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Kolumne

Wumm, schränz, rüüdig

Otto Leuenberger schaut in seinem «Ich meinti» auf die Fasnacht zurück.
Otto Leuenberger

Heija, war das farbenprächtig. Diese Fasnacht bot alles. All die Grinden, die Schminke, das Heitere, das Wummern, die «Huddlä», Perücken, die Blössen. Viel Kräftiges, Lautes, aber auch Feines. Und dann erst dieses Wetter: strahlend, schön, wild, aufbrausend. Einfach «rüüdig verreckt schön».

Otto Leuenberger. (Bild: Corinne Glanzmann)

Otto Leuenberger. (Bild: Corinne Glanzmann)

Immer ein Ereignis ist der örtliche Fasnachtsumzug in Giswil mit viel Urigem, gleich vor meiner Tür. All die vielen Jungen, die unverkrampft ihre Wagen bauen, ja ganze Themenkolonnen mit «stink, chlöpf und tätsch». Mit Haut und Haaren und vollem Körpereinsatz setzen sie sich in Szene. Unglaublich dieses Engagement, dieser Aufwand, diese Begeisterung für bloss ein, zwei Tage. Ein Fieber. Es soll auch Fasnächtler geben, die eigentlich von Fasnacht zu Fasnacht leben und bereits die nächste am Vorbereiten sind.

In Luzern zudem taucht jeweils urplötzlich wie aus dem Nichts eine unglaublich vielfältige Strassenszene von Einzelmasken, kleinen und grossen Gruppen mit Inszenierungen, auf. Ein Fest der Fantasie.

Dann dieses Auf-die-Schippe-nehmen, nicht zuletzt sich selbst, das Sich-lustig-machen. Über die Schnur hauen, es hemmungslos treiben, aus der Haut fahren. Tabus berühren, gar brechen und dies alles ungestraft. Eine «Chropfleeretä». Sich frei fühlen. Durch eine Maske aufsetzen, die eigene Maske ablegen – wenigstens es «bitzeli».

Auch diese Zeitung treibt es ... – äh, sorry – ist bunt wie nur in diesen Ausnahmetagen: voller Konfetti, Grinden, Sprüchen und tummelnder Zunftprominenz. Fasnacht, die fünfte Jahreszeit. Eine äusserst lebendige Tradition, aus der aber auch immer Neues hervorgeht und ein Spiegel unserer Zeit ist. Übrigens scheint mir, dass die Guggen auch schon kraftvoller schränzten.

«Uiii» da hat doch tatsächlich in Luzern ein Warenhaus kurz vor seiner Neueröffnung in einer wohlmeinenden Grussbotschaft «einen schönen Karneval gewünscht». Das war aber gar nicht lustig. Da hört der Spass auf. Die sind aber schleunigst zu Fasnacht gekrochen. Da wurden semireligiöse Fasnächtlergefühle verletzt!

Zugegeben, bei mir hat sich das entsprechende Fasnachtsgen (halt noch) nicht richtig ausgebildet. Nur so kann ich mir anmassen, etwas wie die Fasnacht, fassen zu wollen. Ich bin sehr fasziniert, auch ein bisschen beschämt. Ich komme mir wie ein Voyeur vor, der die Selbstentblössung nicht traut und bloss distanziert bewundernd dem Treiben zuschaut.

Die närrischen Tage sind vorbei, all das Kunterbunte verschwunden. Es ist ausgemistet, aufgeräumt und Platz für Neues. Wenn ich so auf der Strasse in Gesichter schaue und mir dabei vorstelle, welche Farben und Kraft hinter «Alltagsfassaden» verborgen liegen. Spannend. Das stellt mich richtig auf und erfüllt mit Zuversicht. Wo es eine solche Fasnacht geben kann, da lässt sich gut leben. Aber ich wünschte mir halt schon mehr von dieser Lebendigkeit, gerade in den restlichen Jahreszeiten.

Nun ist der Frühling dran. Es werden Flur, Fauna und Flora übernehmen. Eine Urgewalt, ein Aufblühen, ein unbändiges Werden, eine Explosion mit Farben, Formen und Düüüüften. Hmmm, jener rote Fleck am Strassenrand – ist das nicht ein überlebendes Konfetti?

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