegung im Siedlungsgebiet. Dann wurde es ruhig, bis die Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW) 2015 ankündigten, ihre 50-Kilovolt-Leitung im Bereich Pax-Überbauung (gehört heute der Baloise) über 200 Meter in den Boden zu verlegen.

Diesen Frühsommer kam erneut Bewegung auf: Die CKW legten ein Projekt zur teilweisen Erdverlegung öffentlich auf. Drei Private und die Gemeinde erhoben Einsprache. Die Pläne sehen vor, die Leitung über eine längere Strecke in den Boden zu verlegen und dorfwärts neben der Schoriederstrasse einen neuen Masten zu stellen – just auf Boden der Familie Kuster, die dort (oberhalb Pilatus Getränke) seit 2017 eine Baubewilligung für ein Zweifamilienhaus hat, als Ersatz für das baufällige Holzhaus. Sie wartet aber zu, weil sie eine bessere Lösung für alle erhofft. Die CKW kündigten der Familie die Enteignung im Bereich der heutigen Leitungsführung auf ihrem Land an.

«Kein öffentliches, lediglich privates Einzelinteresse»

In ihrer Anzeige begründen die CKW die geplante Leitungsverlegung mit dem alten Projekt: «Im Bereich von Mast Nummer 88 auf Parzelle 448 ist ein Mehrfamilienhaus geplant.» Drei Häuser stehen dort seit Jahren, das vierte wurde zurückgestellt, weil die Hochspannungsleitung darüber verläuft. An einer Erdverlegung habe «niemand» ein Interesse, schreibt der Anwalt der Familie Kuster in der Einsprache gegen das im Juni öffentlich aufgelegene Projekt. Eine Enteignung sei nur «für Werke, die im Interesse der Eidgenossenschaft oder eines grossen Teils des Landes liegen», vorgesehen. Hier aber liege «lediglich ein privates Einzelinteresse» vor. Es werde auch «kein einziges Grundstück» neu erschlossen. Zudem werde der Wert der Liegenschaft Kuster um rund 200000 Franken gemindert. Thomas Hasse Biniasch, CEO der Baloise Group, sieht nach einem Augenschein vergangene Woche keinen zeitlichen Druck fürs vierte Haus: «Die Baloise ist an einer einvernehmlichen Lösung mit allen involvierten Parteien interessiert und führt entsprechende Gespräche. Druck aufzusetzen ist hier nicht zielführend, denn oberstes Ziel ist es, ein für alle Beteiligten zufriedenstellendes Resultat zu erreichen.»

Warum die CKW gerade jetzt das Projekt rausholen, wollten sie auf Anfrage nicht beantworten. Sie verweisen darauf, dass das Projekt einer Teilverkabelung bis 2011 zurück gehe. «Die ursprüngliche Variante wurde nach Einsprachen durch das Bundesamt für Energie abgelehnt.» Gemäss aktuellen Plänen würde der Familie Kuster und der gegenüberliegenden Wohnbaugenossenschaft Sonnenberg ein neuer Mast direkt vors Haus gestellt. Zur Variante, warum man die Erdverlegung nicht etwas weiter in Richtung Norden ziehen und erst hinter dem Haus auf freiem Feld einen bestehenden Masten ersetzen könnte, wolle die «CKW partout keine Stellung nehmen und verweigert das Gespräch», sagt Stefan Kuster. Mündlich sei auch die Variante aufgetaucht, die Hochspannungsleitung direkter und westlicher ausserhalb des Siedlungsgebiets über offenes Landwirtschaftsland zu führen statt entlang der Schoriederstrasse im Boden und dann auf Masten zurückzukehren. Hier gäbe es keine Gefahr, «dass das Gebiet, durch das die Leitung verlaufen würde, in einem späteren Zeitpunkt einzoniert würde», schreibt die Familie in ihrer Einsprache.

«Es kommt zu keiner Einigung»

Die CKW sehen es anders: «Der geplante Neuverlauf der Leitung stellt die schonendste Variante dar, durch die am wenigsten Eingriffe in Privateigentum und wenig Konfliktpotenzial erfolgen.» Sie sei auch «die kürzeste und damit effizienteste und kostengünstigste Verbindung ausserhalb der Bauzone. Es wäre unverhältnismässig, auf Kosten unserer Kunden eine bestehende und gut erhaltene Leitung grossflächig und kostenintensiv zu ersetzen.» Die heutige sei 1980 schon mal verlegt worden und erst in der Hälfte der Lebensdauer von 80 Jahren.

Das Ergebnis einer Einsprache- und Einigungsverhandlung von Ende September wird so protokolliert: «Es kommt zu keiner Einigung.» CKW und Gemeinde fassten aber den Auftrag, eine andere Kabelverlegung zu prüfen, zudem müssen die CKW dafür eine Kostenschätzung liefern und mit der Familie Kuster über eine alternative Platzierung des Mastens reden. Das Bundesamt für Energie wollte bis 30. November Rückmeldungen dazu. Seit dem Treffen ist wieder Funkstille.

Derweil schöpft Stefan Kuster neue Hoffnung: Zum einen müssen ab Juni 2020 solche Leitungen mit weniger als 220 Kilovolt in den Boden, solange die Mehrkosten einen vom Bundesrat festgelegten Mehrkostenfaktor nicht übersteigen. Zum anderen sprach das Bundesverwaltungsgericht kürzlich in einem Aargauer Fall einem Ehepaar 340000 Franken an Entschädigung für eine Starkstromleitung über ihrem Grundstück zu.