ÖV: 10 Jahre S-Bahnen: Weiterer Ausbau geplant

Vor zehn Jahren fuhr die erste S-Bahn durch die Zentralschweiz. Die Betreiber ziehen zum Jubiläum ein Fazit und geben Ausblick auf künftige Entwicklungen im öffentlichen Verkehr in der Region. Die Ideen reichen bis 2025.

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Bundesrätin Doris Leuthard in der unterirdischen ZB Haltestation Messe Allmend Luzern bei der Eröffnung im November 2012. (Bild: Philipp Schmidli  / Neue LZ)

Bundesrätin Doris Leuthard in der unterirdischen ZB Haltestation Messe Allmend Luzern bei der Eröffnung im November 2012. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Am 12. Dezember 2004 führten die Zentralschweizer Kantone mit neuen Haltestellen, Fahrzeugen und Infrastrukturen die S-Bahnen ein. Zehn Jahre später verzeichnen die Bahnen in der Zentralschweiz 75 Prozent mehr Einsteiger als 2005. Der Ausbau sei aber nicht abgeschlossen, teilen die Betreiber der S-Bahnen in der Zentralschweiz, SBB, BLS, SOB und Zentralbahn in einer gemeinsamen Medienmitteilung vom Dienstag mit.

Kontinuierlicher Ausbau

In den vergangenen zehn Jahren sei kontinuierlich in die Infrastruktur, das Angebot und das Rollmaterial investiert worden. So entstanden in der Zentralschweiz knapp 20 neue Haltestellen, so etwa Kriens Mattenhof, Hochdorf Schönau, Wolhusen Weid, Maxon Ewil (Sachseln) oder die neuen Stationen der Stadtbahn Zug. Auch die Takte seien immer wieder ausgebaut worden, zum letzten Mal im Dezember 2013, als zwischen Hergiswil und Luzern auf der S4/S5 der 15-Minuten-Takt eingeführt wurde. Beim Rollmaterial fand ebenfalls eine Entwicklung statt. Heute verkehren fast ausschliesslich moderne Triebzüge mit Niederflureinstieg und Klimatisierung.

Massive Steigerung der Fahrgäste

Mit rund 90'000 Ein- und Aussteigern – inklusive Fernverkehr — ist Luzern der wichtigste Bahnhof in der Zentralschweiz, gefolgt von Zug mit rund 40'000. Die frequenzstärkste S-Bahn ist die S1 Luzern–Zug–Baar mit jährlich rund 7 Millionen Einsteigern (2004: 1.7 Millionen). Auf dieser Linie habe in den vergangenen zehn Jahren eine Fahrgastzunahme von rund 400 Prozent stattgefunden. Diese markante Steigerung sei auf die Einführung der Stadtbahn Zug, die neuen Haltestelle Root D4 und Buchrain sowie der Ausbau zum durchgehenden 30-Minuten-Takt auf der S1 zwischen Luzern und Rotkreuz zurückzuführen.

Mit 250 Prozent Steigerung verzeichne auch die S5 Luzern–Sarnen–Giswil ein überdurchschnittliches Fahrgastwachstum. Während 2005 noch 0.8 Millionen Einsteiger gezählt wurden, zählt heute die S5 1.9 Millionen Einsteiger. Ein ähnliches Wachstum weise die S4 Luzern–Stans–Wolfenschiessen auf. Die S2 Zug–Schwyz–Erstfeld habe mit 60 Prozent mehr Einsteiger ebenfalls eine starke Entwicklung hinter sich. Heute seien auf dieser Verbindung jährlich rund 1.6 Millionen Fahrgäste unterwegs.

pd/uus

Weiterer Ausbau: S-Bahnen planen bis 2025

pd. Das Netz der S-Bahnen in der Zentralschweiz ist noch nicht abgeschlossen: Es werde eine noch bessere Verknüpfung zwischen S-Bahn und Bus angestrebt, so etwa am geplanten Kantonsbahnhof in Altdorf oder am öV-Verknüpfungspunkt in Ebikon. Weiter stünden Rollmaterial-Erneuerungen an, wie beispielsweise die Beschaffung von fünf neuen Zentralbahn-Zügen des Modells «FINK» als Ersatz für die über 45-jährigen Module, welche vor allem während den Pendlerzeiten als Verstärkung eingesetzt werden. Im Luzerner Seetal sind zusätzliche Hauptverkehrszüge geplant. Weiter soll in Luzern West bis spätestens 2020 der RegioExpress und die S7 auf der Strecke Wolhusen-Luzern gekoppelt werden (Flügelzugkonzept). Dadurch wird eine weitere Direktverbindung ab Willisau nach Luzern erschlossen. Ausserdem würden zurzeit mögliche Ausbauten im Zeithorizont 2025 studiert, die aufwärtskompatibel zu den Grossbauwerken Tiefbahnhof Luzern und Zimmbergbasistunnel II sind, aber vorzeitig umgesetzt werden könnten.

Meilensteine: Chronologie der S-Bahnen in der Region

Dezember 2004:

  • Start S-Bahnen in der Zentralschweiz. Zwei Jahre zuvor wurde bereits die neue Seetalbahn (S9) sowie die Haltestellen Emmenbrücke Gersag und Root D4 eröffnet.
  • Vier neue Haltestellen Kanton Luzern: Buchrain, Baldegg Kloster, Wolhusen Weid und Kriens Mattenhof
  • Einführung Stadtbahn Zug Neubau Haltestellen Chämleten, Zythus, Alpenblick, Chollermüli, Schutzengel, Neufeld, Lindenpark, Postplatz, Fridbach
  • Neues Rollmaterial SBB Auf der S1 kommen neuen Triebzüge des Typs FLIRT zum Einsatz.

Dezember 2005:

  • Neue Haltestelle Kanton Obwalden: In Sachseln wird die neue Haltestelle Ewil Maxon realisiert.
  • Neues Rollmaterial Zentralbahn Auf der Zentralbahn kommen neue Triebzüge des Typs SPATZ zum Einsatz.

September-Dezember 2006:

  • Einführung Tellbus Die SBB lanciert zusammen mit vbl und der Auto AG Uri einen Schnellbus zwischen Uri und Luzern (via Selisbertunnel), als Ergänzung zum Bahnnetz.
  • Zwei neue Haltestellen Kanton Luzern: Hochdorf Schönau und Meggen Zentrum.

Dezember 2007:

  • Neue Haltestelle Kanton Luzern: Verkehrshaus der Schweiz.
  • Integrale Verlängerung der S3 bis nach Brunnen: Der Talkessel Schwyz erhält eine Direktverbindung nach Luzern.

Dezember 2008:

  • Taktverdichtung S1 Zug und Verknüpfung S1 mit S18: Einführung des 15-Minuten-Taktes auf der S1 zwischen Baar und Rotkreuz. Dadurch entsteht eine direkte Verbindung im 30-Minuten-Takt zwischen Baar und Sursee. Die S8 verkehrt nur noch zwischen Sursee und Olten.

Dezember 2009:

  • Neue Haltestelle: Stadtbahn Zug Zug Casino

Dezember 2010:

  • Neue Haltestelle und Taktverdichtung: Stadtbahn Zug. Neue Haltestelle Walchwil Hörndli und 30-Minuten-Takt zwischen Lindenpark–Walchwil.
  • Das Emmer Busnetz wird in Waldibrücke und Emmenbrücke Gersag mit der S-Bahn verknüpft.
  • Die neue Linie S61 verkehrt zu Hauptverkehrszeiten zwischen Luzern und Schachen.
  • Neue Linie S32 Mit der S32 wird eine neue Linie eingeführt, welche zu Hauptverkehrszeiten
  • zwischen Arth–Goldau und Rotkreuz verkehrt.
  • Einführung Flügelzugkonzept Luzern: West Die S-Bahn verlässt mit zwei zusammengekoppelten Fahrzeugen Luzern in Richtung Wolhusen. Von dort fahren der vordere Teil nach Langnau und der hintere Teil nach Langenthal.

Dezember 2011:

Das Seetal erhält am Sonntag ebenfalls den 30-Minuten-Takt.

Dezember 2013:

Tieflegung Zentralbahn Neu verkehrt die Zentralbahn unterirdisch von Kriens Mattenhof nach
Luzern. Auf der Allmend entsteht eine neue Haltestelle. Zudem wird auf der S-Bahn der 15-Minuten-Takt zwischen Hergiswil und Luzern, die schnellen Verbindungen S44/S55 und neues Rollmaterial eingeführt.

Dezember 2014:

Zehn Jahre S-Bahn in der Zentralschweiz Zwischen 2005 und 2014 verzeichneten die S-Bahnen in der Zentralschweiz ein Fahrgastwachstum von 75 Prozent.

pd

Ein Zug bei der Durchfahrt in der Haltestation Allmend Messe. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Ein Zug bei der Durchfahrt in der Haltestation Allmend Messe. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Zwei Kompositionen der Südostbahn SOB im Bahnhof Einsiedeln. (Bild: SOB)

Zwei Kompositionen der Südostbahn SOB im Bahnhof Einsiedeln. (Bild: SOB)