Kolumne
Wo Fasten auch gut täte

Redaktor Philipp Unterschütz hat sich in seinem «Blitzlicht» auf die Pirsch gemacht, wer sich die Tradition des Fastens noch zu Herzen nehmen könnte.

Philipp Unterschütz
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Philipp Unterschütz

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Noch 37 Tage dauert die Fastenzeit. Wenn Sie auch seit vergangenem Mittwoch, dem Aschermittwoch, dran sind, dann tun Sie sich etwas Gutes, auch weitab von Religion oder Philosophie.

Keine Angst, ich halte Ihnen keinen Vortrag über die Vorzüge des Schlankseins. Mit meiner Figur wäre das ja auch nicht sehr glaubwürdig – und darauf müssen wir Journalisten besonders achten, wenn wir in den Spiegel schauen ...

Mir geht es um etwas anderes: Weniger ist tatsächlich mehr. In den vergangenen Tagen bin ich mehrfach über Beiträge gestossen, die sagen, dass es viel mehr darum geht, wann man isst, anstatt was und wie viel man isst. Sogar bei Mäusen stellte man fest, Dauerfresser werden fett und leben weniger lang. Bei längeren Pausen aktiviert der Körper dagegen sogar Selbstheilungskräfte.

Das lässt mich nun nicht mehr los. Und ich habe den Ansatz weiter gedacht. Wie wäre es denn, wenn auch Politiker, Behörden oder Werber sich vermehrt Pausen gönnen und ab und zu eine Art geistige Fastenzeit einlegen würden? So nach dem Motto, es geht mehr darum, wann man ist, als wie oft man ist.

Bei Politikern könnte sich das grad jetzt im Wahljahr lohnen. Vielleicht wären viele ihrer Äusserungen von besserer und ehrlicherer Qualität. Oder bei Behörden – da wären weniger Vorschriften besser. Dafür wären die, welche erlassen werden, dann auch wirklich nötig und durchdacht. Und wenn Werber uns weniger oft für dumm verkaufen würden, wäre auch das zu begrüssen.