OPERETTE: 100. Premiere im Theater Arth

Zum 100. Mal wurde am Samstag im Theater Arth eine Premiere gefeiert. Mit der Operette «Gasparone» machte man sich ein Geschenk zum Jubiläum.

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Beat Schwerzmann als Bürgermeister Nasoni (links) und Patrick Biagioli als Benozzo, umringt vom Chor. (Bild Remo Inderbitzin)

Beat Schwerzmann als Bürgermeister Nasoni (links) und Patrick Biagioli als Benozzo, umringt vom Chor. (Bild Remo Inderbitzin)

Eine Postkartenidylle eröffnet sich dem Publikum dieses Jahr im Theater Arth. Man blickt auf den Platz vor einer lauschigen kleinen Bar auf Sizilien, im Hintergrund die Aussicht auf das Mittelmeer, die Wellen rauschen, die Grillen zirpen – Ferienstimmung pur. Doch in dieser Idylle treibt Gasparone sein Unwesen. Nacht für Nacht hält er die Polizei in Atem, und schliesslich entführt er sogar die Gräfin Carlotta.

Wie es sich für eine «romantische Räubergeschichte» gehört, entspringen Gasparones Aktionen aber nicht kriminellen Motiven, sondern der Absicht, die wahren Liebesverhältnisse ans Licht zu bringen. So wird die Gräfin denn auch von ihrem Verehrer, Graf Erminio gerettet, und die Operettenhandlung kann ihren weiteren Lauf nehmen.

Komödiantische Elemente
Für die Arther Inszenierung verlegte Regisseur Christian Seiler die Handlung von Carl Millöckers Operette «Gasparone» ins Italien der 50er-Jahre. Entsprechend bearbeitete er auch den Text. Sehr gelungen wertete er die Dialoge auf, so dass die gesprochenen Partien gegenüber den gesungenen nie abfallen, vielmehr fügen sich die Lieder ins Theaterspiel ein.

Nebst den Filmen der 50er-Jahre orientierte sich Seiler auch an der Commedia dell?Arte, welche für ihn «die Urform des Theaters überhaupt» sei, wie er vor der Premiere am Samstag erklärte.

Seilers Inszenierung hat Schwung, Dynamik und Farbe, die komödiantischen Elemente reissen das Publikum mit und animieren zu manchem Lacher. Wirkungsvoll unterstützt wird dieses Spiel von einer Drehbühne, entworfen von Kristin Osmundsen.

 Eine Inszenierung, die stark auf das Theaterspiel setzt, verlangt auch den Sängern einiges ab. Die Solisten in Arth meistern diese Aufgabe jedoch mit Bravour und bemerkenswerter Leichtigkeit. Insbesondere Beat Schwerzmann als cholerischer Bürgermeister Nasoni, Patrick Biagioli als Barbesitzer Benozzo und Brigitte Jost als dessen Frau pflegen einen wunderbar erfrischenden Commedia-Stil, ihre Auftritte sind komödiantische Leckerbissen. Sarah Maeder gibt eine verschlossene, zwischen Liebe und Ehre hin- und hergerissene Gräfin Carlotta, Michael Gniffkes Graf Erminio ist ein durchaus zwielichtiger Charmeur. Gerda Rechsteiner (Carlottas Tante Zenobia) und Marius Meier (Bürgermeister-Sohn Sindulfo) spielen ihre Rollen mit dem nötigen Klischee. Die Rolle des Schmugglers Massaccio gibt der altgediente Tenor Max Hermann, die tratschende Zofe der Gräfin spielt Laura Zwyssig.

Die Urfassung gespielt
«Gasparone», eine mustergültige Operette, steht Millöckers berühmtesten Werk, dem «Bettelstudenten» um nichts nach. Man entschied sich in Arth dafür, die Urfassung der Operette zu spielen, was zur Folge hatte, dass das alte und mangelhafte Notenmaterial zunächst aufbereitet werden musste. Trotz dieser Mehrarbeit hat das Orchester (musikalische Leitung Michael Schuler) die Freude am Werk nicht verloren.

Das Tüpfelchen auf das i setzte schliesslich der Theaterchor (Leitung: Esther Rickenbach) mit stimmgewaltigen und wirkungsvoll arrangierten Auftritten.

Mit «Gasparone» machte sich das Theater Arth also ein durch und durch gelungenes Geschenk zum Jubiläum. Das Publikum wusste es mit lang anhaltendem Applaus zu honorieren.

Georg Suter / Neue Schwyzer Zeitung

Aufführungen bis am 15. März. Vorverkauf unter 041 855 34 20 (Mo 8.30 bis 11 Uhr und 14 bis 17.30 Uhr, Mi und Fr 14 bis 17.30 Uhr) und www.theaterarth.ch .