OZONWERTE: Bevölkerung soll aufs Auto verzichten

Die Ozon-Konzentration in der Luft liegt in der Zentralschweiz seit mehreren Tagen über dem Grenzwert. Die Zentralschweizer Umweltdirektoren rufen die Bevölkerung auf, körperliche Anstrengungen zu meiden und den Schadstoffausstoss zu verringern.

sda/Pd
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Die Umweltdirektoren rufen dazu auf, das Auto stehen zu lassen, zu Fuss zu gehen oder das Velo oder den öV zu benutzen. Im Bild eine Velofahrerin im sommerlichen Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Die Umweltdirektoren rufen dazu auf, das Auto stehen zu lassen, zu Fuss zu gehen oder das Velo oder den öV zu benutzen. Im Bild eine Velofahrerin im sommerlichen Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Während der letzten Tage seien an mehreren Messstellen in der Zentralschweiz Spitzenwerte von jeweils über 150 μg/m3 registriert worden, heisst es in einer Mitteilung der Zentralschweizer Umweltdirektorenkonferenz vom Donnerstag. Der in der Schweizer Luftreinhalte-Verordnung festgelegte Immissionsgrenzwert zum Schutz der Gesundheit und Umwelt beträgt 120 μg/m3.

Da für das kommende Wochenende eine weiter Hitzeperiode prognostiziert werde, müsse erneut mit steigenden Ozonbelastungen gerechnet werden, heisst es in der Mitteilung weiter.

Sport am Vormittag

Die Umweltdirektoren raten auf Ozon empfindlich reagierenden Personen starke körperliche Anstrengungen im Freien zu Zeiten tiefer Ozonwerte - etwa Vormittags - auszuüben. Es empfehle sich zudem, Sport im Schatten - etwa im Wald - zu treiben.

Weiter fordern die Umweltdirektoren die Bevölkerung auf, das Privatauto stehen zu lassen und zu Fuss zu gehen oder das Velo oder den öffentlichen Verkehr zu benutzen. 2-Takt-Motoren, Fahrzeuge ohne Katalysator und ältere Dieselfahrzeuge sollten möglichst wenig benutzt werden.

Husten und Augenbrennen

Das Reizgas Ozon kann beim Menschen zu Husten, Augenbrennen, Kopfweh und Atembeschwerden führen. Besonders betroffen sind Kinder und Personen, die sich oft im Freien aufhalten. Bei Pflanzen kann Ozon die Blätter schädigen.

Ozon in der Atemluft entsteht unter der Einwirkung von Sonneneinstrahlung. Grundlage sind Stickoxide, die bei Verbrennungsprozessen etwa im motorisierten Verkehr entstehen. Aber auch flüchtige organische Verbindungen, die als Lösungsmittel in Industrie, Gewerbe und Haushalten eingesetzt werden, gelten als Vorläuferschadstoffe für Ozon.

Woher kommt das Ozon?

Ozon entsteht unter Einwirkung von Sonnenstrahlung aus sogenannten Vorläuferschadstoffen, vor allem Stickoxiden und flüchtigen organischen Verbindungen (VOC). Sickoxide stammen aus Ver-brennungsprozessen, zur Hälfte aus dem motorisierten Verkehr, während VOCs Lösungsmittel sind, die in Industrie, Gewerbe und Haushalten eingesetzt werden. Inzwischen ist Ozon ein globales Prob-lem. Die weltweite Industrialisierung führt dazu, dass Ozon auch in höhere Luftschichten gelangt und grossräumig verteilt wird. Experten gehen aber davon aus, dass in der Schweiz ohne die bisher ge-troffenen Massnahmen die Ozon-Spitzen deutlich höher ausfallen würden.

Ist Ozon schädlich?

Das Reizgas Ozon ist schädlich für Mensch, Tier und Pflanzen. Beim Menschen verursachen hohe Ozonkonzentrationen Husten, Kratzen im Hals, Augenbrennen, Kopfweh, Atembeschwerden oder Asthma. Besonders gefährdet sind Kinder sowie Personen, die sich viel im Freien aufhalten und sich körperlich betätigen. Ozon schädigt zudem die Blätter von Pflanzen, was bei Nutzpflanzen zu Ernteeinbussen führt. Nicht zuletzt ist Ozon auch ein Treibhausgas, das zum Klimawandel beiträgt.

Unten zuviel und oben zuwenig?

Obschon Ozon in unserer Atemluft schädlich ist, ist es als Teil der Erdatmosphäre lebenswichtig. Die Ozonschicht in rund 15 bis 40 km Höhe schützt die Erde vor der gefährlichen Ultraviolett-Strahlung. Verschiedene Luftschadstoffe steigen – zum Teil über Jahre – bis zur Ozonschicht auf. Dort reagie-ren einzelne mit dem Ozon und bauen es ab. Dieses Phänomen wurde zuerst über dem Süd- und am Nordpol entdeckt, wo jeweils im Frühling bis zu 80% des Ozons abgebaut werden. Man spricht vom Ozonloch. Der Ozonabbau in der Ozonschicht hat zur Folge, dass mehr ultraviolette Strahlung auf die Erde gelangt. Es ist eine Tatsache, dass die Erkrankung an Hautkrebs bei Menschen auch in der Schweiz entsprechend zugenommen hat. Substanzen, welche die Ozonschicht schädigen, sind inzwischen international verboten. Es wird aber noch Jahrzehnte dauern, bis sich die Ozonschicht wieder erholt hat.