Zwang zum Abdrücken bleibt

Die Obwaldner Regierung lud zum 80. Geburtstag Josef Reinhards. Seine Bilder dokumentieren das aktuelle Geschehen im Kanton über Jahrzehnte.

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Die Brandruine des Sporthotels Kurhaus auf der Melchsee-Frutt wird abgetragen. (Bild: Neue OZ / Josef Reinhard)

Die Brandruine des Sporthotels Kurhaus auf der Melchsee-Frutt wird abgetragen. (Bild: Neue OZ / Josef Reinhard)

Er stand am Donnerstag am Bahnhof in Sachseln, vor einem Weltformatplakat, welches einen Ausschnitt der Älplerchilbi seines Dorfes aus dem Jahr 1960 zeigt: sein Bild. Sepp Reinhard, in der Bevölkerung als «Katastrophen-Sepp» bekannt, liess nicht lange auf sich warten und erklärte den geladenen Gästen, wer auf dem Bild zu sehen ist. Mitteilsam war er schon immer. Seinen Worten lauschten Landammann Niklaus Bleiker und Kulturdirektor Franz Enderli. Sie beide vertraten die Obwaldner Regierung.

Reinhard, der Dokumentalist

Von Franz Enderli wollten wir wissen, weshalb ein Mann, der während Jahrzehnten auch das kulturelle Geschehen im Kanton Obwalden im Bild festhielt, selber nicht schon längst Kulturpreisträger ist. «Wir wollen das Schaffen von Josef Reinhard adäquat würdigen. Er ist nach Ansicht der Regierung vor allem ein Dokumentalist, ein Reportagefotograf. Und als solcher werden wir ihm mit seinen eigenen Bildern am ehesten gerecht», begründete der Vorsteher des Bildungs- und Kulturdepartementes. Aus dieser Überlegung heraus sind seit gestern in jeder Gemeinde des Kantons an je einem APG-Plakat-Standort grosse und zugleich grossartige Bilder im Format F 12 aus dem riesigen Fundus des 80-Jährigen zu sehen. Im Kantonshauptort sind es deren zwei.

Josef Reinhard am Fotografieren. (Bild: Neue OZ / Robert Hess)
20 Bilder
Ein verheerendes Unwetter sucht 1997 Sachseln heim. (Bild: Josef Reinhard/Neue OZ)
Schlafendes Original: Der Kernser Kunstmaler Beda Durrer. (Bild: Josef Reinhard/Neue OZ)
Josef und Daniel Reinhard mit ihren Bildern an den Bieler Fototagen 2004. (Bild: Josef Reinhard)
Jahrhundert-Hochwasser 2005: Der Bahnhof Sachseln steht unter Wasser. (Bild: Neue OZ / Josef Reinhard)
Ruedi Rymann wird 2006 mit dem Obwaldner Kulturpreis geehrt. (Bild: Neue OZ / Josef Reinhard)
Bruder-Klausen-Fest in Sachseln. Bischof Amédée Grab blickt in die Noten. (Bild: Neue OZ / Josef Reinhard)
Der Startschuss zur Giswiler Fasnacht 2005. (Bild: Neue OZ / Josef Reinhard)
Papst Johannes Paul II am 14. Juni 1984 im Wohnhaus des Bruder Klaus in Flüeli-Ranft. (Bild: Neue OZ / Josef Reinhard)
Oldtimertreffen in Obwalden 2005. (Bild: Neue OZ / Josef Reinhard)
Der Campingplatz Sarnen wird nach dem Unwetter 2005 aufgeräumt. (Bild: Neue OZ / Josef Reinhard)
Wintereinbruch in der Karwoche 2006. Lungern lag unter 25 Zentimeter Neuschnee. (Bild: Neue OZ / Josef Reinhard)
Die Brandruine des Sporthotels Kurhaus auf der Melchsee-Frutt wird abgetragen. (Bild: Neue OZ / Josef Reinhard)
Köbi Kuhn, ehemaliger Trainer der Schweizer Fussballnationalmannschaft, und der ehemalige Bundesrat Christoph Blocher werden auf dem Stein im geografischen Mittelpunkt der Schweiz eingetragen. (Bild: Neue OZ / Josef Reinhard)
Ein Fasnächtler verkleidet als Fotograf Josef Reinhard. (Bild: Neue OZ / Josef Reinhard)
Anlässlich der Ausstellung «Luginbühls» 2008 auf dem Landberg oberhalb von Sarnen schiesst Feuer und Rauch aus der monumentalen Kanone von Bernhard Luginbühl. (Bild: Neue OZ / Josef Reinhard)
Eveline Widmer-Schlumpf wird auf der Älggi-Alp als «Schweizerin des Jahres 2008» vom Obwaldner Landammann Niklaus Bleiker empfangen. (Bild: Neue OZ / Josef Reinhard)
Josef Reinhard fotografiert 2009 für das «Obwaldner Wochenblatt» den allerletzten Schlusspunkt. Das Blatt ist neu in der «Neuen Obwaldner Zeitung» integriert. (Bild: Daniel Reinhard)
Eisgebilde im kleinen Melchtal in Giswil. (Bild: Josef Reinhard/Neue OZ)
Ein typischer Schlusspunkt: Putz im Schaufenster. (Bild: Josef Reinhard/Neue OZ)

Josef Reinhard am Fotografieren. (Bild: Neue OZ / Robert Hess)

Enderli würdigte zu Beginn seiner Laudatio vor rund 20 Gästen das Werk der Fotodynastie Reinhard als Ganzes. «Vater Joseph Reinhard besass als Landschaftsfotograf schon früh ein Automobil. Und das Auto, die Strasse, der Verkehr mit den Unfällen, all das prägte in der Folge das Schaffen seines heute 80-jährigen Sohnes.»

Der Laudator blickte zurück in jene Zeit, die das Geburtstagskind aus Freude an Bewegung und Mobilität auf den berühmten Rennstrecken Europas als Fotograf zubrachte. Weil Josef Reinhards Sohn Daniel heute zu den gefragtesten Formel-1-Fotografen zählt, sieht Enderli «die Strasse als Verbindung der drei Generationen Reinhard».

Reinhard, der Fotokünstler

Christian Sidler, Kulturbeauftragter des Kantons, sieht in Josef Reinhard durchaus auch einen Kulturschaffenden: «Es gibt einen Film und ein Buch über ihn, seinen Vater und seinen Sohn. Josef Reinhards Bilder wurden an den Bieler Fototagen und an verschiedenen namhaften Ausstellungen gezeigt. Von daher wird er auch unter künstlerischen Gesichtspunkten wahrgenommen», betonte Sidler im Gespräch mit unserer Zeitung. Und der Gefeierte? Er geniesst heute das Privileg, fotografieren zu dürfen und nicht mehr zu müssen. Es gibt nichts, was er in seinem Lebenswerk vermisst. «Aber am Zwang, dass ich hin und wieder einfach abdrücken muss, daran hat sich nichts geändert», erklärte er.

Primus Camenzind