PFÄFFIKON: Er wollte schon einmal eine Frau töten

Die seit vergangenen Mittwoch vermisste 16-jährige Lucie in einer Wohnung in Rieden bei Baden umgebracht worden. Mutmasslicher Täter ist ein 25-jähriger, einschlägig vorbestrafter Schweizer.

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Polizeikommandant Stephan Reinhardt und Oberstleutnant Urs Winzenried, Abteilungschef Kriminalpolizei Aarau, sprechen zu den Medien. (Bild EQ)

Polizeikommandant Stephan Reinhardt und Oberstleutnant Urs Winzenried, Abteilungschef Kriminalpolizei Aarau, sprechen zu den Medien. (Bild EQ)

Die Leiche des 16-jährigen Au-pair-Mädchens aus Bulle im Kanton Freiburg wurde am (gestrigen) Sonntagabend im Badezimmer einer Wohnung in Rieden (AG) entdeckt, wie die Aargauer und die Schwyzer Polizeibehörden bekannt gaben. Eine formelle Identifikation der Leiche stand noch aus, doch geht die Polizei davon aus, dass es sich um die seit vergangenem Mittwoch in Pfäffikon (SZ) vermisste Lucie handelt. Sie wurde Opfer eines Gewaltverbrechens, wie der Aargauer Kripochef Urs Winzenried sagte. Die Leiche wies massive stumpfe und scharfe Gewalteinwirkung auf. Die Polizei geht davon aus, dass die Wohnung auch der Tatort ist und als Motiv ein Sexualdelikt im Vordergrund steht.

Seit August 2008 wieder frei
Unter dringendem Tatverdacht ist der 25-jährige Wohnungsinhaber. Er hatte sich wenige Minuten vor Beginn der Medienkonferenz vom Montagnachmittag um 14 Uhr bei der Zürcher Stadtpolizei gestellt. Es handelt sich um einen Schweizer, der als Koch gearbeitet hat und seit einigen Wochen arbeitslos ist. Der Mann ist unter anderem wegen eines versuchten Tötungsdelikts an einer jungen Frau im Jahr 2003 im Kanton Aargau vorbestraft und seit August 2008 wieder auf freiem Fuss.

Auf die Spur der Wohnung kam die Polizei dank Natel-Anrufen eines 18-jährigen Kollegen des mutmasslichen Täters auf das Handy der Vermissten. Dieser sei am Sonntagabend von der Polizei in Nussbaumen angehalten worden, habe aber glaubhaft versichert, dass er Lucie nicht kenne. Hingegen machte er Angaben über einen Kollegen, der mit Lucies Handy angerufen haben könnte.

Handyspur führte nach Baden
Laut dem Schwyzer Kripochef Stephan Grieder ist davon auszugehen, dass der mutmassliche Täter versucht hatte, mit Lucies Handy den 18-Jährigen anzurufen. Dieser habe dann zwischen Mittwoch und Freitag versucht, auf diese Handy-Nummer zurückzurufen. Beide Männer wurden in Haft genommen. Die Spur von Lucie hatte sich in Baden verloren, wo sie am Mittwochabend um 22 Uhr letztmals gesehen worden war. Auf diese Zeit fiel auch die letzte Ortung ihres Mobiltelefons im Raum Baden.

Inzwischen steht laut Grieder fest, dass sie an diesem Tag den Zug nach Zürich genommen und dort kurz nach 14 Uhr Geld an einem Bancomat bezogen hatte. Zwischen 16 und 18 Uhr führte sie mit ihrem Natel ein Gespräch mit einer Bekannten. Wann und wo Lucie den Täter getroffen hat und wie sie von Zürich nach Baden gelangte, ist laut Grieder vorerst offen.

Die Ermittlungen hatten ergeben, dass die Jugendliche offenbar Interesse an Fotoaufnahmen für eine Schmuckpräsentation und entsprechende Kontakte mit Unbekannten hatte. Laut der Polizei war zunächst offen, ob der Tatverdächtige auf diese Weise versucht hat, mit dem späteren Opfer in Kontakt zu treten.

Beileidsbekundungen auf Facebook
Die Angehörigen des Mädchens bemühten sich ihrerseits, die Vermisste zu finden und verteilten Flugblätter und hängten Plakate mit ihrem Bild auf. Die Suche lief auch im Internet. Auf Facebook wurde eine Gruppe gegründet, welche die Benutzer aufrief, Hinweise auf den Verbleib der Vermissten abzugeben, die inzwischen auf 41'000 Mitglieder angewachsen ist. Zurzeit wechseln sich Beileid und Wut in den zahlreichen Kommentaren der User gegenseitig ab.

ap/scd