Leserbrief
Zukunftsplan entwerfen, bevor Unfälle passieren

«Radwege sollen endlich besser werden», Ausgabe vom 2. März

Thomas Müller, Alpnachstad
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Wenn ich den Bericht und die Antwort der Regierung auf die Interpellation von Annemarie Schnider lese, so kann ich leider keine Vision erkennen. Statt ein plastisches, anzustrebendes Zukunftsbild zu zeichnen, wird auf die «knappen Finanzen» und den fehlenden «unmittelbaren Handlungsbedarf» verwiesen. Dass ein hohes Gefahrenpotenzial vorhanden ist, erfahren Velofahrende, die wie ich im Sarneraatal unterwegs sind. Es kann wissenschaftlich fundiert belegt werden, ohne dass erst Unfälle passieren: Hohes Tempolimit und hohe Verkehrsdichte führen zu hohem Gefährdungspotenzial, und würden eigentlich entsprechende bauliche Massnahmen nahelegen, wie zum Beispiel das Dokument «Standards Kantonsstrassen» des Tiefbauamts Bern ausführt.

Meine Vision: Ein Kanton, in dem Velowege bestehen, die Jung und Alt dazu veranlassen, für kurze Strecken aufs Velo zu steigen und die frische Luft zu geniessen. Ein Kanton, in welchem Velo und Auto gut aneinander vorbeikommen und einander sinnvoll ergänzen. Ein Kanton, in dem Gedränge auf dem Radweg statt Stau vor dem Lopper herrscht.

«Utopisch!» oder «Nicht finanzierbar!» werden wohl einige sagen. Aber man bedenke: Für das 250 Millionen teure Nationalstrassenprojekt Kaiserstuhl gibt der Kanton wohl rund 8 Millionen Franken aus, für die Realisierung der dringlichsten Massnahmen des Radroutenkonzepts von 1996 (!) wurden damals 3,7 Millionen Franken veranschlagt. Ich bin überzeugt: Wo eine Vision und ein Wille ist, da ist (hoffentlich schon bald) auch ein Veloweg!

Ich danke allen Regierungsräten, Kantonsräten, Velo- und auch Autofahrenden, die helfen, dieses Zukunftsbild zu zeichnen und umzusetzen.