PERSPEKTIVEN: Gute Noten für Zentralschweiz

Trotz geopolitischen Problemen zeigt sich die Zentralschweizer Wirtschaft erstaunlich robust, sagte der Ökonom Martin Eichler gestern im KKL Luzern.

Bernard Marks
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Trotz Unsicherheiten optimistisch für die heimische Wirtschaft:
BAK-Basel-Chefökonom Martin Eichler gestern im KKL. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Trotz Unsicherheiten optimistisch für die heimische Wirtschaft: BAK-Basel-Chefökonom Martin Eichler gestern im KKL. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Die Frage, wie es um das Wohlergehen der Zentralschweizer Wirtschaft steht, lockte gestern Abend 1400 Vertreter aus Wirtschaft und Politik an die Perspektivenveranstaltung 2014 ins KKL. «Nichts ist spannender als Wirtschaft», sagte Heinrich Leuthard, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Nidwaldner Kantonalbank, zur Begrüssung der Gäste. «Wirtschaft sind wir alle – als Unternehmer, als Führungs- oder Fachkräfte und Konsumenten», sagte Leuthard weiter. Eine Wirtschaft, so spannend sie ist, brauche aber auch Perspektiven und politische Beinfreiheit, so Leuthard. Doch nicht nur geopolitische Unsicherheiten belasten weltweit aktuell die Wirtschaftsstimmung. Die Schweiz habe auch hausgemachte Probleme.

«Halb voll oder halb leer»

Es gab also gute Gründe, um gestern Abend einen Blick in die Zukunft zu wagen. Wie wird es der regionalen Wirtschaft im Jahr 2015 ergehen? Mit dem Chefökonomen des Forschungsinstitutes BAK Basel, Martin Eichler, hatte sich ein Gastredner angekündigt, der dies aus erster Hand wissen muss. Eichler machte keinen Hehl daraus, dass die Konjunktur derzeit negativ belastet wird. Die Risiken seien im Moment grösser als normal und ernst zu nehmen. «Die Stimmung ist deshalb eingetrübt», sagte Eichler. Auch die Schweizer Wirtschaft spüre einen rauen Gegenwind. Doch es gebe positive Signale. So zeichnet sich in den USA ein deutlich intaktes Wirtschaftswachstum ab. Auch die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft haben sich nach einem Dämpfer im September im Oktober etwas verbessert. Von den konjunkturellen Entwicklungen in Europa könne sich die Schweiz aber nicht abkoppeln. «Wir müssen uns daher fragen, ob das Glas halb voll oder halb leer ist», sagte Eichler.

Zentralschweiz legt vor

Die Beschäftigung wird sich 2015 in der Schweiz positiv entwickeln. Aber die Arbeitslosigkeit werde stagnieren, ist Eichler überzeugt. Während sich die Südschweiz punkto Wirtschaftswachstum am schwächsten entwickelt, steht die Zentralschweiz mit einem Wachstum von 2,5 Prozent im nächsten Jahr deutlich besser da im Vergleich zu anderen Regionen. Nur Basel kann ein ähnliches Wirtschaftswachstum für 2015 aufweisen. Die Zentralschweizer Kantone werden insgesamt ein Wachstum verzeichnen, das über dem Schweizer Durchschnitt liege. Ob in den Bereichen Export, Anzahl Baubewilligung, Zahl der Logiernächte oder im Bevölkerungswachstum, alle Bereiche werden sich in der Zentralschweiz positiv entwickeln, erklärte Eichler.

Die Ausführungen des Chefökonoms bedeuteten natürlich gute Nachrichten für die anwesenden Gäste. Immerhin steht die Zentralschweiz in Sachen Wirtschaftsleistung wieder einmal als Musterschüler der gesamten Schweiz da.

Vortrag von Selfmade-Unternehmer

Anschliessend an das Referat von Martin Eichler gab es Lehrreiches von einem der jüngsten Unternehmensberater im deutschsprachigen Raum. Philipp Riederle ist gerade einmal 20 Jahre alt und in Wirtschaftskreisen schon eine Berühmtheit. Der Selfmade-Unternehmer machte bereits als 15-Jähriger mit selbst produzierten Podcasts im Internet von sich reden. Gestern weihte er die anwesenden Zuhörer in seine eindrucksvolle Erfolgsgeschichte als Berater von Grosskonzernen ein.

Das reale Netzwerk auffrischen

«Nutzen Sie die Gelegenheit, beim anschliessenden Apéro Ihr Netzwerk zu pflegen», sagte Heinrich Leuthard. Denn als Netzwerkveranstaltung verstehen sich die Perspektiven, die jährlich durchgeführt werden. Und im Gegensatz zum virtuellen Netzwerk, das in Sekundenbruchteilen per Mausklick verbindet, ersetzte zum Abschluss des spannenden Abends für kurze Momente ein Glas Wein die Tastatur – und die Visitenkarte das für einmal ausgeschaltete Smartphone.