Ohne Fleiss keine Radieschen

Jahrelang hat Madeleine Schneeberger einen Schulgarten betrieben, wo Kinder gemeinsam Gemüse anbauen, pflegen und ernten.

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Kurz vor den Sommerferien: Gemeinsam mit einer Schülerin erntet Madeleine Schneeberger Radieschen. (Bild: Corinne Glanzmann)

Kurz vor den Sommerferien: Gemeinsam mit einer Schülerin erntet Madeleine Schneeberger Radieschen. (Bild: Corinne Glanzmann)

«Gestern Abend hat es ein Sommergewitter gegeben. So lässt es sich heute viel besser jäten.» Der von Madeleine Schneeberger erteilte Auftrag an die Schülerinnen und Schüler ist klar: Erst muss das Unkraut weg, dann kann geerntet werden. Wegen der vielen Ameisen müssen zuvor allerdings die Gehwege zwischen den Gartenbeeten mit «Ameisenwasser», einer Mischung aus Wasser und natürlichem Ameisenvertreiber, besprenkelt werden, damit sich das grosse Krabbeln während der Gartenarbeit in Grenzen hält. Ausgerüstet mit Giesskanne, Kessel und Gartenschaufel machen sich die Kinder sogleich an die Arbeit.

Eine Lektion pro Woche

Seit 1986 betreibt Madeleine Schneeberger, Heilpädagogin an der Schule Sarnen, mit ihren Schulkindern auf Eigeninitiative einen Schulgarten. Anlässlich der Ateliers für Begabungsförderung haben die Schulkinder der Mittelstufe die Möglichkeit, während einer Lektion pro Woche im Schulgarten Kräuter und Gemüse anzupflanzen.

Früher noch am Standort der Kollegi- Gärtnerei gelegen, befindet sich der Schulgarten seit 2004 direkt neben der Aula Cher. Von Ostern bis zu den Sommerferien treffen sich die Schülerinnen und Schüler hier insgesamt zehn Mal zur Gartenarbeit, um gemeinsam Kartoffeln, Tomaten oder Radieschen anzupflanzen. «Es ist mir ein Anliegen, dass die Kinder trotz Computerprogrammen und Schulbüchern den Bezug zur Natur nicht verlieren», hält Madeleine Schneeberger fest. «Im Schulgarten entwickeln sie ein Gefühl für Kontinuität, indem sie den Wachstumsprozess des Gemüses vom Zeitpunkt des Anpflanzens bis zur Ernte mitverfolgen können.»

Fleiss, Ausdauer und Geduld

Natürlich dürfen die Kinder das biologisch angebaute Gemüse als Ernte mit nach Hause nehmen. «So kann man aus der verrichteten Arbeit einen direkten Nutzen ziehen. Das sorgt für zusätzliche Motivation», weiss Madeleine Schneeberger. Trotzdem muss den Kindern während der Lektion im Schulgarten immer wieder klargemacht werden, dass ohne Fleiss, Ausdauer und Geduld keine Rüebli aus dem Boden geschossen kommen. Nachdem das Unkraut auf dem Kompost deponiert und die gebrauchten Gartenwerkzeuge gereinigt wurden, steht im zweiten Teil der Lektion das Radieschenpflücken auf dem Programm: Unter Anleitung von Madeleine Schneeberger ziehen die Schüler behutsam eine lilafarbene Kugel nach der anderen aus dem Erdreich. «Die Arbeit im Garten ist zwar streng, aber das Gemüseernten ist cool. Schliesslich dürfen wir die Ernte ja mit nach Hause nehmen», meint Schüler Mias Lingertat, der sogar seine Freilektion der schulischen Gartenarbeit widmet.

«Beim ersten Gartenbesuch der Saison ekeln sich viele Kinder vor der dreckigen, nassen Erde oder vor den Insekten und Regenwürmern. Der Ekel weicht aber bald einer wahren Faszination und Begeisterung. Diese Sensibilisierung ist eine direkte und gewünschte Erfahrung durch die Gartenarbeit», so Madeleine Schneeberger. Für sie beginnt nun nach 39-jähriger Lehrtätigkeit an der Schule Sarnen ein neuer Lebensabschnitt. Für die Nachfolge der Schulgarten-Betreuung ist indes bereits gesorgt.

Lukas Tschopp

Aufruf

Haben Sie auch einen speziellen Garten und kennen jemanden, der einen solchen hat? Melden Sie sich mit einem Gartenbild unter kanton@luzernerzeitung.ch oder 041 429 51 51.