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Zurückgetretener Regierungsrat Franz Enderli: «Ich weiss noch lange nicht genug»

Mit Franz Enderli geht ein eloquenter Kämpfer für die Kultur in Pension. Er freut sich, endlich Musse für Kunst und Weiterbildung zu haben – und vielleicht sieht man den Theologen auch wieder auf der Kanzel.
Philipp Unterschütz
Franz Enderli begutachtet ein ausgestelltes Werk in der Galerie Hofmatt. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 27. Juni 2018))

Franz Enderli begutachtet ein ausgestelltes Werk in der Galerie Hofmatt. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 27. Juni 2018))

«Aufräumen ist auch eine geistige Haltung», kommentiert der zurückgetretene Obwaldner Bildungsdirektor Franz Enderli seine vielen Aktivitäten der vergangenen Tage, seinen letzten im Amt. Nach zehn Jahren als Kantonsrat und neun Jahren Regierungsrat geht der 64-jährige «in Pension». Alle wollen noch etwas, hier eine Unterschrift, da Abschiedsgespräche und Zwischenzeugnisse für langjährige Angestellte, dort noch die Verabschiedung aus einem Gremium und und und. «Ich bin mir sehr bewusst, dass ich ab nun eine andere Rolle spiele.» Dass er nicht mehr im Rampenlicht stehe wie bisher, mache ihm nichts aus. Das sei ja auch nicht immer nur lustig gewesen. «Ich glaube nicht, dass ich jetzt in ein Loch falle.» Trotzdem gestaltet Franz Enderli den Übergang in die neue Lebensphase mit Bedacht. Er zieht sich für eine Woche in ein Kloster im Bündnerland zurück, «um mich zu konzentrieren und mein Leben neu zu ‹büschelen›.» Darauf folgen dann erst mal Ferien mit seiner Frau im Süden.

Den Schritt in die Pension hat er sich gut überlegt. «Wenn ich nochmals angetreten wäre, dann mit dem Anspruch, die vierjährige Amtsperiode auch fertig zu machen.» Doch das war Franz Enderli zu lang. Vergangenen Sommer habe er gemerkt, dass sein Körper mit gesundheitlichen Problemen auf die Belastungen reagierte. «Das war für mich das Zeichen, jetzt ist genug.»

Die Politik ist polarisierter geworden

Wenn Franz Enderli in der Laube hinter der Kunstgalerie Hofmatt in Sarnen entspannt und doch konzentriert von den vergangenen Jahren erzählt, spürt man, wie gern er seine Arbeit als Politiker und Regierungsrat gemacht hat. «Ich sah es als Dienstfunktion an, und als ein grosses Privileg.» Er sagt indes auch: «Politik ist etwas Wichtiges – aber es gibt noch Wichtigeres.» Er habe immer gut schlafen können, meint er auch auf die Frage, wie sich denn für ihn die Politik mit seiner theologischen Ausbildung vertragen habe. Da, wo er zuständig gewesen sei, habe er seine Werte eingebracht. In Gremien, wo dagegen alles auszuhandeln ist, war für Franz Enderli die Art und Weise der Diskussion entscheidend, Ehrlichkeit und positive Grundhaltung. «Ich habe immer gern mit Leuten gearbeitet, die auch den Willen zum Konsens zeigten. Sturheit ist mühsam.» Allerdings sei die Politik aber auch in Obwalden in den vergangenen 20 Jahren viel polarisierter geworden.

Und was würde er denn predigen, wenn er vor seinen Regierungskollegen und dem Kantonsrat auf einer Kanzel stehen würde? Enderli lacht. «Ich habe mich manchmal als Regierungsrat schon als Prediger gefühlt. Ich würde über viele wunderbare Begegnungen sprechen, über Umgang und Werte.» Er habe sich sehr wohl gefühlt in der Regierung und die Zusammenarbeit geschätzt, ganz unabhängig vom Resultat, sagt er, und macht eine nachdenkliche Pause. «Ich würde wohl auch über das Hinstehen reden. Man neigt ja dazu, unangenehme Sachen zu umgehen. Das war manchmal auch für mich eine Herausforderung.» Zum Beispiel sei es nicht schön gewesen, dem Personal die Massnahmen im Zusammenhang mit dem Sparpaket zu verkünden.

Bruder-Klausen-Jahr war der Höhepunkt

In den neuen Lebensabschnitt wandert Franz Enderli mit einem prall gefüllten Rucksack an guten Erinnerungen. Er nehme nichts Belastendes mit. «Nur den jährlichen Budgetprozess werde ich nicht vermissen», meint er, bevor er die vielen Themen erwähnt, die ihm Freude bereitet hatten, wie beispielsweise das Kultur- und das Sportgesetz als politische Erfolge, oder die Organisation des Jodlerfests 2015 in Sarnen. Höhepunkt sei aber ganz klar das vergangene Bruder-Klausen-Jahr gewesen – vom Papstbesuch über den Staatsakt zu Veranstaltungen und kulturellen Aktivitäten bis zu den vielen Begegnungen und schönen Reaktionen. Nur die Spiritualität habe er aufgrund seiner Pflichten und Präsentationen nicht so erleben können. «Spirituell wäre ja Schweigen. Ich musste aber viel reden.» Doch er sei glücklich, «wie es gelungen ist, dass Obwalden als Ort mit einzigartigen Werten und Tiefgang wahrgenommen wurde. Die letzten Jahre wurden wir ja nur immer mit der Steuerfrage verbunden.»

Die Steuerstrategie habe er mit seiner Partei CSP immer mitgetragen, schon als er noch Kantonsrat war. «Die Strategie ist erfolgreich, sie muss aber weiter fein justiert werden. Es ist wichtig, dass auch im Zusammenhang mit dem Sparpaket niemand unter die Räder kommt. Das Zusammenspiel der verschiedenen Mittel muss funktionieren.» Wenn es mit den Finanzen enger wird, kommt aber immer auch der Druck auf die Kultur. Auch Franz Enderli machte diese Erfahrung. «Kultur ist aber nicht nur ein Sahnehäubchen, sie gehört zu unserer Existenz und Identität. Dafür habe ich immer gekämpft.» Obwalden habe den Vorteil, dass ein Grossteil der Kulturförderung über Swisslos-Gelder erfolge und damit in der Kompetenz der Regierung liege. Kulturunterstützung sei für ihn aber nie nur monetärer Natur gewesen. «Dazu gehört auch persönliche Anteilnahme und Wertschätzung.»

Twittern ist eine Selbstüberschätzung

Ab August tritt Franz Enderli in den, wie er sagt, geordneten Modus. Ehrenamtliche Mandate und Aufgaben werden ihn beschäftigen, er ist auch Beirat in der Luzerner Hochschule für Soziale Arbeit – aber er werde keine Verwaltungsratsmandate oder Anstellungen annehmen. Und wie sieht es aus mit dem Predigen? Er habe immer wieder Anfragen erhalten. «Aber ich wollte das ganz bewusst nicht tun, wegen dem Rollenmix, in den ich mich damit begeben hätte. Zudem hätte ich auch keine Zeit gehabt, eine Predigt braucht Vorbereitung. Aber jetzt, wo ich nicht mehr Regierungsrat bin, lasse ich mir das offen.»

Viel Zeit will sich Franz Enderli nehmen, um sich der Kunst hinzugeben und Ausstellungen zu besuchen. «Und ich möchte an die Senioren-Uni in Luzern – etwas im kulturell-theologischen Bereich. Ich weiss noch lange nicht genug», meint er mit einem Schmunzeln.

Wer nun hofft, dass man vielleicht über die sozialen Medien noch mitbekommt, was Franz Enderli künftig so treibt, hofft vergebens. «Ich sehe keinen Mehrwert in den sozialen Medien, sie lenken vom wirklich Wichtigen ab und fördern die Oberflächlichkeit», ist er überzeugt. «Ich twittere auch nicht, weil meine Meinung nicht so wertvoll ist, dass sie in die ganze Welt geblasen werden muss. Für mich ist Twittern eine masslose Überschätzung.» Franz Enderli schmunzelt erneut, sein ebenfalls abtretender Regierungskollege Niklaus Bleiker kommt ihm in den Sinn – bekanntlich ein fleissiger Twitterer. «Niklaus kennt meine Meinung.»

Bilder zum Werdegang von Franz Enderli

Auch spannend zu sehen, wie sich Politiker äusserlich verändern

Enderli dirigiert die Harmoniemusik an seiner Wahlfeier zum Kantonsratspräsidenten

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