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Kolumne

«Win-win»: Lösung oder Unwort?

Kolumnist Romano Cuonz schreibt in seinem «Ich meinti» über Sieger und Verlierer - im Sport, in der Politik und in der Gesellschaft.
Romano Cuonz
Romano Cuonz.

Romano Cuonz.

Geht es Ihnen dieser Tage wie mir? Die Schweizer Fussball-Nati ist unglücklich ausgeschieden, und mein Nationalstolz – übrigens ganz besonders auch auf die «Secondos», die sich in unserem und für unser Land so gut durchzusetzen wussten – etwas verblasst. Plötzlich weiss ich nicht mehr so genau, für welches der verbliebenen Teams mein Herz nun schlagen soll. Zögert sich dann die Entscheidung auch noch bis zu einem dieser nachgerade ungerechten Penaltyschiessen hinaus, habe ich oft nur noch einen Wunsch: Dass es allen Beteiligten zuliebe – Spielern wie Zuschauern – auch an der WM eine sogenannte «Win-win»-Situation geben möchte! Ja, sollte man den Fifa-WM-Pokal – falls es selbst beim Final keinen klaren Sieger gäbe – nicht einfach doubeln? Damit könnten dann in gleich zwei Ländern rauschende Feste steigen!

So ein Blödsinn, werden sie mir entgegenhalten ... im Sport hat es Sieger und Verlierer zu geben! Nun ja, aber nicht überall. Kürzlich, beim Innerschweizerischen Schwingfest in Ruswil, hielten nach dem Final (in diesem Fall Schlussgang genannt) mit Christian Schuler (Schwyz), Joel Wicki (Luzern) und Christian Stucki (als Gast aus Bern) gleich drei strahlende Sieger mit genau gleichen Muskeln und Noten den wackeren Muni am Halsriemen. Eine sogar dreifache «Win-win-Win»-Situation! Und dies im Sport! Das müsste mich riesig freuen. Und doch: wenn ich mir die Sache etwas genauer überlege, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man so einen stolzen Muni nach der Siegesfeier dreiteilen soll. Vielleicht müsste man halt dieses neudeutsche Zauberwort gleichwohl einmal etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Wechseln wir vom Sport zur von ihm gar nicht mehr so weit entfernten Politik: Wie oft preisen uns Politiker von links bis rechts dieses «Win-win» während Debatten in Parlamenten oder als Argument vor Abstimmungen an! Doch Ideen, die auf den ersten Blick nach «Win-win» aussehen, mutieren auf den zweiten und dritten gar nicht selten zu eigentlichen Danaergeschenken. Dies ist mir kürzlich wieder vor Augen geführt worden: beim heurigen «Obwaldner Dialog» im «Gsang». Dort ging es um den NFA und unsere Steuerpolitik. Wie unser Kanton 2008 als erster eine Flat-Rate-Taxe mit flachen, proportionalen Tarifen für mittlere und hohe Einkommen einführe, sprachen viele von einer «Win-win-Strategie». Die Kluft zwischen Arm und Reich werde kleiner. Mehr investiert und konsumiert würde und Obwalden entrinne endlich der Steuerhölle. Weit und breit waren nur «Winner» auszumachen. Deshalb stimmte das Volk mit 91 Prozent Ja-Stimmen rekordverdächtig zu.

Doch Konfliktlösungen ohne Verlierer gibt es nicht. Und wie so oft wurde dieses unsägliche «Win-win» auch bei uns vom Lösungs- zum Unwort. Schneller als uns lieb war! Zwar sind viele der vorausgesagten Vorteile tatsächlich eingetroffen. Daneben aber zeigen sich auf die Länge mehr und mehr auch Nachteile und Verluste: Weil wir zu reich geworden sind, müssen wir – was nur gerecht ist – in den NFA einzahlen. Um eine Steuererhöhung kommen wir jetzt nicht mehr herum. Viel tragischer ist aber ein anderer Preis, den wir für diese Strategie in den letzten Jahren bezahlt haben. Und täglich weiter bezahlen: Unser von Politikern in höchsten Tönen angepriesener Kanton mit saftig grünen Wiesenhängen und nicht verbauten Seeufern ist Geschichte. Weil das Raumplanungsgesetz mit der Steuerstrategie nicht Schritt gehalten hat, bleiben zwischen Sarnen, Wilen, Ramersberg – oder bis Sachseln und Giswil – beinahe keine Baulücken mehr. Neu entstehende Luxuswohnungen aber kann sich der Mittelstand kaum mehr leisten. Sozialbauten haben Seltenheitswert. Und wenn ich noch feststelle, wie der Verkehr, den wir eigentlich in Tunnels verbannen wollten, sogar auf der alten Brünig- und der Wilerstrasse wächst und wächst, möchte ich dem «Win-win» einmal mehr die berühmte Weisheit der Cree-Indianer auf Obwaldner Deutsch entgegensetzen: Erscht, wenn der letscht Puir uifgää hed, der letscht Hoof verchaiffd, der letscht Quadratmeter verbuid isch, währdit miär gmerkä, as mä ai Styrgäld nid chad ässä.

Romano Cuonz, Journalist und Schriftsteller aus Sarnen, äussert sich abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

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