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Zwei Engel in Engelberg auf Sumpftour

Roland Bucher
Harren der Dinge, die da kommen: Beatrice Gander (links) und Judith Odermatt in noch blütenweissen Kleidern. (Bild Pius Amrein)

Harren der Dinge, die da kommen: Beatrice Gander (links) und Judith Odermatt in noch blütenweissen Kleidern. (Bild Pius Amrein)

Roland Bucher

Die Vorfreude auf den Anlass, der morgen Samstag rund 8000 Fisherman-Friends ins Klosterdorf lockt, ist bei Judith Odermatt unschwer herauszuspüren: «Der Spassfaktor ist unerhört, wir sind eine grosse, lustige Bande, die einerseits durchaus eine ordentliche Ausdauerleistung erbringt, andrerseits einen Tag lang ausserordentliche Lebensfreude ausstrahlt.» Das Gaudi ist, um stellenwertig zu argumentieren, derart immens, dass die Obwaldnerin ihrem aus Amerika stammenden Ehegatten vor einigen Wochen nichts anderes unter die Nase rieb als: «Ich komme gerne mit dir auf den geplanten Trip zu unseren Verwandten nach Oklahoma und Dallas. Aber eines muss du wissen: Am 6. Juni will ich in Engelberg beim ­Fisherman-Strongmanrun dabei sein.» Judiths Allerliebster gab klein bei, gestern reiste sie zurück aus den Staaten.

Gestählt dank vielen Marathons

Und so ist der ultimativ spektakuläre Event mit einem von vielen Hindernissen gespickten 18,5 km langen Parcours um eine wesentliche Attraktion reicher. Judith Odermatt startet zusammen mit Beatrice Gander im Zweierverbund, und wissen muss man: Die beiden jung und fit gebliebenen 47-jährigen Ladys kennen sich seit über vier Jahrzehnten. «Wir besuchten zusammen in Wolfenschiessen den Kindergarten», erinnert sich Beatrice Gander, «und irgendwie haben wir uns nie aus den Augen verloren.» Zusammen mit ihrem Papa erfreut Judith Odermatt seit vielen Jahren im Kloster Engelberg mit einer Schaukäserei Gaumen und Auge, und wenn immer es das Zeitmanagement zulässt, schnürt sie die Laufschuhe. Einige Marathons hat die Ausdauersportlerin bereits absolviert, die halbe Distanz über 21,10 km auch schon in Luzern – und die Reifeprüfung besteht sie alljährlich beim Jungfraumarathon, den nur ohne grössere physische Blessuren besteht, wer austrainiert ist. «Judith», lobt Beatrice Gander, «ist eine unerhört willensstarke Läuferin und auch besser in Form als ich.» Da könne sie, schmunzelt die als Personalfachfrau beim Schweizerischen Arbeiterhilfswerk agierende Stansstaderin, mit einem «Riesen-Jetlag» aus Amerika zurückkehren, «Judith wird am Samstag trotzdem das Zugpferd sein».

Eine Feinwäsche nützt nichts

Zu ziehen, sich anzuspornen, das sei auch eine Vorgabe bei diesem Lauf, sagen die beiden unisono: «Nicht verbissen, aber doch mit einer Spur Ehrgeiz. Also grad Letzte wollen wir ja nicht werden.» Aber klar im Vordergrund steht der Spass. Ehrensache ist zum Beispiel, dass man sich möglichst extravagant-auffallend-lässig kleidet; Judith Odermatt und Beatrice Gander gehen als zwei «Engeli» mit «Flügeli» ins Rennen – so wie sich das gehört beim Auftritt in Engelberg, quasi vor der Haustüre. «Das Problem ist», macht das illustre Duo auf Galgenhumor, «dass wir doch einige Hindernisse zu bewältigen haben, die durchaus in die Kategorie ‹Sumpf- und Schlammlandschaft› einzuordnen sind. Deshalb werden unsere blütenweissen Dresses schon bald einmal einen eher bräunlichen Anstrich erhalten.» Der wird sich bis im Ziel so in die Gewänder eingefressen haben, dass nicht an eine Feinwäsche zu denken sei: «Beim nächsten Mal werden wir uns wieder ein neues Engelskostüm zu nähen haben.»

Apropos Hindernisse: «Der Anlass besitzt einen unerhört charmanten Charakter», erzählt Judith Odermatt, die schon bei der Erstaustragung vor vielen Jahren in Thun in einem damals noch sehr kleinen Feld startete, «wenn du vor einer für Frauen-Geschöpfe eher überdimensionierten Barrikade stehst, dann hält der Solidaritätsgedanke Einzug, und du brauchst nicht lange zu warten, bis dir das starke Geschlecht hilfreich zur Seite steht.» Passt exakt zur Event-Philosophie: nicht «tämpelen», weil der Besenwagen nicht endlos wartet, aber ja kein «stierer» Blick auf die Uhr.

So also werden die beiden Fishermen oder exakter Fisherladys einen ausnehmend spannenden und lustigen Tag miteinander erleben, und Beatrice Gander, die – das sei nicht unerwähnt – ihre Ausdauer nicht zuletzt beim Lauftreff der «Neuen Nidwaldner Zeitung» stählt, darf sich wieder mal auf ihr Lebensmotto verlassen: «Erstens: Freude und Spass am Leben. Zweitens: die Energie dort einsetzen, wo es Sinn macht, wo sie etwas bewirkt.»

Strongmanrun in Engelberg

Samstag: Startschuss um 14.00 Uhr bei der Talstation der Titlis-Bahnen. Keine Nachmeldungen möglich, der Anlass ist ausverkauft.

Mehr Infos unter: www.strongmanrun.ch

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